Irgendwann stehen Eltern vor der Frage: Ab wann sollten Kinder Sport machen?

Ab wann sollten Kinder Sport machen?

DAK-Sport- und Bewegungsexpertin Simone Rohkohl beantwortet Elternfragen zum Thema Sport für Kinder

Sport und Bewegung sind die Basis für einen gesunden Lebensstil. Darum ist es wichtig, Kinder so früh wie möglich an Sport heranzuführen. Viele Eltern, besonders die, die sich aus Mangel an Zeit selbst kaum sportlich betätigen, sind mit dieser Aufgabe überfordert. Sie wissen nicht, ab wann Kinder Sport machen sollten und vor allem auch, welche Sportarten sich zum Einstieg in ein bewegtes Leben eignen. Simone Rohkohl ist Bewegungs- und Sportexpertin bei der DAK-Gesundheit. Hier beantwortet sie die wichtigsten Fragen zum Thema Sport und Kinder.

Ab wann sollten Kinder mit Sport anfangen?

Bewegungs- und Sportexpertin Simone Rohkohl von der DAK-Gesundheit

Simone Rohkohl: Kinder sollten sich immer bewegen in jedem Alter, möglichst vielseitig. Anstelle von zielgerichtetem Sport ist bis zum Schulbeginn am besten nur Hüpfen, Laufen, Klettern, Fangen und Radfahren angesagt. Ab sechs Jahren können Kinder dann zusätzlich auch eine bestimmte Sportart trainieren. Denn dann sind sie in ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung so weit, eine richtige Sportart zu erlernen und sich eine Technik anzueignen. Vorher reichen die motorischen Fähigkeiten häufig nicht aus. Welcher Sport sich ab wann genau eignet, hängt vom individuellen Entwicklungsstand des Kindes ab. Jedes Kind ist anders und deshalb sollten unbedingt die individuellen Fähigkeiten berücksichtigt werden.


Wer schon früher Kurse belegen möchte, kann sich gemeinsam mit seinem Kind ab drei Jahren beim Kinderturnen anmelden. Dort werden alle Fähigkeiten spielerisch gefördert.

Gibt es einen Sport, den alle Kinder machen sollten?


Simone Rohkohl: Alle Kinder sollten Schwimmen und Radfahren lernen.

Was können Eltern tun, um den Bewegungsdrang beim Nachwuchs zu wecken?


Simone Rohkohl: Fördern Sie zum Beispiel Straßensportarten wie Brennball, Hüpfspiele oder Seilspringen. Spielen Sie Fußball oder Ticken mit Ihren Kindern. Machen Sie aus jedem Familienausflug auch einen kleinen Bewegungsparcours. Nutzen Sie Geburtstag und Weihnachten, um Bewegungsspielsachen zu verschenken. Inlineskates oder ein Skateboard machen sich prima unterm Weihnachtsbaum. Wer in Sachen Bewegung für Kinder Vorbild ist und selbst mitmacht, wird kein Problem haben, den Nachwuchs zum Sport zu bekommen.

Wie finden Kinder den passenden Sport?


Simone Rohkohl: Ich empfehle, die Probestunden oder Schnupperangebote der Vereine zu nutzen. Am besten die Kinder probieren verschiedene Sportarten aus, bevor sie sich wirklich festlegen. Eltern reden bei dieser Entscheidung lieber nicht mit. Zuerst sollte Sport immer Spaß machen. Es geht darum, Kinder langfristig für Bewegung zu begeistern. Deshalb muss es auch der eigene Sport sein. Wenn dann irgendwann die Lust auf den ausgesuchten Sport doch verloren geht, nicht gleich abmelden, sondern nachhaken, woran es liegen könnte. Sprechen Sie mit dem Trainer. Manchmal gibt es innerhalb der Gruppe Schwierigkeiten oder Misserfolge demotivieren. Wenn der Spaß und die Freude gar nicht mehr zurückzuholen sind, dann hilft vielleicht ein Wechsel der Sportart oder des Vereins. Auf jeden Fall sportlich bleiben.

Was ist wichtig, damit Kinder beim Sporttreiben bleiben?


Simone Rohkohl: Spaß und Motivation – ohne diese geht es nicht. Erfolgserlebnisse sind ebenfalls wichtig. Sensible Kinder, die sich nicht gerne messen, sollten nicht unbedingt eine Sportart mit starkem Wettbewerbscharakter wählen. Auch die Unterstützung der Eltern hilft. Schauen Sie sich an, was Ihr Kind macht, und bestärken Sie es darin.

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Ab dem Schulalter können Kinder gezielt eine Sportart trainieren.

Wie können Eltern ihre Kinder unterstützen?


Simone Rohkohl: Den passenden Sport sollten Kinder allein aussuchen. Eltern können dabei unterstützen, Ideen einbringen und dabei sein, wenn verschiedene Angebote ausprobiert werden. Seien Sie nicht enttäuscht, wenn Ihr Sprössling nicht Ihren Lieblingssport wählt, sondern eine andere Vorliebe hat. Auf gar keinen Fall darf der Sport aufgezwungen werden. Ist die Wahl gefallen, am besten zurückhalten und das Kind einfach machen lassen.

Welche Vorteile bieten die Sportvereine Kindern? Ab wann ist eine Mitgliedschaft sinnvoll?


Simone Rohkohl: Wer sein Kind früh in sportliche Bahnen lenken möchte, für den ist das breite Angebot eines Sportvereins ideal. Im Verein werden Kinder unter der Anleitung von ausgebildeten Übungsleitern für Sport und Spiel begeistert oder zielgerichtet an eine Sportart herangeführt. Es gibt altersspezifische Gruppen, in denen genau auf die Fähigkeiten der Altersgruppe eingegangen wird. Wer im Grundschulalter Mitglied wird, kann problemlos bis ins Erwachsenenalter dabeibleiben und die unterschiedlichen Altersklassen durchlaufen. Dadurch wird eine Bindung zum Verein und auch zur Bewegung aufgebaut. 

Übersichtstabelle: Ab wann sollten Kinder welchen Sport machen?


Die Tabelle gibt nur grobe Richtwerte. Jeder Sport sollte zum individuellen Entwicklungsstand des Kindes passen.

AlterAuswahl geeigneter Sportarten / Bewegungsmöglichkeiten

Ab vier Monaten

Babyschwimmen

Ab zwei Jahren

Laufradfahren

Bis drei Jahren

Eltern-Kind-Turnen

Ab drei Jahren

Kinderturnen (mit Elternbegleitung), Kinder-Schwimmkurse, Kindertanz

Ab vier Jahren

Fahrradfahren

Ab fünf Jahren

Fußball, Turnen
Ab sechs JahrenLeichtathletik, Tennis (noch ohne Wettkampfcharakter), diverse sportartenunspezifische Bewegungsangebote in Vereinen
Ab sieben JahrenKarate, Judo
Ab acht JahrenVolleyball, Handball, Basketball

Zuletzt aktualisiert:
Mon Aug 10 10:44:43 CEST 2015

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