Diabetes mellitus Typ 2 bessert sich oft, wenn Betroffene ihren Lebensstil ändern.

Diabetes mellitus Typ 2: die Wohlstandskrankheit

Typ-2-Diabetiker haben es in vielen Fällen selbst in der Hand, wie sich ihre Krankheit entwickelt. Bewegung und gesunde Ernährung wirken positiv.

Diabetes mellitus Typ 2 ist die häufigste diabetische Erkrankung: Neun von zehn aller Diabetiker leiden an dieser Stoffwechselstörung. Und pro Jahr kommen in Deutschland rund 300.000 neue Patienten dazu, ermittelte die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) – wobei die Dunkelziffer groß ist: Bis zu zwei Millionen Menschen wissen nach Schätzungen der Deutschen Diabetes-Hilfe noch nichts von ihrer Erkrankung. Dabei ist es äußerst wichtig, dass die Zuckerkrankheit möglichst früh erkannt wird, um zum Beispiel Folgeerkrankungen der Augen, Nieren sowie des Herz-Kreislauf-Systems zu verhindern.

Ebenso vordringlich ist eine bewusste und positive Lebensgestaltung: Ein Diabetes mellitus Typ 2 lässt sich durch Abnehmen, mehr Bewegung und eine gesunde Ernährungsweise meist gut in den Griff bekommen. Dabei hilft die DAK-Gesundheit mit einem speziellen Programm für Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2.

Symptome

DAK-Arzt Dr. Mark Dankhoff erklärt, die Diabetes mellitus Typ 2 Erkrankung

DAK-Experten Dr. Mark Dankhoff

Ein Diabetes mellitus Typ 2 entwickelt sich oft schleichend. Laut der Deutschen Diabetes Gesellschaft wird die Zuckerkrankheit im Durchschnitt erst nach zehn Jahren diagnostiziert – viel zu spät! Denn inzwischen können Folgekrankheiten eintreten, sagt DAK-Mediziner Dr. med. Mark Dankhoff: „Schwere Organ- und Augenschäden können die Folge sein, häufig auch Herzinfarkt oder Schlaganfall.“

Ursachen des Diabetes mellitus Typ 2

Wie kommt es zu dem hohen Anteil an Glukose im Blut? Eigentlich sorgt das körpereigene Hormon Insulin dafür, dass der Stoffwechsel funktioniert: Zucker – durch Essen und Trinken aufgenommen – kann dank Insulin in die Körperzellen transportiert und in Energie umgewandelt werden. Doch bei einem Diabetes mellitus Typ 2 bleibt die Glukose im Blut zurück. Und sie verursacht im fortgeschrittenen Stadium Beschwerden, die besonders dann gefährlich werden, wenn weitere gesundheitliche Risikofaktoren dazu kommen: Übergewicht, Bluthochdruck und zu hohe Blutfettwerte. Mediziner sprechen hier vom „Metabolischen Syndrom“.

Warnsignale, die eine Therapie des Diabetes mellitus Typ 2 nötig machen

Längst nicht jeder Diabetes mellitus Typ 2 verursacht im Anfangsstadium Beschwerden – und wenn doch, dann werden sie besonders von älteren Menschen häufig als altersbedingt verkannt. Deshalb wird die Erkrankung oft erst entdeckt, wenn sich eine Folgekrankheit bemerkbar macht. Schon früh zeigen sich aber unspezifische Symptome, die auf Vorstufen eines Diabetes mellitus Typ 2 hinweisen können:

  • Müdigkeit und Schwächegefühl: Der gesamte Stoffwechsel ist im Ungleichgewicht und die Energieversorgung der Zellen gestört – man wird also schnell müde und weniger belastbar.
  • Häufige Entzündungen: Dauerhaft hohe Blutzuckerwerte schwächen die Widerstandskraft des Immunsystems. Die Folge sind wiederkehrende Entzündungen etwa der Blase oder am Zahnfleisch. Menschen mit Diabetes erkranken bis zu dreimal häufiger an Infektionen als Gesunde.

Auf dauerhaft und massiv angestiegene Blutzucker-Werte deuten diese Anzeichen hin:

  • Durst und Harndrang: Der Körper versucht, den überschüssigen Blutzucker über die Nieren auszuscheiden. Deshalb muss man übermäßig oft Wasser lassen und den Flüssigkeitsverlust ausgleichen – daher das unstillbare Durstgefühl.
  • Die Haut ist trocken und juckt: Dieses Symptom ist wiederum Folge des Flüssigkeitsmangels. Betroffen sind auch die Schleimhäute, weshalb Frauen oftmals an einem Scheidenpilz erkranken.
  • Die Wundheilung verzögert sich: Da die Haut infolge des Diabetes schlecht durchblutet ist, heilen Wunden schlechter, eine Gefahr zum Beispiel an den Füßen.

