Bundesweiter DAK-Gesundheitsreport 2012

Pressemappe

Der Krankenstand stieg 2011 auf 3,6 Prozent. Ein Jahr zuvor lag er noch bei 3,4 Prozent. Er liegt damit so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr.

Pressemitteilung

DAK-Gesundheitsreport 2012: Krankmeldungen erreichen 2011 höchsten Stand seit 15 Jahren

Herzinfarkt: Risikofaktoren lauern auch im Job

Der Krankenstand stieg 2011 auf 3,6 Prozent. Ein Jahr zuvor lag er noch bei 3,4 Prozent. Er liegt damit so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr. Herbert Rebscher, Chef der DAK-Gesundheit, warnt jedoch davor, diese Steigerung falsch zu interpretieren.

„Bei der Entwicklung des Krankenstandes zeigen sich über alle Branchen hinweg bereits die ersten Anzeichen des demografischen Wandels“, kommentiert er den Trend. „Die Belegschaften sind schon heute durchschnittlich älter als vor zehn Jahren. Ältere Mitarbeiter sind seltener krank als Jüngere, dafür aber deutlich länger“. Rebscher prognostiziert, dass aufgrund der Demografie der Krankenstand auch in den nächsten Jahren beschleunigt steigen wird, wenn Unternehmen nicht durch Prävention gegensteuern. Erst kürzlich hatte die Bundesagentur für Arbeit gemeldet, dass der Anteil der 60- bis 65-Jährigen an allen Erwerbstätigen sich in den letzten zehn Jahren fast verdreifacht hat.

Immer mehr Arbeitsausfall aufgrund psychischer Krankheiten

Ungebrochen ist auch der Trend bei den psychischen Erkrankungen: Im vergangenen Jahr stieg ihr Anteil von 12,1 auf 13,4 Prozent am Gesamtkrankenstand. Damit hat sich in den zurückliegenden 15 Jahren der Anteil dieser Krankheitsgruppe am Krankenstand mehr als verdoppelt. Depressionen & Co machen heute knapp ein Siebtel des gesamten Krankenstandes aus. „Die durchschnittliche Dauer einer Krankschreibung bei psychischen Leiden liegt bei rund 30 Tagen. Das Betriebsklima, die Führungskultur und familiengerechte Arbeitsplätze sind betriebswirtschaftlich gesehen weiche Faktoren, können aber helfen, psychische Erkrankungen zu vermeiden. Ein Monat Arbeitsausfall ist ein betriebswirtschaftliches Risiko, so dass es sich lohnt, auch hier zu investieren“, so Rebscher. Ein DAK-Versicherter war 2011 durchschnittlich 13,2 Kalendertage krankgeschrieben. Die gute Nachricht: Mehr als die Hälfte aller erwerbstätigen Versicherten (52,2 Prozent) meldete sich 2011 gar nicht krank.

Für den Gesundheitsreport hat die DAK-Gesundheit die Krankschreibungen von 2,4 Millionen erwerbstätigen Versicherten mit Hilfe des ­IGES Instituts aus Berlin ausgewertet.

