Wenn die Arbeit krank macht

DAK-Gesundheitsreport zeigt:

Stress im Job erhöht Herzinfarktrisiko

Seit 30 Jahren sterben in den Industrieländern immer weniger Menschen am Herzinfarkt. Denn die Männer rauchen weniger und der medizinische Fortschritt hat die Behandlung verbessert. Übergewicht, hoher Blutdruck, zu viel Fett und Zucker sind klassische Risikofaktoren. Das Herz leidet aber ebenso unter Stress am Arbeitsplatz – und nicht nur, weil es viel zu tun gibt. Die DAK-Gesundheit hat in ihrem Report 2012 tiefer in die moderne Arbeitswelt geschaut.

Zeitdruck belastet jeden Fünften

In einer Befragung von 3.000 Berufstätigen gab jeder Fünfte an, besonders unter großem Zeitdruck aufgrund von immer mehr Arbeit zu leiden. Fast ebenso häufig stressen die Beschäftigten Unterbrechungen und Störungen des Arbeitsablaufs. Jeweils jeder Zehnte ächzt unter der Verantwortung oder häufigen Überstunden. Möglicherweise stehen die wachsenden psychosozialen Belastungen mit den zunehmenden Krankschreibungen wegen psychischer Leiden in Zusammenhang. „Hier liegt ein besonderes Risikopotenzial für Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, sagt Professor Herbert Rebscher, Chef der DAK-Gesundheit. „Schwere Depressionen etwa erhöhen das Herzinfarktrisiko um 60 bis 100 Prozent.“

Mangelnde Anerkennung stresst die Pumpe

Auch die „Belohnung“, im Fachjargon Gratifikation genannt, stimmt nicht immer: Gut jeder fünfte Beschäftigte fühlt sich unterbezahlt. Etwa 17 Prozent beklagen, dass Vorgesetzten mit Anerkennung geizen. 15 Prozent der Beschäftigten sorgen sich, weil sie eine Verschlechterung ihrer Arbeitssituation befürchten oder bereits erleben. Wer ständig das Gefühl hat, dass die Anstrengung im Job überhaupt nicht mehr zur Belohnung passt, der steckt in einer sogenannten Gratifikationskrise. Dann verdoppelt sich das Herzinfarktrisiko. Außerdem leiden die Betroffenen dreimal so häufig unter Stimmungsschwankungen mit Angst oder Hilflosigkeit wie nicht gestresste Beschäftigte. Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit kommen bei Gestressten fast doppelt so häufig vor.

Nur geraten nicht alle Berufstätigen gleichermaßen in eine Gratifikationskrise. „Je größer Selbstbestimmung und Gestaltungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz sind, umso weniger tritt dieses Problem auf“, erklärt Herbert Rebscher. So befinden sich Facharbeiter und Arbeiter deutlich häufiger in einer Gratifikationskrise. Am wenigsten klagen Selbstständige, Freiberufler und Beamte über ein Ungleichgewicht zwischen Verausgabung und Belohnung.

Stress – was schützt und was schadet

Ein gutes Arbeitsklima kann helfen, Stress zu reduzieren. Im Gesundheitsreport berichten rund zwei Drittel der Befragten von einem vertrauensvollen Verhältnis zwischen den Kollegen. Immerhin 16 Prozent erhalten vom Arbeitgeber Unterstützung, sich vor Stress zu schützen.

Hingegen stresst es die Beschäftigten, wenn sie Aufgaben anders erledigen sollen als sie es für richtig halten. Ebenso belastend sind widersprüchliche Anweisungen von zwei oder mehr Personen. Vor allem für Dienstleistungsberufe gilt: Sich widersprechende Anforderungen – etwa von Kunden und Vorgesetzten – sind ein starker Stressfaktor. Auch Umstrukturierungen schlagen den Beschäftigten aufs Gemüt. Knapp die Hälfte der Befragten war in den vergangenen zwei Jahren von einem größeren Umbau des Unternehmens betroffen.

Homeoffice: Fluch oder Segen?

Laut Gesundheitsreport arbeitet ein Drittel der Befragten mindestens einmal pro Woche zu Hause. Das stört das Herz nicht grundsätzlich. Die Frage ist vielmehr: Warum Homeoffice? Sollen damit Job und Familie besser unter einen Hut gebracht oder lange Wegezeiten gespart werden, dann verringert Heimarbeit den Arbeitsstress. Wer aber die Arbeit mit nach Hause nimmt, weil sie im Büro nicht zu bewältigen ist, läuft Gefahr sich zu verausgaben und ist daher stärker infarktgefährdet.

Stromausfall an der Pumpe

Das Herz leidet schon Jahre vor einem Infarkt

Warum es plötzlich schlapp macht und schnelle Hilfe braucht.

Beim Einkaufen, Spaziergang oder Familienfest – ein Herzinfarkt trifft viele Menschen völlig unerwartet. Aus heiterem Himmel kommt er aber nicht. „Vielmehr ist er das Ergebnis einer über Jahre hinweg leise fortschreitenden Verengung der Herzkranzarterien“, erläutert Elisabeth Thomas, Ärztin bei der DAK-Gesundheit. Kalk und Fett lagern sich in der Gefäßwand ab (Arteriosklerose). Die Innenhaut der Herzkranzgefäße wird dadurch immer dicker und der Gefäßdurchmesser immer kleiner. Außerdem versteifen die Kalkeinlagerungen die Gefäße. Das alles behindert zunehmend den Blutfluss, so dass es zu Durchblutungsstörungen des Herzmuskels kommt. Mediziner nennen das eine koronare Herzkrankheit. Beschwerden können erst dann auftreten, wenn bereits 70 Prozent des Gefäßinnenraums verstopft sind. Typisch sind plötzliche Schmerzen in der Brust bei körperlicher Anstrengung, in der Fachsprache Angina pectoris genannt.

Gefahr in Verzug

Die Gefäßinnenhaut über den Ablagerungen kann jederzeit leicht einreißen. Sofort lagern sich Blutplättchen an und es bildet sich ein Blutgerinnsel, das die Herzarterie vollends verstopft. Es kommt zum Infarkt: Das vom betroffenen Gefäß versorgte Herzmuskelgewebe wird nicht mehr durchblutet und mit Sauerstoff versorgt. Es stellt langsam seine Funktion ein und stirbt ab. Je nachdem, wo der Infarkt auftritt, kann dadurch die Pumpfunktion des Herzens versagen oder die „Herzelektrik“ gerät völlig aus dem Takt. Dabei entstehen lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen – dann hilft nur ein „Neustart“, bei dem das Herz elektrische Impulse erhält.