Leistungen der DAK-Gesundheit bei Diabetes mellitus Typ 2

Zeigen sich eines oder mehrere der oben genannten Symptome, sollte man schnellst möglich den Hausarzt kontaktieren: Er führt Bluttests durch und verordnet dem Patienten bei Bedarf ein Programm für Typ-2-Diabetiker, bei dem Haus- und Fachärzte, Kliniken und Ernährungsberater eng zusammenarbeiten.

Ursachen und Vorbeugung

Bei einem Diabetes mellitus Typ 2 produziert die Bauchspeicheldrüse anfangs zwar noch Insulin, doch die Zellen entwickeln eine Insulinresistenz. In der Folge schüttet der Körper noch mehr Insulin aus, bis die insulinbildenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse sich schließlich erschöpfen. Darum müssen auch viele Typ-2-Diabetiker sich das Hormon über kurz oder lang spritzen. Hinzu kommt bei vielen Betroffenen, dass ihr Darm bestimmte Hormone nicht produziert, die normalerweise die Verdauung von Kohlehydraten anregen.

Warum sich eine Resistenz gegen Insulin entwickelt? Dies kann mehrere Ursachen haben. Die erbliche Veranlagung spielt zumindest eine Rolle; die wichtigsten Risikofaktoren sind jedoch Übergewicht, Fehlernährung und Bewegungsmangel. „Ohne diese auslösenden Faktoren tritt die Erbanlage meist nicht zutage“, weiß DAK-Arzt Dr. Mark Dankhoff. „ Diabetes Typ 2 wird also oft verursacht durch eine ungesunden Lebensstil, der teilweise schon in jungen Jahren begonnen wird. Dadurch kann der Typ-2-Diabetes bereits bei Kindern und Jugendlichen auftreten.“

Wozu Insulin nötig ist

Insulin wird in den Betazellen der Bauchspeicheldrüse gebildet. Im Blut öffnet dieses Hormon den Körperzellen sozusagen die ‚Türen’, durch die der Blutzucker (die Glukose) aus dem Blut einströmen kann, um in Energie umgewandelt zu werden. Bei einem Gesunden sinkt der Blutzuckerspiegel dadurch wieder ab – bis zur nächsten Mahlzeit. Da bei Typ-2-Diabetikern das Insulin kaum noch wirkt, bleiben die Türen in den Zellen geschlossen. Die Glukose aus der Nahrung bleibt im Blut.

Folgen des Diabetes mellitus Typ 2

Neben typischen Symptomen verursacht Insulinmangel oft schwere Langzeitfolgen: Die überschüssige Glukose im Blut verbindet sich mit Eiweißen; diese Verbindungen lagern sich in den Gefäßwänden ab und behindern den Blutfluss. Es drohen Durchblutungs- und Sehstörungen, Nierenschäden und andere Folgeerkrankungen, etwa an den Organen oder am Herzen. In Zahlen der Deutschen Diabetes-Gesellschaft ausgedrückt: Jährlich wird 50.000 Betroffenen in Deutschland ein Fuß amputiert, 2000 Patienten erblinden wegen ihres Diabetes mellitus, 2300 müssen wegen Nierenproblemen zur Dialyse.

Nachweis eines Diabetes mellitus Typ 2

Ein Diabetes mellitus lässt sich über Blutzucker-Tests erkennen. „Liegt der Zuckerwert im Blut – gemessen nach einer Mahlzeit – bei über 200 Milligramm pro Deziliter, so deutet das auf eine Erkrankung hin. Tags darauf wird noch einmal im nüchternen Zustand gemessen. Hier sind 126 mg/dl die Grenzmarke, normal sind Werte unter 100 mg/dl“, erklärt DAK-Arzt Dr. Dankhoff.
Endgültige Sicherheit gewinnt man mit Hilfe eines Langzeit-Tests: Per Blutprobe wird der sogenannte HbA1c-Wert ermittelt. Nicht-Diabetiker haben Werte zwischen 4 und 6 Prozent. Ein höherer Wert sowie Antikörper im Blut weisen auf einen Diabetes mellitus Typ 2 hin. Therapieziel bei Diabetikern sollten Werte bis 7 Prozent sein.

Vorbeugung von Diabetes mellitus Typ 2

Übergewicht und Fehlernährung können einen Diabetes mellitus Typ 2 verursachen oder zumindest den Ausbruch beschleunigen. Um dies zu vermeiden, sollten gefährdete Menschen sich mehr Bewegung und eine gesunde Ernährung gönnen. Ist eine Erkrankung noch nicht weit fortgeschritten, lassen sich die Blutzuckerwerte durch eine gesunde Lebensart wieder normalisieren, so dass kein Insulin ergänzt werden muss.

Therapie

Nicht alle Typ-2-Diabetiker müssen täglich Insulin spritzen, um starke Schwankungen des Blutzuckerspiegels zu verhindern. Wissenschaftliche Studien belegen, dass eine Gewichtsabnahme sich in sehr vielen Fällen positiv auswirkt: Deshalb verordnen wir Ärzte zuerst einmal eine Ernährungsumstellung und Bewegung“, sagt DAK-Mediziner Dr. Mark Dankhoff. „Wird das Körpergewicht um fünf bis zehn Prozent reduziert, sinken die Blutzuckerwerte oft wieder auf den Normalzustand.“ Deshalb ist für Betroffene des Diabetes Typ 2 eine gesunde und ausgewogene Ernährung auch so wichtig.

