Versorgungsdefizite bei Rheumapatienten

Studie von DAK-Gesundheit und Uni Hannover deckt Mängel bei Behandlung von rheumatoider Arthritis auf

Mit rund 800.000 Betroffenen ist die rheumatoide Arthritis die häufigste entzündliche Erkrankung der Gelenke in Deutschland. Eine Studie der Leibniz Universität Hannover, die auf Daten der DAK-Gesundheit basiert, hat nun Schwächen in der medikamentösen Therapie offen gelegt. Demnach verabreichen behandelnde Ärzte das zum Einsatz kommende langwirksame Antirheumatikum Methotrexat in vielen Fällen in falscher Form und versäumen zudem häufig die begleitende Zugabe von Folsäure zur Vermeidung von gefährlichen Nebenwirkungen.

Bei der medikamentösen Behandlung von rheumatoider Arthritis gilt das langwirksame Antirheumatikum Methotrexat sowohl national als auch international als erste Wahl. Die Studie der Leibniz Universität Hannover unter Leitung von Professor Dr. rer. pol. J.-Matthias Graf von der Schulenburg in Zusammenarbeit mit dem Rheumatologen Prof. Dr. med. Henning Zeidler offenbart nun allerdings, dass die Art der Verabreichung häufig nicht leitlinienkonform ist. So sollte die Therapie mit Methotrexat vorzugsweise in Form von Tabletten begonnen werden, da den Patienten damit die Spritzen erspart bleiben. Nur wenn die Tablettengabe nicht möglich ist oder keine ausreichende Wirksamkeit zeigt, sollte auf Spritzen umgestellt werden. Die Studie, die auf repräsentativen Daten der DAK-Gesundheit basiert, zeigt aber, dass die Therapie mit Spritzen sehr viel häufiger zum Einsatz kommt, beispielsweise wurden 53 Prozent der Neuerkrankten ausschließlich mit Spritzen behandelt. „Bei diesen Patienten wurde leider entgegen der Empfehlung internationaler Experten nicht einmal der Versuch einer Behandlung mit Tabletten gemacht“, bedauert Dr. Cordula Riederer von der DAK-Gesundheit.

Viel zu selten wird Folsäure verordnet

Eine weitere wichtige Erkenntnis aus der Analyse der anonymisierten Verordnungsdaten von insgesamt 9.579 Patienten über vier Jahre ist, dass bei der Therapie von rheumatoider Arthritis mit Methotrexat, das ein Antagonist der Folsäure ist, viel zu selten begleitend dieses Vitamin verschrieben wird. Nur bei 65 Prozent der Patienten erfolgt eine Verordnung auf Kassenrezept. Dabei kann Folsäure gefährlichen Nebenwirkungen vorbeugen, die mit der Methotrexat-Behandlung einhergehen können. „Man weiß zwar nicht genau, wie hoch das Versorgungsdefizit letzten Endes ist, denn Patienten können sich Folsäure auch privat kaufen und so die wichtige Vorsorgemaßnahme in Eigenregie leisten. Aber auf Nummer sicher würde man gehen, wenn das wichtige Vitamin in allen Fällen gleich mit auf dem Rezept stehen würde!“ so die Expertin der DAK-Gesundheit.

Optimierungsbedarf bei Behandlung

Die von der DAK-Gesundheit initiierte Studie offenbart den dringenden Bedarf einer Optimierung der Behandlung mit Methotrexat. „Hier muss eindeutig mehr Aufklärung betrieben und eine Aktualisierung der Versorgungsleitlinien für rheumatoide Arthritis angestrebt werden!“ fordert Dr. Cordula Riederer von der DAK-Gesundheit.

Weiterführende Informationen:

Die Studie wird in Kürze unter dem Titel „Therapie der rheumatoiden Arthritis mit Methotrexat: Analyse von Versorgungsaspekten anhand von GKV-Routinedaten“ in der Zeitschrift für Rheumatologie veröffentlicht und ist online abrufbar unter http://www.springerlink.com/openurl.asp?genre=article&id=doi:10.1007/s00393-012-1027-3

Therapie-Empfehlungen zu Methotrexat (MTX), die von 751 Rheumatologen erarbeitet wurden, sind online abrufbar unter
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2689523/?tool=pubmed
Multinational evidence-based recommendations for the use of methotrexate in rheumatic disorders with a focus on rheumatoid arthritis: integrating systematic literature research and expert opinion of a broad international panel of rheumatologists in the 3E Initiative.

Zuletzt aktualisiert:
Sep 27, 2013

Jörg Bodanowitz

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