Die ersten 60 Minuten entscheiden

„Ob ein Herzinfarkt zu Folgeschäden führt, entscheidet sich oft in der ersten Stunde nach Beginn der Beschwerden“, sagt Thomas. Wird das verstopfte Herzgefäß innerhalb dieser „goldenen Stunde“ wiedereröffnet, stehen die Chancen auf ein folgenloses Überleben gut. Die Ärztin der DAK-Gesundheit mahnt aber: „Leider kommt nur jeder Zehnte innerhalb dieser Zeit ins Krankenhaus. Etwa ein Drittel der Infarktopfer schafft es nicht lebend in die Klinik.“ Vor allem ältere Menschen, Frauen und Diabetiker zögern viel zu lange mit dem Notruf. Am Wochenende, an Feiertagen und nachts wollen viele Infarktopfer nicht „stören“.

Alarmstufe rot

„Alarmsignale sollten immer ernst genommen werden. Lieber einmal unnötig als zu spät den Notarzt rufen“, betont Thomas. Stechende oder brennende Brustschmerzen sind ein deutlicher Hinweis auf einen Herzinfarkt. Oft strahlen die Schmerzen aus in die Arme, den Oberbauch, die Schulterblätter, den Rücken oder in den Hals und Kiefer. Dazu kommt meistens ein starkes Enge- und Druckgefühl im Brustkorb mit Luftnot – als ob ein Elefant auf der Brust steht. Den Betroffenen steht buchstäblich der Angstschweiß auf der Stirn, sie werden blass und fühlen sich schwach.

Doch nicht immer macht sich ein Herzinfarkt nach Lehrbuch bemerkbar. Etwa jeder 6. Herzinfarkt tut nicht weh. Vor allem Diabetiker erleiden häufig sogenannte stumme Herzinfarkte. Besonders bei Frauen sind Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen im Oberbauch und Luftnot manchmal die einzigen Anzeichen. Da sie auch bei anderen harmlosen Erkrankungen vorkommen, empfiehlt Thomas: „Rufen Sie in jedem Fall den Notarzt, wenn diese Beschwerden stärker als jemals zuvor auftreten.“

Schnelle Hilfe rettet Leben

Beim Herzinfarkt zählt jede Minute. Handeln Sie schnell, aber versuchen Sie, Ruhe zu bewahren.

• Rufen Sie bei Anzeichen eines Infarktes sofort den Notarzt: 112.
• Sagen Sie deutlich, dass es sich möglicherweise um einen Herzinfarkt handelt, und vergessen Sie nicht, Ihren Namen und die Adresse zu nennen.
• Fahren Sie nicht mit dem Auto ins Krankenhaus, sondern warten Sie auf den Rettungsdienst.
• Lagern Sie den Oberkörper hoch, sorgen Sie für frische Luft und öffnen Sie enge Kleidung.
• Halten Sie als Angehörige aktuelle Arztbriefe und Medikamentenverordnungen bereit, damit der Arzt schnell die richtige Behandlung einleiten kann.
• Machen Sie bei Bewusstlosigkeit und Atemstillstand eine Herzdruckmassage: mit beiden Händen in der Mitte des Brustkorbs mindestens fünf Zentimeter tief drücken, etwa 100-mal pro Minute. Geschulte Helfer sollen den Betroffenen nach 30 Herzdruckmassagen 2-mal beatmen.

Herzgefahr

Wo Gefahren fürs Herz lauern

Ein Risiko-Check

Zigarette gegen Lebenszeit

Laut DAK-Gesundheitsreport 2012 rauchen in Deutschland ein Viertel der Männer und Frauen regelmäßig. Fast jeder 2. Raucher will daran auch nichts ändern. Das sollte er aber, denn seine Blutgefäße altern deutlich schneller. Raucht ein 50-jähriger Mann täglich 20 Zigaretten, ist sein Herz-Kreislauf-System bereits so alt wie das eines 60-Jährigen und das Risiko eines vorzeitigen Todes fast 3-mal so hoch. Bei mehr als 20 Zigaretten am Tag steigt die Wahrscheinlichkeit früher zu sterben, auf mehr als das 4-Fache. „Schon gelegentliches Rauchen schadet: Jede einzelne Zigarette verkürzt das Leben um 25 bis 30 Minuten“, sagt Elisabeth Thomas, Ärztin bei der DAK-Gesundheit.

Bewegungsmuffel aufgepasst!

Je weniger fit man ist, desto höher ist das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben. Also bleiben Sie in Schwung: „Regelmäßige körperliche Aktivität senkt den Blutdruck, beschleunigt den Stoffwechsel, baut Stresshormone ab und schützt die Blutgefäße vor Fett- und Kalkablagerungen“, sagt Uwe Dresel, Sportexperte der DAK-Gesundheit. Ob Treppensteigen, zur Arbeit radeln oder ein strammer Spaziergang – jeden Tag 30 Minuten körperliche Aktivität reichen schon, um das Herzinfarktrisiko deutlich zu senken. Optimal ist ein zusätzlicher Energieverbrauch durch Bewegung von 1000 bis 2000 Kilokalorien pro Woche.

Das Zünglein an der Waage

Gut die Hälfte der Bevölkerung ist übergewichtig, mehr als jeder 7. Bundesbürger leidet an Adipositas (Fettleibigkeit). Wer zu viel auf die Waage bringt, ist sich dessen zumindest bewusst, ergab der DAK-Gesundheitsreport 2012. Aber reicht das? Rücken Sie den Pfunden zu Leibe, denn Übergewicht beschleunigt die Arterienverkalkung und ebnet nicht nur Herz-Kreislauf-Erkrankungen den Weg, sondern auch Zucker- und Fettstoffwechselstörungen (siehe nachfolgendes Interview). Die Folge: Die Lebensdauer eines 40-jährigen Mannes mit Adipositas schwindet um mindestens 5 Jahre.

Herzkiller Depression

Dauerstress, Hoffnungslosigkeit und Depressionen schädigen das Herz. Nach dem DAK-Gesundheitsreport 2012 belastet zwei Drittel der Erwerbstätigen der große Zeitdruck am Arbeitsplatz. Bei jedem zweiten Befragten kreiselt der Job auch nach Feierabend im Kopf herum. „Besonders bei jüngeren Beschäftigten leidet oft die Stimmung darunter – Angst und Hilflosigkeit machen sich breit“, sagt Frank Meiners, Diplom-Psychologe der DAK-Gesundheit. Depressionen erhöhen selbst bei jungen Menschen deutlich das Herzinfarktrisiko: Bei depressiven Männern unter 40 Jahren ist das Sterberisiko durch Herzinfarkt 3-mal höher, bei depressiven Frauen sogar 14-mal höher als bei Gesunden.