Auch gefährliche Folgeerkrankungen lassen sich durch Gewichtsreduktion und einen gesunden Lebensstil in den Griff bekommen. Wichtig ist es zum Beispiel mit dem Rauchen aufzuhören und wenig Alkohol zu trinken.

Weitere Therapieschritte bei Diabetes mellitus Typ 2

Bleiben die Blutzuckerwerte trotz gesunder Ernährung und ausreichender Bewegung über 200 mg/dl, verordnet der Arzt Medikamente, die auf den Patienten und seine Bedürfnisse abgestimmt sind:

  • Normalgewichtige bekommen oft Diabetika zum Einnehmen, etwa den Wirkstoff Glibenclamid.
  • Übergewichtige werden häufig mit Metformin behandelt: „Es hemmt in der Leber die Neubildung von Glukose, senkt den Blutzuckerspiegel, dämpft das Hungergefühl und hilft dadurch sogar beim Abnehmen“, erklärt DAK-Arzt Dr. Dankhoff. Allerdings hat das Medikament Nebenwirkungen auf den Verdauungsapparat, verursacht unter anderem Blähungen und Durchfall.
  • Insulin wird (meist) als Injektion verordnet, wenn die Blutzuckerwerte trotz der Medikamente zu hoch bleiben. Je nach Patient können verschiedene Insulin-Arten verordnet werden, die mal schneller, mal langfristiger wirken – welche die richtigen sind, finden Arzt und Patient im Laufe der Therapie heraus.

Auf Signale achten

Der Nüchtern-Glukose-Wert sollte weder über 120 mg/dl ansteigen noch zu stark abfallen. Beide Stoffwechsel-Entgleisungen können zu Bewusstlosigkeit führen und lebensbedrohlich sein – in beiden Fällen über 112 den Notarzt rufen!
So weit muss es nicht kommen, denn der Körper sendet meist Warnsignale: Unterzuckerung deutet sich zum Beispiel durch Herzrasen, Schweißausbrüche und starkes Hungergefühl an; Überzuckerung durch starken Durst und Harndrang.

Richtig messen und spritzen

„Neu-Diabetiker“ müssen den Umgang mit Blutzucker-Messgeräten und Insulin-Gaben erst lernen – etwa das Hormon nicht direkt ins Muskelgewebe zu spritzen, damit es nicht zu schnell verstoffwechselt wird; andernfalls droht Unterzuckerung. Als Gegenmaßnahme für solch einen Fall sollten Betroffene immer Traubenzucker bei sich haben.

Wichtig: Diabetiker müssen ihren Insulinbedarf regelmäßig errechnen. Gerade Patienten mit unregelmäßigem Lebensrhythmus können den Bedarf mit Hilfe einer Insulinpumpe ermitteln, die man am Körper trägt. Gegen Sport spricht nichts (nach Absprache mit dem Arzt); vor und nach dem Training muss man allerdings die Insulingaben reduzieren, da der Körper verstärkt Energiereserven abbaut.

Leistungen der DAK-Gesundheit

Diabetiker leiden oft an weiteren Erkrankungen, etwa zu hohem Blutdruck oder Herz-Kreislauf-Schwäche – bis hin zum Herzinfarkt und/oder Schlaganfall. Diese Gefahr droht selbst Frauen vor den Wechseljahren, die normalerweise einen natürlichen Schutz vor Herzinfarkt und Schlaganfall besitzen. Diabetikerinnen verlieren ihn unter anderem wegen hormoneller Schwankungen, vermutet die Deutsche Diabetes Gesellschaft.

Diese Leistungen bietet die DAK-Gesundheit für Betroffene von Diabetes mellitus Typ 2

Die DAK-Gesundheit bietet deshalb ein spezielles Programm für Typ-2-Diabetiker an, bei dem Haus- und Fachärzte, Kliniken und Ernährungsberater eng zusammenarbeiten – jeweils koordiniert durch den Hausarzt. Angeboten werden u.a. Schulungen, in denen Patienten zum Beispiel lernen mit einer Insulinpumpe umzugehen sowie den Insulinbedarf exakt zu ermitteln.

Diabetes-Sensor

Die DAK-Gesundheit stattet Diabetes-Patienten mit dem Messsystem FreeStyle Libre aus – insofern deren Krankheit Diabetes mellitus eine regelmäßige Insulinzugabe erfordert. Außerdem muss ein Vertragsarzt auf einem Kassenrezept bestätigen, dass die Versorgung mit dem Flash Glukose Messsystem notwendig ist.

Weitere Informationen zu Diabetes mellitus Typ 2

Umfangreiche Infos für Typ-2-Diabetiker und ihre Angehörigen bietet auch die DAK-Broschüre Diabetes mellitus Typ 2.

Zuletzt aktualisiert:
Wed Aug 31 09:26:36 CEST 2016
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