In Deutschland leiden mehr als 30.000 Kinder und Jugendliche unter einem Diabetes.

Diabetes bei Kindern: Erkennen und behandeln

Diabetes bei Kindern und Jugendlichen nimmt zu. So können Sie als Eltern die Erkrankung erkennen und richtig handeln.

Diabetes bei Kindern wird immer öfter diagnostiziert, wie die Deutsche Diabetes-Gesellschaft meldet. Der Diabetes mellitus Typ 1 ist sogar die häufigste Stoffwechselerkrankung bei Heranwachsenden. Rund 30.500 Kinder und Jugendliche sind in Deutschland davon betroffen und jährlich kommen 3000 Neuerkrankungen hinzu. Damit junge Diabetiker eine möglichst unbeschwerte Kindheit sowie optimale medizinische Versorgung genießen, bietet die DAK-Gesundheit ein Gesundheitsprogramm für Diabetes bei Kindern an.

Seltener, doch keineswegs ungefährlicher sind die steigenden Fälle von Diabetes mellitus Typ 2, an dem vor allem übergewichtige Kinder und Jugendliche erkranken. Normalerweise trifft dieser „Altersdiabetes“ eher die Generation 40+. Dennoch werden rund 200 Neuerkrankungen pro Jahr registriert, wobei die Dunkelziffer wesentlich höher liegen dürfte.

Warum bei beiden Diabetes-Formen rasche Hilfe nötig ist, lesen Sie hier.

Symptome

Oft trifft die Diagnose Diabetes mellitus Kinder und Jugendliche aus heiterem Himmel: Sie werden in der Schule, auf dem Spielplatz oder zuhause ohnmächtig und als Notfall ins Krankenhaus eingeliefert – erst dort finden Ärzte die Ursache heraus.

Solch ein akuter Anfall passiert, wenn der Stoffwechsel entgleist und der Körper nicht mehr ausreichend mit Energie versorgt wird. Doch schon vorher zeigen sich die typischen Symptome des Diabetes mellitus Typ 1, vor allem

DAK-Arzt Dr. Mark Dankhoff: Diabetes bei Kindern wird immer öfter diagnostiziert.

DAK-Experten Dr. Mark Dankhoff

  • unstillbarer Durst und
  • ungewöhnlich häufiger Harndrang

„Beide Symptome hängen also eng zusammen“, erklärt DAK-Arzt Dr. Mark Dankhoff: „Wer häufig Wasser lassen muss, der hat auch starken Durst. Auf diese Weise versucht der Körper, den zu hohen Anteil an Traubenzucker (Fachausdruck: Glukose) im Blut auszuscheiden.“

Daneben sollten auch folgende Anzeichen alarmieren, die ebenfalls typisch für Diabetes mellitus Typ 1 sind:

  • süßlich-alkoholisch riechender Atem (ähnlich wie gärendes Obst oder Nagellackentferner)
  • tiefe und schwere Atmung
  • Erbrechen und Bauchschmerzen
  • Müdigkeit
  • Verlust an Körpergewicht
  • häufige Infektionen
  • Schwindelgefühle

Diabetes bei Kindern und Jugendlichen – Ursachen

Rund 30.500 Kinder und Jugendliche leiden in Deutschland an der Stoffwechselkrankheit Diabetes mellitus Typ 1. Ihr eigenes Immunsystem zerstört die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Forscher vermuten, dass genetische Einflüsse der Grund dafür sind, möglicherweise spielen auch Virusinfekte und Umweltgifte eine Rolle. Die Konsequenz ist jedenfalls klar: Typ-1-Diabetiker sind ein Leben lang darauf angewiesen, Insulin von außen zuzuführen. In jedem zweiten Fall erkranken die Betroffenen schon als Kind; typischerweise im Alter zwischen 11 und 13 Jahren, weshalb man diesen Krankheitstyp auch als jugendlichen (juvenilen) Diabetes bezeichnet.

Deutlich seltener leiden Kinder unter einem Diabetes mellitus Typ 2, der früher auch Altersdiabetes genannt wurde. Die Hauptursachen dafür sind Übergewicht, Fehlernährung und Bewegungsmangel - wenn auch möglicherweise bestimmte Gene diese Erkrankung begünstigen. Ein Typ-2-Diabetes entwickelt sich zumeist aus einer Insulinresistenz: Durch zu kalorienreiche Ernährung büßt das Insulin in den Körperzellen seine Wirkung immer mehr ein. Deshalb kurbelt die Bauchspeicheldrüse die Produktion dieses Hormons an – bis sie diese Arbeit vor Erschöpfung einstellt. Viele Typ-2-Diabetiker müssen ebenfalls Insulin spritzen.