Die Last der Gene

Häufige Herzinfarkte in der Familie steigern deutlich das eigene Herz-Kreislauf-Risiko. Wissenschaftler haben mittlerweile eine Reihe von „schuldigen“ Genen identifiziert, von denen einzelne Varianten das Herzinfarktrisiko sogar verdoppeln können. Erst kürzlich hat ein internationales Forscherteam in einer großen Studie weitere 13 Risikogene nachgewiesen. Auf welche Weise sie das Herzinfarktrisiko erhöhen, liegt allerdings noch weitgehend im Dunkeln. Die wenigsten von ihnen bewirken das, was man erwarten würde, etwa die Erhöhung des Blutdrucks und des Cholesterinspiegels.

In den Mund geschaut

Wann waren Sie das letzte Mal beim Zahnarzt? Parodontitis, die chronische Entzündung des Zahnhalteapparates, kann ein Vorbote eines Herzinfarktes sein – und zwar genetisch bedingt. Ein deutsch-niederländisches Forscherteam hat Patienten mit einer bestimmten Form von Parodontitis untersucht, die mit schnellem Knochenverlust einhergeht. Die Wissenschaftler fanden Genvarianten, wie sie auch bei Menschen mit koronarer Herzkrankheit und Herzinfarkt vorkommen. Daher sollte eine Parodontitis unbedingt frühzeitig behandelt werden.

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Interview mit Dr. Huchtemann

„Schrittweise und mit realistischen Zielen”

Interview mit Dr. York-Räto Huchtemann, Experte der DAK-Gesundheit und Kardiologe in Hamburg

Dr. York-Räto Huchtemann, Kardiologe, Hamburg

Etwa jeder vierte Deutsche leidet am metabolischen Syndrom. Ein Gespräch mit Dr. York-Räto Huchtemann, Experte der DAK-Gesundheit und Kardiologe in Hamburg, über das größte Herzrisiko und Wege zu einem gesünderen Leben

DAK-Gesundheit:

Übergewicht, Bluthochdruck, Zucker- und Fettstoffwechselstörungen – alles zusammen ergibt ein „tödliches Quartett“, das metabolische Syndrom. Was ist daran so gefährlich?


Dr. York-Räto Huchtemann: Dieses Syndrom ist der größte Risikofaktor für eine koronare Herzkrankheit und den Herzinfarkt. Aber ganz allgemein leiden die Blutgefäße dabei unter einer starken Verkalkung (Arteriosklerose), sodass auch andere Gefäßerkrankungen entstehen können, etwa ein Schlaganfall, Nierenerkrankungen und Durchblutungsstörungen in den Beinen.

Warum ist der Speck am Bauch so bedenklich?

Die Fettzellen im Bauchraum sind besonders aktiv. Sie produzieren unentwegt Fettsäuren und Botenstoffe. Langfristig werden dadurch die Körperzellen unempfindlich gegenüber dem Hormon Insulin. Der Zuckerstoffwechsel gerät aus dem Lot und es kann sich eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) entwickeln. Bestimmte Botenstoffe fördern zudem chronische Entzündungen und stören den Fettstoffwechsel. Das beschleunigt die Arterienverkalkung und erhöht den Blutdruck.

Dann ist weniger das Körpergewicht als mehr der Taillenumfang entscheidend.

Ja, denn der sogenannte Body-Mass-Index sagt nichts über die Verteilung des Fettgewebes aus. Deshalb hat sich durchgesetzt, den Taillenumfang zu messen. Bei Männern sollte er nicht größer als 94 Zentimeter sein, bei Frauen nicht größer als 80 Zentimeter.

Gesünder essen, mehr bewegen – die Betroffenen sollten einige Lebensgewohnheiten ändern. Was motiviert sie?

Die meisten Patienten wollen keine Medikamente nehmen oder diese möglichst irgendwann wieder absetzen können. Das ist der größte Ansporn.

Wie fängt man am besten an mit dem „neuen“ Leben?

Schrittweise und mit realistischen Zielen. In meiner Praxis dokumentieren die Patienten zunächst eine Woche lang, was sie essen und wie sie sich bewegen. Dann schauen wir gemeinsam, was zu ändern ist – das ist sehr individuell. Wir stecken kleine Ziele und treffen uns etwa 6 Wochen später wieder, schauen, was daraus geworden ist und verabreden die nächste Etappe.

Welcher Sport ist gut?

Es ist eigentlich egal, welchen Sport die Patienten treiben, Hauptsache ist, sie bewegen sich mehr. Leichter ist es für die meisten Menschen in einer Sportgruppe, wo man sich gegenseitig motiviert. Wichtig ist aber auch die Bewegung im Alltag, wie Treppensteigen oder beim Spaziergang einen Zahn zulegen.

Und wie gelingt der Einstieg in eine gesündere Ernährung?

Das wichtigste ist, selbst zu kochen. Wenigstens einmal in der Woche. Daraus kann man ein Ritual machen: Man verabredet mit der Familie oder Freunden einen bestimmten Tag und kocht und isst dann gemütlich zusammen. Daran erfreut sich auch die Seele.

Welche Rolle spielt die Psyche beim metabolischen Syndrom?

Eine große Rolle. Menschen mit Depressionen oder in einer schwierigen Lebenssituation, zum Beispiel Jobverlust, nehmen schnell einmal 10 Kilogramm zu. Auch Psychopharmaka heizen die Gewichtszunahme an. Mit dem Übergewicht steigt das Risiko, ein metabolisches Syndrom zu entwickeln. Umgekehrt erkranken viele Patienten mit einem metabolischen Syndrom später an Depressionen.

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Negative Gefühle schlagen aufs Herz

Gefährliche Gefühle

Depressionen, Trauer und Stress hinterlassen Spuren am Herzen.

Mir geht das Herz auf. Es bricht mir das Herz. Mir schlägt das Herz bis zum Hals. Ich bekomme einen Herzkasper… Wenn wir vom Herzen sprechen, geht es oft um Gefühle. Es geht um Freude, Traurigkeit, Ärger und Aufregung oder Stress und Überforderung. Das Herz ist für uns mehr als der Motor des Lebens, wir fühlen mit dem Herzen. Doch was machen unsere Gefühle mit dem Herzen?

