Menschen mit Anpassungsstörungen fühlen sich häufig überfordert, depressiv und ängstlich

Anpassungsstörungen: Wenn Lebenskrisen krank machen

Ein schlimmes Ereignis kann eine psychische Störung auslösen

Als Anpassungsstörung wird die krankhafte Reaktion auf ein belastendes Ereignis bezeichnet. Das kann der Tod des Partners sein, die Flucht aus einem Krisengebiet oder eine schwere Krebserkrankung. Aber auch Probleme am Arbeitsplatz können so belastend werden, dass eine Anpassungsstörung daraus resultiert. Die Diagnose ist abhängig von der ganz individuell ausgeprägten Resilienz, der seelischen Widerstandsfähigkeit der Menschen.

Wie äußert sich eine Anpassungsstörung?

Wer unter einer Anpassungsstörung leidet, fühlt sich überfordert, ist depressiv oder ängstlich. Einige Patienten reagieren mit verändertem Verhalten – sie sind aggressiv, flüchten sich in Alkohol- oder Drogenkonsum oder werden sogar gewalttätig. Kommen Suizidgedanken hinzu, kann die Anpassungsstörung lebensbedrohlich werden. Die Diagnose manifestiert sich nicht selten auch in körperlichen Beschwerden wie Herz-Kreislauf-Problemen, Magen-Darm-Erkrankungen oder Rückenschmerzen.

Dauer einer Anpassungsstörung

Im Unterschied zu anderen psychischen Erkrankungen sind Anpassungsstörungen von eher kurzer Dauer: In der Regel halten sie nach Beendigung des belastenden Ereignisses nicht länger als sechs Monate an. Auch die Ausfallzeiten im Job sind eher kurz: Laut DAK-Statistik fehlten die Betroffenen im Jahr 2014 im Schnitt 22,3 Tage.

Anpassungsstörung: Soziales Umfeld ist entscheidend beim Krankheitsverlauf

Neben den Beeinträchtigungen, die mit der Erkrankung einhergehen, leiden die Betroffenen oft unter dem Unverständnis ihres Umfelds. Belastung und Stress werden subjektiv empfunden und entsprechend verarbeitet: Was der eine gut wegsteckt, kann den anderen völlig aus der Bahn werfen. Treffen Patienten mit Anpassungsstörungen auf wenig rücksichtsvolle oder gar abwertende Mitmenschen, verschlimmert sich ihre Situation. Sie ziehen sich zurück und begeben sich damit in eine Abwärtsspirale.

Anpassungsstörungen steigen stark an

Im Hinblick auf die Fehltage im Job verzeichnet keine andere Psychodiagnose eine stärkere Steigerungsrate als die Anpassungsstörungen. Seit dem Jahr 2000 hat sich die Anzahl der Ausfalltage mehr als verdreifacht. Die Diagnose Anpassungsstörung ist auf dem zweiten Platz der psychischen Erkrankungen. Im Jahr 2014 entfielen auf 100 DAK-Versicherte 42 Fehltage.

Frauen leiden doppelt so oft unter Anpassungsstörungen wie Männer

Wie bei allen psychischen Erkrankungen wird auch diese Diagnose bei Frauen nahezu doppelt so oft gestellt wie bei Männern. Auch die Anzahl der Ausfalltage ist bei den Frauen fast doppelt so hoch. Besonders betroffen sind die älteren Arbeitnehmerinnen: Die 50- bis 59-jährigen Frauen verursachten fast doppelt so viele Fehltage wie die 15- bis 24-Jährigen.

Anpassungsstörungen: Immer mehr junge Männer betroffen

Obwohl ältere Menschen häufiger mit Anpassungsstörungen krankgeschrieben werden, lohnt ein Blick auf die jungen Arbeitnehmer. Auffällig ist, dass die 15- bis 19-jährigen Männer die höchste Steigerungsrate bei den Ausfalltagen aufgrund dieser Diagnose haben. Zwischen 2005 und 2014 ist die Anzahl um 247 Prozent gestiegen. Auch in der Gruppe der 25- bis 29-Jährigen verzeichnete die DAK-Gesundheit im vergangenen Jahr 191 Prozent mehr Fehltage wegen Anpassungsstörungen als noch vor zehn Jahren. Bei den Frauen ist der Anstieg mit Blick auf die Fehltage deutlich weniger rasant, dafür ist aber die Betroffenenquote insgesamt höher.

Zuletzt aktualisiert:
Thu Oct 29 12:43:27 CET 2015
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