Schwerpunktanalyse Herzinfarkt

In den Mittelpunkt des Reports stellte die DAK-Gesundheit das Thema Herzinfarkt und Arbeitswelt. In den Industrieländern sinkt seit 30 Jahren die Anzahl von Personen, die an einem Herzinfarkt sterben. Dieser Rückgang ist unter anderem auf einen Rückgang des Nikotinkonsums bei Männern und weniger Bluthochdruck bei Frauen zurückzuführen. Hinzu kommen bessere Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten. Zwar sterben weniger Menschen am Herzinfarkt, jedoch sinkt die Zahl der Krankenhausbehandlungen bei Herzinfarkt seit Jahren nicht mehr. Zudem steigt das Herzinfarktrisiko ab einem Alter von 55 Jahren stark an. Angesichts alternder Belegschaften ist diese Entwicklung auch für die Arbeitswelt relevant. Das war Anlass für die DAK-Gesundheit, die Herzinfarkt-Gefährdung speziell der Erwerbstätigen genauer zu analysieren. Gibt es neue, bisher zu wenig berücksichtigte Risikofaktoren bei Berufstätigen, die in arbeitsbedingtem Stress oder im sozialen Umfeld liegen können? So ist beispielsweise bekannt, dass schwere Depressionen das Herzinfarktrisiko um 60 bis 100 Prozent erhöhen. Bislang wurde das Augenmerk vornehmlich auf die klassischen Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Fettleibigkeit gelegt. Der DAK-Gesundheitsreport 2012 geht demgegenüber besonders dem Zusammenhang von Herzinfarkt, Job-Situation und psychischen Belastungsfaktoren nach. „Bis vor wenigen Jahren wurden ältere Arbeitnehmer noch in Frührente geschickt. Mittlerweile wächst bei vielen Unternehmen das Interesse, erfahrene Mitarbeiter möglichst lange im Betrieb zu halten. Betriebliches Gesundheitsmanagement fängt bei jungen Beschäftigen an, hört aber nicht bereits bei 55-Jährigen auf“, so Herbert Rebscher.

Missverhältnis von Anstrengung und Belohnung im Beruf ist ein Herzrisiko

Um die Verbindungen von Herzinfarkt und Arbeitswelt genauer zu analysieren, hat die DAK-Gesundheit eine repräsentative Befragung von über 3000 Berufstätigen durchgeführt. Der Gesundheitsreport zeigt ein überraschendes Ergebnis: Die in den Medien geführte Debatte um Burn-out und psychische Belastungen am Arbeitsplatz ließe erwarten, dass ein großer Anteil der Arbeitnehmer gesundheitlich stark gefährdet ist. Doch nur knapp jeder zehnte Befragte (9,3 Prozent) leidet unter einer sogenannten beruflichen Gratifikationskrise. Damit wird eine besondere Form von arbeitsbedingtem Stress beschrieben, die durch eine mangelnde Anerkennung im Beruf ausgelöst wird. Eine Gratifikationskrise entsteht, wenn für Beschäftigte die Belohnung nicht mehr im Verhältnis zu ihrer Anstrengung steht. Sowohl das Gehalt wie auch die Anerkennung können hier eine Rolle spielen. Für diesen Personenkreis besteht ein mehr als doppelt so hohes Herzinfarktrisiko. Auffällig ist, dass Gratifikationskrisen je nach beruflichem Status unterschiedlich häufig sind. „Je größer Selbstbestimmung und Gestaltungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz sind, um so weniger tritt dieses Problem auf“, erklärt Herbert Rebscher. So leiden Facharbeiter mit 11,2 Prozent überproportional daran, ebenso Arbeiter mit 10,8 Prozent. „Hier besteht der eigentliche Handlungsbedarf in den Betrieben“, so der Chef der DAK-Gesundheit. Unterdurchschnittlich von einer Gratifikationskrise betroffen sind Selbstständige und Freiberufler mit 3,9 Prozent sowie Beamte im höheren Dienst mit 6,7 Prozent. Überraschend: Betriebliche Zielvereinbarungen, bei denen Verantwortung für messbare Arbeitsergebnisse auf Beschäftigte übertragen wird, führen nicht zu mehr Gratifikationskrisen.

Zeitdruck und Arbeitsaufkommen belasten jeden Fünften

In der Befragung von 3000 Beschäftigten ging es unter anderem um Belastungen im Arbeitsalltag und um Aspekte von „Belohnung“ (Gratifikation). Jeder fünfte Befragte fühlt sich stark oder sehr stark durch Zeitdruck aufgrund des hohen Arbeitsaufkommens belastet. Fast ebenso häufig werden als Stressoren Unterbrechungen und Störungen des Arbeitsablaufs angegeben. Mit jeweils knapp zehn Prozent werden auch Verantwortung bei der Arbeit sowie die häufige Notwendigkeit für Überstunden als (sehr) stark belastend empfunden. Möglicherweise stehen diese wachsenden psychosozialen Beanspruchungen mit den zunehmenden Krankschreibungen aufgrund psychischer Leiden in Zusammenhang. „Angesichts älter werdender Belegschaften liegt hier ein besonderes Risikopotenzial für Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, so Rebscher. Geht es um Belohnung, geben die Befragten Folgendes an: Mehr als jeder Fünfte (22,2 Prozent) empfindet eine starke oder sehr starke Belastung, weil er ein Missverhältnis zwischen Bezahlung und erbrachter Leistung sieht. Etwa 17 Prozent fühlen sich sehr belastet, weil Vorgesetzte ihnen zu wenig Anerkennung zukommen lassen. Fast ebenso häufig (15 Prozent) lassen sich Belastungen darauf zurückführen, dass Beschäftigte eine Verschlechterung ihrer Arbeitssituation befürchten ­oder tatsächlich erfahren.