Andauernde psychische und soziale Probleme verträgt das Herz nicht gut. „Schwere Depressionen, Angst, familiäre und berufliche Belastungen setzen den Körper unter chronischen Stress und erhöhen dadurch das Risiko, an einer koronaren Herzkrankheit zu erkranken und einen Herzinfarkt zu erleiden“, sagt Frank Meiners, Diplom-Psychologe bei der DAK-Gesundheit. Oft gesellen sich dann die klassischen Herzrisiken, wie Bluthochdruck, Übergewicht, Rauchen oder die Zuckerkrankheit, fast automatisch hinzu – es entsteht geradezu ein „Risiko-Cocktail“.

Unterschätztes Risiko

Eine Depression erhöht das Herzinfarktrisiko um mindestens 60 Prozent und steht damit den anderen Risikofaktoren in nichts nach. Junge Frauen mit Depressionen sind besonders gefährdet: Ihr Sterberisiko durch Herzinfarkt liegt 14-mal höher als bei Gesunden, das depressiver Männer unter 40 Jahren ist dagegen dreimal höher. Allerdings bleiben Depressionen bei Männern oft im Verborgenen. Meiners weist darauf hin, wie wichtig die ärztliche Abklärung eventueller psychischer Erkrankungen ist. „Ob Zeichen einer Depression vorliegen, muss der Arzt im Gespräch mit dem Patienten klären“, sagt der Diplom-Psychologe. „Dazu fragt er ihn beispielsweise nach länger anhaltender Niedergeschlagenheit, Trübsinn, Antriebs- und Hoffnungslosigkeit oder Schlafstörungen in den vergangenen Monaten.“ Auch der Infarkt selbst belastet die Psyche: Gut ein Fünftel der Herzinfarktpatienten erkrankt nach dem Infarkt an einer Depression.

Das Herz leidet ebenso unter tiefer Trauer. In der ersten Woche nach dem Tod eines geliebten Menschen ist das Herzinfarktrisiko 6-mal, am Todestag selbst sogar 21-mal höher. Auch Ehekrach belastet das Herz, allerdings Männer und Frauen ganz unterschiedlich: Während Frauenherzen besonders Gefühlskälte in der Auseinandersetzung schmerzt, zerbricht das Männerherz eher an der Frage „Wer hat hier eigentlich die Hosen an?“

Arbeitsstress bringt Herz in Not

Am Arbeitsplatz wartet auf manchen noch mehr Stress. Dabei wirkt gar nicht eine hohe Arbeitsbelastung allein herzschädigend. Noch mehr stressen das Herz hohe Anforderungen und gleichzeitig geringer Entscheidungsspielraum, gefühlte Unterbezahlung, mangelnde Anerkennung sowie schlechte Karrierechancen. Derart unzufriedene Beschäftigte haben ein etwa 2-mal höheres Risiko einer koronaren Herzkrankheit als ihre zufriedenen Kollegen. Laut Gesundheitsreport 2012 fühlen sich Facharbeiter weniger ausreichend „belohnt“ als leitende Angestellte und Selbstständige. Bei Umstrukturierungen im Unternehmen und ständigen Veränderungen der Arbeitsinhalte leiden 2- bis 3-mal so viele Beschäftigte unter diesem Gefühl. Angst um den Job, widersprüchliche Anweisungen und inkompetente Vorgesetzte verstärken den Arbeitsstress. Die Betroffenen klagen 3-mal so häufig über Stimmungsschwankungen mit Angst, Motivationsverlust und Hoffnungslosigkeit wie zufriedene Beschäftigte.

Dass dies alles fürs Herz nicht gesund sein kann, wissen viele Beschäftigte. „Menschen, die am Arbeitsplatz so unter Strom stehen, klagen mehr über gesundheitliche Beschwerden und haben dadurch auch tatsächlich ein höheres Herzinfarktrisiko“, sagt Frank Meiners. Die Unternehmen tun gut daran, in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu investieren: Denn bisher geben lediglich 16 Prozent der Befragten im Gesundheitsreport an, durch betriebliche Maßnahmen vor Stress geschützt zu werden. Die DAK-Gesundheit sieht hier auch Arbeitgeber gefordert, mehr für die Gesundheit der Belegschaft zu sorgen.

Wie psychischer Stress ins Herz kommt

Das Gehirn bewertet Trauer, Ärger und Trübsinnigkeit als negativen Stress und aktiviert den Sympathikus. Dieser Nerv versetzt den Körper in Alarmbereitschaft, stellt ihn auf Angriff oder Flucht ein. Der Puls nimmt zu. Gleichzeitig aktiviert der Sympathikus die Nebenniere. Sie setzt daraufhin Stresshormone frei, etwa Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol. Die Folgen: Das Herz schlägt schneller, die Blutgefäße verengen sich und der Blutdruck steigt. Stresshormone bremsen den Vagusnerv, der normalerweise dafür sorgt, dass Entzündungen im Körper in Schach gehalten werden. Folglich sind mehr Entzündungszellen im Körper unterwegs. Außerdem gerinnt das Blut bei Stress schneller. Die Sofortreaktion: Direkt nach einer starken emotionalen Belastung können die Stresshormone ein vorübergehendes Zusammenziehen der Herzkranzgefäße bewirken, sogenannte Spasmen. Zwar ähneln die Beschwerden denen eines Herzinfarktes, aber ein Langzeitschaden bleibt meistens nicht zurück.

Die schleichende Gefahr: Erhöhter Blutdruck, aktivierte Entzündungs- und Gerinnungszellen befeuern die Arterienverkalkung und die Entstehung von Verdickungen (Plaques) in den Herzkranzgefäßen – das Gefäß wird immer enger. An den Verdickungen bleiben leicht Gerinnungszellen hängen. Sie können ein Blutgerinnsel bilden und das Herzkranzgefäß verstopfen. Dann kommt es zum Herzinfarkt.

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Interview mit Frank Meiners

Reden ist Gold

Interview mit Frank Meiners, Diplom-Psychologe der DAK-Gesundheit

Fragen an Frank Meiners, Diplom-Psychologe der DAK-Gesundheit, zur Bewältigung von Stress

DAK-Gesundheit: Was hilft bei Stress und seelischer Belastung?

Frank Meiners: Es kommt darauf an, was der Grund dafür ist. Das wichtigste ist in jedem Fall, die Probleme anzusprechen, eine Lösung zu suchen und den Weg dahin zu finden. Freunde, Familie oder auch die Kollegen können dabei eine große Hilfe sein.

Wie kann man bei akutem Stress kurzfristig „runterkommen“?

