Angststörungen: Wenn die Angst übermächtig wird, möchten Betroffene am liebsten abtauchen.

Angststörungen – wenn die Angst übermächtig wird

Hohe Steigerungsraten bei jungen Frauen

Angststörungen beinhalten ein übertriebenes Gefühl der Angst, das Menschen mit dieser Störung in eigentlich ungefährlichen Situationen empfinden. Dabei ist die Angst selbst eine überlebenswichtige Reaktion des Menschen: Kleine Kinder fangen an zu weinen, wenn sie Mama oder Papa im Supermarkt aus den Augen verlieren. Jungen Leuten klopft das Herz beim ersten Vorstellungsgespräch. Und Autofahrer bekommen bei einem Beinahe-Unfall einen Adrenalinstoß. Der Körper reagiert auf eine bedrohliche, ungewisse oder unkontrollierbare Situation.

Was passiert bei einer Angststörung in unserem Körper?

Bei Angst steigert der Körper Herzschlag und Blutdruck, spannt die Muskeln an, weitet die Bronchien und schüttet zusätzliche Energien in Form von Blutzucker aus – alles, um im Zweifelsfall weglaufen oder kämpfen zu können. Ein biologischer Mechanismus, der unseren Vorfahren in freier Wildbahn das Leben sicherte. Bei Patienten, die unter einer Angststörung leiden, ist dieser natürliche Mechanismus aus den Fugen geraten. Die Angst entwickelt eine Eigendynamik und plagt sie auch in ganz normalen Alltagssituationen. Den Betroffenen klopft das Herz bis zum Hals, sie fangen heftig zu schwitzen an. Oft folgen Schwindel- und Ohnmachtsgefühle. Die Angst überfällt sie ungewöhnlich stark und hält oft auch nach der auslösenden Situation noch an. Die Attacken treten immer häufiger auf und sind nicht mehr zu kontrollieren. Wenn Ängste über das normale Maß hinausgehen, unangemessen stark auftreten, häufig vorkommen und lange andauern, werden sie irgendwann zur Krankheit. Die Betroffenen entwickeln Angst vor der Angst und beginnen, angstauslösende Situationen zu vermeiden.

Angststörungen belegen Platz vier der Psychodiagnosen

Krankhafte Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen: Sie rangieren hinter Depressionen, Anpassungsstörungen und neurotischen Störungen auf Platz vier. Pro 100 DAK-Versicherte gingen 2014 rund 16 Tage Krankenstand auf das Konto dieser Diagnose. Angststörungen treiben – neben den Anpassungsstörungen und den Depressionen – in besonderem Maße die Fehlzeiten bei der Arbeit hoch. Die Zahl der Ausfalltage verursacht durch Angststörungen stieg in den vergangenen 15 Jahren um 160 Prozent.

Angststörungen verzeichnen eine hohe Steigerungsrate bei jungen Frauen

Auffällig dabei sind die hohen Steigerungsraten im Zusammenhang mit Angststörungen bei jungen Frauen: Zwischen 2005 und 2014 hatten die 15- bis 19-jährigen Frauen einen Anstieg bei den Fehltagen um 138 Prozent, die 20- bis 24-Jährigen sogar um 155 Prozent. Bei den jungen Männern in derselben Altersgruppe waren es nur 4,1 Prozent. Trotz der hohen Steigerungsrate ist die absolute Zahl der Fehltage wegen Angststörungen in der jungen Altersgruppe vergleichsweise gering. Bezogen auf 100 DAK-Versicherte hatten 2014 die 20- bis 24-Jährigen nur neun Fehltage mit dieser Diagnose, die über 60-Jährigen hingegen 25 Tage.

Angststörung oder doch eher Panik und Phobie?

Bei Angsterkrankungen unterscheiden Ärzte und Psychologen zwischen Panikstörung, Phobien und der generalisierten Angststörung. Bei der Panikstörung treten die Attacken plötzlich, wie aus heiterem Himmel auf – ganz im Gegensatz zur generalisierten Angststörung, die durch eine ständige Sorge um alles und jeden gekennzeichnet ist. Die Phobien sind noch einmal unterteilt: Agoraphobie beschreibt die Angst, sich auf öffentlichen Plätzen aufzuhalten. Dazu gehört auch die Angst, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen oder einkaufen zu gehen. Bei der sozialen Phobie fürchten die Betroffenen den Umgang mit anderen Menschen und insbesondere, von diesen abgewertet zu werden. Und wer unter einer spezifischen Phobie leidet, bekommt Panik beim Anblick von Spinnen, Zahnarztbohrern, in Prüfungen oder im Flugzeug.

Angststörungen erzeugen Leid

So unterschiedlich die verschiedenen Angststörungen auch sind, eines haben sie gemeinsam: Die Betroffenen verspüren einen erheblichen Leidensdruck. Sie versuchen, die als unerträglich empfundene angstauslösende Situation zu vermeiden. Dadurch sind sie in ihren täglichen Aktivitäten derart eingeschränkt, dass die Angst schließlich das Leben bestimmt.

Zuletzt aktualisiert:
Thu Oct 29 12:39:46 CET 2015
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