Diabetes bei Kindern und Jugendlichen – Therapien

„Das oberste Ziel muss es sein, dass betroffene Kinder und Jugendliche weder an einer gefährlichen Überzuckerung noch Unterzuckerung leiden“, sagt DAK-Arzt Dr. Mark Dankhoff. „Deshalb müssen auch junge Typ-1-Diabetiker schnell lernen, sich das fehlende Insulin in ausreichender Menge unter die Haut zu spritzen.“ Dadurch werden nicht nur akute Stoffwechsel-Entgleisungen verhindert, sondern auch schwerwiegende Folgeerkrankungen, etwa an den Augen, den Organen und dem Herz-Kreislauf-System vermieden.

Um das ständige Spritzen zu vermeiden, übernimmt die DAK-Gesundheit auch die Kosten für einen Diabetes-Sensor.

Diabetes bei Kindern und Jugendlichen – Leistungen der DAK-Gesundheit

Auf Vorbeugung und optimale Versorgung setzt die DAK-Gesundheit mit ihrem Diabetiker-Programm für Kinder und Jugendliche: Der Arzt des Kindes, in der Regel ein ausgewiesener Diabetologe, ist erster Ansprechpartner und koordiniert die Therapie mit allen anderen Experten. So befindet sich Ihr Kind in den besten Händen und wird mit allen erforderlichen Untersuchungen kontinuierlich begleitet, um Folgeerkrankungen so gut wie möglich zu vermeiden. Daneben profitieren das Kind und seine Eltern von Patientenschulungen, in denen der richtige Umgang mit der Erkrankung vermittelt wird.

Ursachen

Ursachen von Diabetes mellitus Typ 1 bei Kindern

Falsche Lebensführung ist nicht der Grund, warum schon Kinder und Jugendliche Diabetes mellitus Typ 1 bekommen. Dagegen könnten die Gene einen Einfluss haben, denn in manchen Familien tritt Typ-1-Diabetes häufiger auf. Auch Virusinfektionen oder Umwelteinflüsse sollen die Krankheit zumindest forcieren, vermuten Experten. Gesicherte Erkenntnisse gibt es allerdings nicht.

Klar ist dagegen, dass eine Autoimmunreaktion in der Bauchspeicheldrüse den Ausbruch der Krankheit bewirkt: Das eigene Immunsystem zerstört dabei die Zellen, in denen das Hormon Insulin produziert wird. In jedem zweiten Fall erkranken die Betroffenen schon als Kind, vor allem im Alter zwischen 11 und 13 Jahren. Deswegen wird dieser Diabetes-Typ auch Jugendlicher (juveniler) Diabetes genannt.

Ursachen von Diabetes mellitus Typ 2 bei Kindern

Erheblich seltener erkranken Kinder an einem Diabetes mellitus Typ 2, der früher auch Altersdiabetes genannt wurde. In vielen Familien wird die Veranlagung dafür quasi vererbt, doch vor allem Übergewicht, Fehlernährung und Bewegungsmangel sind die Gründe, warum ein Typ-2-Diabetes letztendlich ausbricht.

Seine Vorform ist eine sogenannte Insulinresistenz: Die Bauchspeicheldrüse produziert das Hormon Insulin zwar noch, in den Körperzellen wirkt es aber kaum mehr. Dadurch beginnt ein gefährlicher Prozess: Die Insulindrüse arbeitet immer mehr, ohne dass sich im Körper die Wirkung des Insulins erhöht. Zuletzt stellt die insulinbildende Drüse ihre Arbeit vor Erschöpfung ein. Viele Typ-2-Diabetiker müssen deshalb Insulin spritzen.

Wozu Insulin nötig ist

Insulin wird in den Betazellen der Bauchspeicheldrüse gebildet. Im Blut öffnet dieses Hormon den Körperzellen sozusagen die Türen, durch die der Blutzucker (die Glukose) aus dem Blut einströmen kann, um in Energie umgewandelt zu werden. Bei gesunden Menschen sinkt der Blutzuckerspiegel dadurch wieder ab – bis zur nächsten Mahlzeit. Da bei Typ-2-Diabetikern das Insulin kaum noch wirkt, bleiben die Türen in den Zellen geschlossen – und die Glukose aus der Nahrung parkt sozusagen im Blut.