Manchmal helfen schon ganz kleine Dinge: kurz innehalten, aus dem Fenster schauen und für einen Moment träumen. In heiklen Situationen ist es oft hilfreich, sich auf die Atmung zu konzentrieren, sich ein entspannendes Bild vor das innere Auge zu rufen oder frische Luft zu schnappen.

Und langfristig?

Die meisten Menschen wissen, was ihnen gut tut – sie müssen sich nur die Zeit dafür nehmen. Dem einen hilft Sport, dem anderen Lesen, Musik hören oder Spazierengehen. Auch Achtsamkeitsübungen und Entspannungstechniken, wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung, senken den Stresspegel.

Aber wenn das nicht reicht?

Verhaltensänderung und Umdenken funktionieren nicht auf Knopfdruck. Viele Stressopfer brauchen professionelle Unterstützung. Niemand sollte sich aus Scham davor scheuen, den Hausarzt anzusprechen oder einen Psychologen aufzusuchen.

Gibt es psychische Warnsignale für einen Herzinfarkt?

Ja, sie machen sich sogar manchmal stärker bemerkbar als die körperlichen Vorboten. Zunehmender Leistungsabfall, starke Stimmungsschwankungen, anhaltende Erschöpfung, Angst und Rückzug sind deutliche Warnzeichen und in jedem Fall ernst zu nehmen.

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Frauenherzen: Interview mit Dr. Huchtemann

Frauenherzen schlagen anders

Interview mit Dr. York-Räto Huchtemann, Kardiologe und Experte der DAK-Gesundheit über Unterschiede am Lebensmotor.

Dr. York-Räto Huchtemann, Kardiologe, Hamburg

DAK-Gesundheit: Ist der Herzinfarkt ein typisches Männerproblem?

Dr. Huchtemann: Nein, das stimmt schon lange nicht mehr. Frauen haben leider mächtig aufgeholt. Im Jahr 2010 sind fast ebenso viele Frauen wie Männer an einem Herzinfarkt gestorben.

Warum trifft es Frauen immer häufiger?

Unter anderem haben sich die Risikofaktoren angeglichen: Nach dem Gesundheitsreport 2012 rauchen heute genauso viele Frauen wie Männer. Frauen leiden ebenso unter zunehmendem Zeitdruck und Stress am Arbeitsplatz. Sie treiben nicht mehr Sport als Männer und bringen auch oft zu viele Pfunde auf die Waage …

… denken aber häufiger, ihr Herzinfarktrisiko sei geringer. Wie kommt das?

Frauen nehmen das Risiko anders wahr. Während Männer sich der meisten persönlichen Risikofaktoren zumindest bewusst sind, sehen viele Frauen das eigene Risiko vorwiegend in dem Faktor Stress – und meinen, mit dem müsse man nur richtig umgehen. Ebenso wägen sich Frauen häufig in Sicherheit, wenn in der Familie bislang keine Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorgekommen sind.

Wie steht es um die Vorsorge?

Darum scheren sich Männer weniger als Frauen. Laut Gesundheitsreport weiß ein Drittel der Männer gar nicht, dass es Untersuchungen zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen überhaupt gibt. Dagegen ist nur ein Viertel der Frauen darüber nicht informiert. Diesen sogenannten Check-up 35 sollte aber jeder ab 35 Jahre nutzen. Die Krankenkassen bezahlen diese Untersuchung alle 2 Jahre.

Wirken sich die Risikofaktoren bei Frauen und Männern gleich aus?

Nein, auch hier beobachten wir Unterschiede. Der weibliche Körper reagiert empfindlicher: Rauchen, vor allem in Verbindung mit Hormonstörungen, gefährdet Frauen besonders. Bluthochdruck belastet das Herz von Frauen deutlich stärker. Auch die Zuckerkrankheit, ein wesentlicher Risikofaktor für Herzerkrankungen, gefährdet Frauenherzen mehr als Männerherzen. Erhöhte Blutzuckerwerte steigern das Infarktrisiko bei Frauen um das Fünffache, bei Männern um das Dreifache.

Welche Rolle spielt die Gefühlswelt?

Eine sehr wichtige. Dauerstress, Trauer, Angst, und Depressionen belasten das Herz – bei Männern wie bei Frauen. Nicht selten geht einem Herzinfarkt eine Depression voraus. Frauenherzen scheinen besonders darunter zu leiden: Depressive Frauen unter 40 Jahren sterben etwa 5-mal so häufig an einem Herzinfarkt wie junge Männer mit Depressionen. Aber auf die Männer sollten wir auch ein aufmerksames Auge haben, denn bei ihnen bleiben Depressionen leider oft unerkannt.

Sind Frauenherzen eben einfach anders?

Ab dem 12. Lebensjahr wächst das Herz von Jungen stärker als das von Mädchen. Männer haben daher ein größeres Herz, ihre Blutgefäße haben einen größeren Durchmesser, sie besitzen mehr Blut und mehr roten Blutfarbstoff. Aber das Herz von Frauen schlägt schneller als das Männerherz. Außerdem verkalken die Blutgefäße bei Frauen nicht so schnell, so dass eine koronare Herzkrankheit etwa 15 Jahre später auftritt als bei Männern.

Was schützt sie länger?

Weibliche Geschlechtshormone, die Östrogene, erweitern die Herzkranzgefäße. Sie sind also eine Art natürlicher Herzschutz. Mit den Wechseljahren versiegt allerdings langsam der gefäßschützende Effekt der Östrogene und das Herzrisiko steigt sprunghaft an.

Aber Herz-Kreislauf-Medikamente wirken doch sicher bei beiden Geschlechtern gleich.

Nein, nicht immer. Acetylsalicylsäure (ASS) beispielsweise verdünnt das Blut und kann zwar Männer vor einem Herzinfarkt schützen, Frauen aber weniger. Dafür erleiden Frauen durch ASS weniger Schlaganfälle. Blutdrucksenker wiederum, wie die sogenannten Betablocker und ACE-Hemmer, verursachen bei Frauen mehr Nebenwirkungen.

Der Fraueninfarkt

Die hohe Herzinfarkt-Sterblichkeit bei Frauen erklären Mediziner auch mit den oft untypischen Alarmzeichen. Die Folge: Frauen kommen später ins Krankenhaus als Männer.

Abweichend von den klassischen Symptomen zeigen Frauen die folgenden Anzeichen:

  • starke Müdigkeit, Schwindelgefühl
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Schmerzen: Oberbauch, Rücken, Nacken, Kiefer, Hals

Klassische Anzeichen bei Männern und Frauen:

  • starkes Engegefühl und starke Schmerzen in der linken Brusthälfte, teilweise Ausstrahlung in Arme, Rücken, Oberbauch oder Kiefer
  • Angst, Blässe, kalter Schweiß
  • Atemnot, Schwäche bis Bewusstlosigkeit

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Test Herz IQ

Test: Wie hoch ist Ihr Herz-IQ?

Hand aufs Herz: Wissen Sie über Ihren Lebensmotor Bescheid? Der Test der DAK-Gesundheit hilft Ihnen auf die Sprünge.

1. Herzinfarkt ist eine typische Managerkrankheit.

Richtig Falsch

Falsch: In zehn Jahren erkranken oder sterben etwa 6 Prozent der 40- bis 65-jährigen Männer unter den Angestellten, aber nur 3 Prozent der Männer aus der Führungsebene von Unternehmen. Risikofaktoren für einen Herzinfarkt sind nicht nur ständiger Stress und eine hohe Arbeitsbelastung. Auch unsichere Arbeitsplätze, fehlende Anerkennung und geringe Aufstiegschancen erhöhen das Herzinfarktrisiko. Dies betrifft einen Großteil der Belegschaften.

2. Margarine ist immer herzgesünder als Butter.

Richtig Falsch

Falsch: Nicht jede Margarine schützt das Herz. „Manche Sorten enthalten sogenannte Transfettsäuren, die im Blut das ‚schlechte‘ Cholesterin (LDL) und somit das Herz-Kreislauf-Risiko sogar erhöhen“, sagt Silke Willms, Ernährungsexpertin der DAK-Gesundheit. Ob eine Margarine Transfettsäuren enthält, verrät die Verpackung nicht immer. Wer sicher gehen will, kann sich nur auf den Hinweis „frei von gehärteten Fetten“ verlassen.

3. Eine Zuckerkrankheit kann aufs Herz gehen.

Richtig Falsch

Richtig: Diabetes mellitus schädigt die Blutgefäße und erhöht dadurch das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko. Selbst schon leicht erhöhte Blutzuckerwerte können dem Herzen gefährlich werden, wie australische Forscher herausgefunden haben. „Ab 35 Jahre sollte jeder bei seinem Arzt alle 2 Jahre unbedingt den Gesundheits-Check durchführen lassen, bei dem auch der Blutzuckerwert bestimmt wird“, empfiehlt Elisabeth Thomas, Ärztin der DAK-Gesundheit.

4. Herzinfarkt ist reine Männersache.

Richtig Falsch

Falsch: Frauen haben leider mächtig aufgeholt. Die Anzahl der Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist in den vergangenen Jahren zwar gesunken, aber bei Frauen deutlich langsamer als bei Männern. Im Jahr 2010 starben in Deutschland rund 59.000 Menschen an einem Herzinfarkt – davon waren 44 Prozent Frauen. Besonders gefährlich: Rauchen und Anti-Baby-Pille.

5. Sport am Morgen überlastet das Herz.

Richtig Falsch

Falsch: „Das ist keineswegs bewiesen“, sagt Uwe Dresel, Sportexperte der DAK-Gesundheit. „Es gibt auch nicht die ideale Trainingszeit. Manche Menschen quälen sich nach abendlichem Sport mit Einschlafstörungen. An heißen Sommertagen sollte man nicht mittags trainieren, da Hitze und Sport den Körper schnell überlasten können. Vielmehr sollte jeder nach seinen Vorlieben und passend zum Tagesablauf Sport treiben.“

6. Schluss mit dem Rauchen: Wie lange dauert es, bis das Herz-Kreislauf-Risiko wieder so niedrig ist wie bei Nichtrauchern?

A. 5 Jahre
B. 10 Jahre
C. 15 Jahre

C: Hart, aber wahr: Es dauert etwa 15 Jahre, bis Herz und Kreislauf wieder so fit sind als hätte man nie geraucht. Aber immerhin: Schon 2 Jahre nach dem Rauchstopp ist das Herzinfarktrisiko auf fast normale Werte gesunken. Und ein Trost für den Anfang: Bereits nach 3 Tagen lässt es sich spürbar besser atmen – wenngleich das Lungenkrebsrisiko erst nach 10 Jahren etwa Nichtraucherwerte erreicht.

7. Ab welchem Taillenumfang steigt das Herzinfarktrisiko deutlich?

A. Männer 90 cm, Frauen 76 cm
B. Männer 102 cm, Frauen 88 cm
C. Männer 110 cm, Frauen 95 cm

B: „Wenn das Maßband bei Männern 102 cm und bei Frauen 88 cm anzeigt, dann wird’s kritisch“, sagt Ärztin Elisabeth Thomas. Das Risiko, in den nächsten zehn Jahren einen Herzinfarkt zu erleiden, lässt sich aus dem Taillenumfang ableiten: Männer mit einem Taillenumfang ab 102 Zentimeter haben durchschnittlich ein 1,8-fach höheres Herzinfarktrisiko als Männer mit einem Taillenumfang von weniger als 88 Zentimeter. Am besten fürs Herz ist ein Taillenumfang bis 94 Zentimeter bei Männern und 80 Zentimeter bei Frauen.

8. Ab welchen Werten sollte man sicherheitshalber den Blutdruck im Auge behalten?

A. 120/80 mmHg
B. 130/85 mmHg
C. 140/90 mmHg

A: Blutdruckwerte unter 140/90 mm Hg gelten zwar als normal. Aber: Bereits bei Werten über 120/80 mm Hg sprechen Mediziner von einer eine Vorstufe des Bluthochdrucks (Prähypertonie), die man im Auge behalten sollte. Dann ist die Gefahr eines Herzinfarktes bereits dreimal so groß, ergab die US-amerikanische „Framingham-Studie“. Bei etwa 40 Prozent der Menschen mit Prähypertonie steigt der Blutdruck innerhalb von 10 Jahren bis zu einem handfesten Bluthochdruck.

9. Wie viel Lebenszeit kostet Bluthochdruck einen 35-Jährigen?

A. 1 Jahr
B. 7,5 Jahre
C. 16,5 Jahre

C: Statistisch lebt man 16,5 Jahre länger, wenn der Blutdruck im Alter ab 35 Jahre nicht dauerhaft über Normalniveau liegt.

10.Welche Erkrankung erhöht deutlich das Herzinfarktrisiko?