Folgen des Diabetes

Neben typischen Symptomen verursacht Insulinmangel außerdem Langzeit-Folgen: Die überschüssige Glukose im Blut verbindet sich mit Eiweißen; diese Verbindungen lagern sich in den Gefäßwänden ab und behindern den Blutfluss. Es drohen Durchblutungs- und Sehstörungen, Nierenschäden und andere schwere Folgeerkrankungen, etwa am Herz-Kreislauf-System. Weitere Infos dazu finden Sie in der DAK-Broschüre Diabetes mellitus Typ 1.

Nachweis der Erkrankung

Ein Diabetes mellitus lässt sich mit Hilfe von Blutzucker-Tests erkennen. „Liegt der Zuckerwert im Blut – gemessen nach einer Mahlzeit – bei über 200 Milligramm pro Deziliter, so deutet das auf eine Erkrankung hin. Tags darauf wird noch einmal im nüchternen Zustand gemessen. Hier sind 126 mg/dl die Grenzmarke, normal sind Werte unter 100 mg/dl“, erklärt DAK-Arzt Dr. Mark Dankhoff.

Endgültige Sicherheit bringt ein Langzeit-Test: Per Blutprobe wird der sogenannte HbA1c-Wert ermittelt. Nicht-Diabetiker haben Werte zwischen 4 und 6 Prozent. Ein höherer Wert und Antikörper im Blut weisen auf einen Diabetes mellitus Typ 1 hin.

Therapie

Die Therapie von Diabetes bei Kindern und Jugendlichen erfordert von den Betroffenen und deren Eltern viel Knowhow. Sie müssen lernen, ihren Insulinbedarf zu ermitteln und sich das Hormon in einer optimalen Menge regelmäßig zu spritzen.

Insulinbedarf ermitteln

Auch junge Diabetiker sind für ihr Wohlergehen weitgehend selbst verantwortlich. Sie dürfen zwar fast alles essen und nach Rücksprache mit dem Arzt auch nahezu jedes Hobby betreiben, doch dabei müssen sie ihren Insulinbedarf immer im Blick behalten. Wie das funktioniert, lernen sie und ihre Eltern in Diabetikerschulungen, die die DAK-Gesundheit finanziert. Übernommen werden auch moderne Blutzucker-Messgeräte.

Insulintabletten einzunehmen wäre das Einfachste. Doch Insulin besteht aus Eiweißverbindungen, die von der Magensäure zersetzt würden, bevor sie ins Blut gelangen. Deshalb müssen sich Typ-1-Diabetiker Insulin spritzen. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Intensivierte Insulintherapie: Hier spritzt man sich morgens und abends ein Verzögerungs- oder Basal-Insulin. Dies wirkt 10 bis 24 Stunden lang und deckt den Grundbedarf des Körpers an Insulin. Zu den Mahlzeiten wird zusätzlich ein kurz wirkendes Mahlzeiten- oder Bolus-Insulin gespritzt – meist in die Bauchhaut. Dessen Wirkung tritt schnell ein, hält aber nur 4 bis 8 Stunden an. Zum Spritzen eignen sich sogenannte „Pens“: Sie sehen aus wie dicke Kugelschreiber und haben sehr feine Nadeln.
  • Insulinpumpen-Therapie: Diese Methode funktioniert, in dem eine Art Dauerspritze über einen dünnen Plastikschlauch mit dem Körper verbunden ist. Der Schlauch endet in einer feinen Nadel, die unter der Haut des Bauches steckt. Der Grundbedarf an Insulin wird mit kurz wirkendem Insulin aus der Pumpe ständig nach einem voreinstellbaren Schema abgedeckt. Zu jeder Mahlzeit verabreicht man sich per Knopfdruck an der Pumpe eine Zusatzdosis. Da die Pumpe kaum größer als ein Handy ist, kann man sie in der Hosentasche tragen. Die Insulinpumpen-Therapie wird oft Kindern und Jugendlichen empfohlen, die Probleme mit der Diabeteseinstellung haben.