A. Depression
B. Asthma
C. Reizdarmsyndrom

A: Studien haben gezeigt, dass eine Depression das Herzinfarktrisiko um 64 Prozent erhöht. Die Gründe: „Menschen mit Depressionen achten weniger auf ihre Ernährung, treiben weniger Sport und rauchen öfter als Nichtdepressive“, erläutert Frank Meiners, Diplom-Psychologe bei der DAK-Gesundheit. Außerdem können bei depressiven Menschen das Gerinnungs- und das Immunsystem aus dem Gleichgewicht geraten – das Blut gerinnt schneller und die Entzündungswerte im Blut steigen.

AUSWERTUNG


Pro richtige Antwort 1 Punkt

10-8 Punkte:
Ihnen kann keiner so leicht etwas vormachen, denn Sie kennen sich in Herzensangelegenheiten ziemlich gut aus. Dann wissen Sie auch, wie Sie sich vor einem Herzinfarkt schützen können.

7-4 Punkte:
Sie wissen einiges über das Herz, aber es ist noch Platz für mehr Information. Machen Sie sich schlau, damit Sie gegen die Herzrisiken richtig gewappnet sind.

3-0 Punkte:
Herzgeschichten sind wohl nicht Ihr Ding. Damit Sie aber künftig mögliche Gefahren für Ihr Herz erkennen können, sollten Sie sich unbedingt besser informieren.

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Herzensgut

Was das Herz begehrt

Weg mit dem Glimmstängel, ran ans Gemüse und ab an die frische Luft.

Start ins nikotinfreie Leben

Dem Rauchen abzuschwören, ist für manchen die Herausforderung seines Lebens. Damit daraus eine Erfolgsgeschichte wird, hat die DAK-Gesundheit gemeinsam mit dem Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung in Kiel ein kostenfreies Rauchstopp-Programm entwickelt (www.dak-rauchstopp.de). Es begleitet Raucher schrittweise auf dem Weg in ein Leben ohne Qualm. Auch diese Tipps helfen: Erzählen Sie Freunden und Angehörigen von Ihrem Vorhaben. Suchen Sie sich einen Mitstreiter – gemeinsam geht es besser. Meiden Sie anfangs Orte, an denen geraucht wird. Belohnen Sie sich fürs Durchhalten. Durchbrechen Sie alte Gewohnheiten und schaffen Sie sich neue Rituale ohne Tabak.

Gesundheit auf dem Teller

Feldsalat oder Wurstbrot – prinzipiell ist auf dem Speiseplan alles erlaubt. Das Geheimnis einer herzgesunden Ernährung liegt vielmehr darin: Wie viel wovon und wie viel überhaupt? „Ein 65-Jähriger braucht nur noch 75 bis 80 Prozent der Kalorien, die ein 33-Jähriger verzehren kann“, sagt Silke Willms, Ernährungswissenschaftlerin bei der DAK-Gesundheit. Besonders gut schützt die Mittelmeerküche das Herz: viel Gemüse und Obst, Vollkornprodukte, Seefisch, Hülsenfrüchte, Nüsse und pflanzliche Öle. Forscher haben nachgewiesen, dass mediterrane Ernährung den Blutdruck senkt sowie die Blutfette, den Blutzucker und den Speck am Bauch reduziert. Bei Herzinfarktpatienten verringert sie das Risiko weiterer Herzattacken um bis zu 45 Prozent. Noch eine gute Nachricht für Naschkatzen: Das Herz liebt Schokolade mit hohem Kakaoanteil.

Laufen ohne zu schnaufen

Jeden Tag 30 Minuten körperliche Aktivität senkt deutlich das Herzinfarktrisiko. Optimal ist ein zusätzlicher Energieverbrauch von 1000 bis 2000 Kilokalorien pro Woche. Dazu zählen auch ein flotter Spaziergang und Treppensteigen. Wer viel im Sitzen arbeitet, sollte öfter aufstehen und umhergehen – das verringert nachweislich das Herzrisiko. Ausdauersport wie Walking, Joggen und Schwimmen fördert den Abbau von Stresshormonen und die Blutgefäße entspannen sich. Die DAK-Gesundheit bietet „sportliche“ Unterstützung: Mit dem Online-Coaching-Programm „move on“ können Sie einen auf Ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Trainingsplan erstellen. Grundsätzlich gilt aber: Nicht übertreiben, denn das kann dem Herzen sogar schaden. „Viele Jogger laufen zu schnell“, sagt Uwe Dresel, Sportwissenschaftler bei der DAK-Gesundheit. Sein Tipp: mindestens zu zweit laufen und sich dabei unterhalten. Auch beim Skifahren gilt Vorsicht. Gewöhnen Sie sich langsam an die Höhe und starten Sie nicht gleich mit schwarzen Abfahrten. „Die meisten Skiurlauber brauchen ein paar Stunden, um die Technik wieder zu beherrschen“, erläutert Dresel. Kraft und Beweglichkeit können Sie vorher durch Skigymnastikkurse oder Fitnesstraining verbessern. Wer bereits ein Herzrisiko mitbringt, sollte in Höhen über 2000 Meter besonders vorsichtig sein.

Kampfansage an den Stress

Immer mehr Arbeit in immer kürzerer Zeit – für drei Viertel der Berufstätigen ist das die Realität. Die meisten von ihnen leiden unter der hohen Arbeitsbelastung, ergab der Gesundheitsreport 2012. Wer einen stressigen Job hat, braucht einen Ausgleich. Auch dem Herzen zu Liebe. „Jeder bewältigt Stress anders. Viele Menschen wissen aber spontan, wobei sie sich entspannen können“, sagt Frank Meiners, Diplom-Psychologe bei der DAK-Gesundheit. Das kann Spazierengehen, ein heißes Bad, Lesen, Musik hören, Familienspaß, Malen, Kochen, Gartenarbeit oder Sport sein. Laut Gesundheitsreport sucht jeder Siebte Ausgleich in speziellen Entspannungsmethoden. Autogenes Training, Yoga oder Achtsamkeitsübungen stimulieren den Vagusnerv, der dafür sorgt, dass Blutdruck und Herzfrequenz sinken. „Wichtig ist, auf die Signale des Körpers und der Seele zu reagieren und nicht einfach weiter im Hamsterrad zu strampeln“, betont Meiners. Dazu gehört auch, einmal Nein zu sagen und sich bewusst Auszeiten zu nehmen.

Druck runter, Zucker raus

In den vergangenen Jahren ist die Herzinfarktrate in Deutschland gesunken. Professor Eckart Fleck vom Deutschen Herzzentrum in Berlin schreibt diesen Erfolg zu etwa 50 Prozent der Behandlung der Risikofaktoren zu. Denn oft ist der Herzinfarkt nur das „Ende vom Lied“. Über Jahre haben ein hoher Blutdruck und zu viel Zucker und Fett im Blut die Gefäße und das Herz belastet – und irgendwann überlastet. „Grunderkrankungen wie Bluthochdruck und Zuckerkrankheit müssen richtig behandelt werden“, mahnt Elisabeth Thomas, Ärztin bei der DAK-Gesundheit. Thomas appelliert auch an die Patienten: „Die Verschreibung der Medikamente allein hilft überhaupt nicht, sie müssen regelmäßig eingenommen werden – auch wenn man von der Erkrankung nichts spürt.“ Genau so wenig sollten sich Patienten lediglich auf die Medikamente verlassen, sondern ebenso ihren Lebensstil überprüfen.

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Fortschritt Medizin

Spitzenmedizin lässt Herzen weiterschlagen

Katheter, Bypass, Rehabilitation - die DAK-Gesundheit setzt auf spezialisierte Versorgungsnetze.

„Der 26. November ist mein neuer Geburtstag“, sagt Dirk Barthel heute mit einem lockeren Lachen. Am 26. November 2011 war dem 52-Jährigen allerdings gar nicht zum Lachen. Plötzlich fühlte er sich „irgendwie komisch“, ihm war etwas schwindelig, Schweiß lag auf seiner Haut und es zog im linken Arm. Ein Herzinfarkt? Seine Freundin rief den Notarzt, Barthel kam sofort in die Uni-Klinik in Münster, die Ärzte schoben einen kleinen Schlauch in sein Herz und etwa 90 Minuten nach dem Infarkt lag der Stent. Diese Gefäßstütze hält seither seine Herzarterie offen und das Blut fließt wieder. „Dass ich ein zweites Leben bekommen habe, verdanke ich der schnellen Behandlung in einer spezialisierten Klinik.“

Mehr schonende Verfahren

Moderne Therapiemethoden retten immer mehr Menschen mit koronarer Herzkrankheit und Herzinfarkt das Leben. Von 2000 bis 2010 ist die Herzinfarktsterblichkeit um etwa 20 Prozent gesunken. Mit Eingriffen am Herzen beseitigen Mediziner Verengungen der Herzkranzgefäße. „Entweder dehnen Kardiologen das verengte Gefäß mit einem Ballonkatheter wieder auf und stützen es mit einem kleinen Röhrchen, dem Stent (Kathetertherapie), oder Herzchirurgen stellen eine neue Gefäßverbindung her, den sogenannten Bypass“, erläutert Dr. York-Räto Huchtemann, Kardiologe und Experte der DAK-Gesundheit. „Welches Verfahren für den einzelnen Patienten das Beste ist, sollten Kardiologen und Herzchirurgen gemeinsam entscheiden.“ Der Trend ist aber klar: mehr Kathetereingriffe, weniger Herzoperationen. In den vergangenen Jahren haben die Kathetereingriffe geradezu einen Boom erlebt – auch in der Diagnostik der koronaren Herzkrankheit. Viele Experten beklagen zu viele Katheteruntersuchungen, denn Durchblutungsstörungen am Herzen lassen sich inzwischen auch weniger invasiv beurteilen – also ohne Eingriff. Professor Eckart Fleck vom Deutschen Herzzentrum Berlin sieht gute Alternativen in bildgebenden Verfahren, wie Ultraschall, Computer- und Magnetresonanztomographie.

Hand in Hand

Um die medizinische Versorgung von Herzpatienten weiter zu optimieren, hat die DAK-Gesundheit in allen Bundesländern „Herz-Verträge“ mit Arztpraxen, Kliniken und Rehabilitationseinrichtungen abgeschlossen. „In diesen spezialisierten Versorgungsnetzen arbeiten Haus-, Fach- und Klinikärzte Hand in Hand und stimmen Diagnostik, Therapie und Nachsorge eng miteinander ab“, sagt Martin Kordt, Diplom-Sozialökonom bei der DAK-Gesundheit. Die Versorgungsnetze gewährleisten eine medizinische Behandlung nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Dabei kommen auch elektronische Verfahren der Fernüberwachung zum Einsatz, die sogenannte Telemedizin. Verstärkt setzt die DAK-Gesundheit auch auf nachhaltige Rehabilitation, um die Herzgesundheit der Patienten langfristig zu stärken. „Ernährungsberatung, Stressbewältigung, Sport- und Bewegungsprogramme speziell für Herzpatienten sind eine tragende Säule unseres Versorgungskonzepts“, sagt Kordt. „Denn die Rechnung geht nur dann auf, wenn wir auch an den Ursachen der Herzkrankheiten ansetzen.“

Dass High-Tech-Medizin und Überleben alleine nicht reicht, wurde auch Herzpatient Dirk Barthel schnell klar. Gerade hat er die Rehabilitation beendet. Er hat das Rauchen aufgegeben, bewegt sich mehr, isst weniger Fett und mehr Ballaststoffe. Es geht ihm gut und sein Herz arbeitet 1a. „Das will ich nicht mehr aufs Spiel setzen – wer weiß, ob ich ein drittes Leben bekäme.“

Kleine Helfer für kranke Herzen

Seit Jahren arbeiten Forscher intensiv an einer Stammzelltherapie nach dem Herzinfarkt. Dabei werden patienteneigene Stammzellen über einen Katheter oder im Zuge einer Bypass-Operation in den Bereich des Herzens gebracht, wo der Infarkt stattgefunden hat. Dort sollen sie das Herzgewebe erneuern. Stammzellen können sich zu unterschiedlichen Zelltypen entwickeln. „Für die Herzinfarkttherapie wird eine bestimmte Sorte sogenannter adulter Stammzellen verwendet, die im Knochenmark, im Fettgewebe, aber auch im Nabelschnurblut zu finden ist. Im Gegensatz zu embryonalen Stammzellen, die alle Gewebe bilden können, unterstützen adulte Stammzellen nur einzelne Organe bei der Heilung und Regeneration“, erläutert Kardiologe Huchtemann. Für eine Therapie am Herzen eignen sich derzeit Stammzellen aus dem Knochenmark am besten, haben Rostocker Forscher festgestellt. Sie produzieren mehr des Signalstoffs Endoglin als Stammzellen aus Nabelschnurblut. Endoglin regt die Bildung neuer Blutgefäße an und hält das Absterben des Herzgewebes auf. Große Hoffnung setzen Wissenschaftler auch in herzeigene Stammzellen. Ob Stammzellen die Behandlung des Herzinfarkts revolutionieren werden, muss sich allerdings erst noch zeigen.

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Zuletzt aktualisiert:
Nov 26, 2013

Jörg Bodanowitz

Chef-Pressesprecher

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