Folgen des Diabetes bei Kindern

Typ-1-Diabetiker können ein nahezu uneingeschränktes Leben führen, wenn ihr Insulinbedarf optimal gesichert ist. Gegen Sport spricht nichts (nach Absprache mit dem Arzt); vorher und nachher muss man allerdings die Insulingaben reduzieren, da der Körper verstärkt Energiereserven abbaut. Die größte Gefahr sind Stoffwechsel-Entgleisungen, sagt DAK-Arzt Dr. Mark Dankhoff: „Ist ein Diabetes schlecht eingestellt, könnten die Niere versagen, feine Gefäße in der Augen-Netzhaut zerstört und Nerven geschädigt werden, das Tastgefühl und Schmerzempfinden verlorengehen.“

Der Nüchtern-Glukose-Wert sollte weder über 120 mg/dl ansteigen (Überzuckerung) noch zu stark abfallen (Unterzuckerung). Beide Stoffwechsel-Entgleisungen können zu Bewusstlosigkeit führen und lebensbedrohlich sein – in beiden Fällen über 112 den Notarzt rufen! So weit muss es nicht kommen, denn der Körper sendet meist Warnsignale: Unterzuckerung deutet sich z.B. durch Herzrasen, Schweißausbrüche und starkes Hungergefühl an, Überzuckerung durch starken Durst und Harndrang.

Ernährung und Bewegung

Zur Therapie des bei Kindern selteneren Diabetes mellitus Typ 2 wird eine Lebensumstellung dringend angeraten: Vor allem Übergewicht ist ein enormer Risikofaktor für solch einen „Altersdiabetes“. Das Therapieziel muss deshalb sein, dass betroffene Kinder und Jugendliche nachhaltig abnehmen und sich ausgewogen ernähren.

Leistungen der DAK-Gesundheit

Diabetes kann Kinder und Jugendliche stark belasten. Mit altersgerechten Schulungen und leicht verständlichen Informationsmaterialien ist das DAK-Gesundheitsprogramm auf die besondere Situation junger Diabetiker zugeschnitten, damit sie eine möglichst unbeschwerte Kinderzeit erleben können.

Blutzuckermessen ohne Piksen - mit FreeStyle Libre

Die DAK-Gesundheit bietet Kindern und Jugendlichen von vier bis 18 Jahren, die an einem insulinpflichtigen Diabetes leiden, ein neues Messsystem an. FreeStyle Libre, das neue Flash Glukose Messsystem, erlaubt das Blutzuckermessen mit einem Spezial-Sensor am Arm. Damit kann sich die Lebensqualität der jungen Diabetes-Patienten und ihrer Familien erheblich verbessern. Lesen Sie hier, wo Sie das Gerät beantragen können und welche Kosten die DAK-Gesundheit übernimmt: Blutzuckermessen mit FreeStyle Libre.

Ernährungs- und Bewegungsprogramm für Kinder und Eltern

Zu einer besonderen Entdeckungstour sind alle acht- bis zwölfjährigen Kinder eingeladen, die in ein bewegteres Leben mit leckerer und guter Ernährung starten möchten. Das DAK-Präventionsprogramm SAFARIKIDS gibt Familien die Möglichkeit, gemeinsam Wege zu Gesundheit und Wohlbefinden zu entdecken und eigene Stärken zu erarbeiten. Eltern werden dabei als Unterstützer regelmäßig einbezogen. Die Idee der SAFARI durchzieht konsequent den Kursaufbau. Der Name SAFARI ist Programm und steht für: Selbstbewusst, Aktiv, Fit, Ausgeglichen, Robust, Integriert.

Expertentelefon für Ihre Fragen

Nach der Einschreibung in das DAK-Gesundheitsprogramm für Diabetiker erhalten Sie eine spezielle Telefonnummer für das Expertentelefon der DAK-Gesundheit. Ärzte und Gesundheitsberater beantworten dort gern alle Ihre Fragen rund um Diabetes mellitus bei Kindern und Jugendlichen und versorgen Sie mit Informationen zu Medikamenten, Neuigkeiten aus der Diabetesforschung und Behandlungsmöglichkeiten. Auf der Suche nach Kliniken und anderen Therapieeinrichtungen für Kinder mit der Zuckerkrankheit stehen die Experten Ihnen ebenfalls gern zur Seite.

DAK-Erinnerungsservice

Behandlungs- und Schulungstermine einzuhalten ist für Ihr Kind sehr wichtig. Wenn Sie möchten, erinnert Sie die DAK-Gesundheit im Rahmen des DAK-Gesundheitsprogramms für Diabetiker in jedem Quartal an den anstehenden Besuch bei dem DMP-Arzt Ihres Kindes und informiert Sie über bevorstehende Schulungen und Folgedokumentationen.

Viele wichtige Infos für Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes und deren Eltern bietet auch die DAK-Broschüre Diabetes mellitus Typ 1.

Zuletzt aktualisiert:
Tue Aug 30 11:53:58 CEST 2016
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