Stress – was schützt und was schadet

Soziale Beziehungen im Job können helfen, Stress zu reduzieren. Erfreulich: Im Gesundheitsreport geben rund zwei Drittel der Befragten an, dass das Verhältnis zwischen den Kollegen vertrauensvoll ist. Von Unterstützung des Arbeitgebers, die Beschäftigten vor Stress zu schützen, berichten immerhin 16 Prozent. Demgegenüber werden als negative Stressoren Arbeitsaufgaben genannt, die der Befragte anders erledigen würde, als es seinen Vorgaben entspricht. So geben gut 16 Prozent an, dass sie bei der Arbeit häufig Dinge tun müssen, die sie anders erledigen würden. Weitere Belastungen: Rund jeder Zehnte bekommt oft widersprüchliche Anweisungen von zwei oder mehr Personen. Vor allem für Dienstleistungsberufe gilt: Sich widersprechende Anforderungen – etwa von Kunden und Vorgesetzten – sind ein starker Stressor. Auch Umstrukturierungen gelten als Belastungsfaktor für psychosozialen Stress und Gratifikationskrisen. Knapp die Hälfte der Befragten war in den vergangenen zwei Jahren von einem größeren strukturellen Umbau des Unternehmens betroffen.

Arbeit zu Hause: Stress oder Entlastung?

Laut Gesundheitsreport arbeitet ein Drittel der Befragten mindestens einmal pro Woche zu Hause. Das Homeoffice stellt sich dabei nicht grundsätzlich als Risikofaktor für einen Herzinfarkt heraus. Ausschlaggebend für das Belastungsrisiko sind vielmehr die Gründe für das Arbeiten zuhause. Ein Risikofaktor für einen Herzinfarkt entsteht dann, wenn im Büro die Arbeitsmenge nicht mehr bewältigt werden kann. Beschäftigte, die deshalb einen Teil ihrer Arbeit mit nach Hause nehmen, leiden doppelt so häufig unter dem Missverhältnis von Anstrengung und Belohnung. Sie sind deshalb auch stärker infarktgefährdet. Demgegenüber kann Heimarbeit sogar Arbeitsstress reduzieren, wenn sie im eigenen Interesse stattfindet. Wird beispielsweise zu Hause gearbeitet, um familiäre und private Belange besser mit dem Beruf zu vereinbaren, vermindert dies die Belastung. Ebenso ist das Motiv, sich lange Wegezeiten zu ersparen, mit einem verringerten Risiko für eine Herzinfarkt-Erkrankung verbunden.

Bei Gratifikationskrise steigt das Herzinfarktrisiko

Beschäftigte mit einer Gratifikationskrise schätzen ihren Gesundheitszustand sehr viel schlechter ein als andere. Fast die Hälfte der Betroffenen sieht dies im Vergleich zu ihren Altersgenossen so. Bei den nicht gestressten Arbeitnehmern sind es nur 17 Prozent. Beschäftigte mit Gratifikationskrise schätzen ihren Gesundheitszustand nicht nur schlechter ein. Sie haben tatsächlich auch häufiger gesundheitliche Probleme. Stimmungsschwankungen verbunden mit Angst oder Hilflosigkeit treten bei ihnen dreimal so häufig auf wie bei Beschäftigten, die nicht von Stress betroffen sind (73,8 gegenüber 23,9 Prozent). Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit kommen bei Gestressten fast doppelt so häufig vor. „Obwohl diese Arbeitnehmer um ihr erhöhtes Gefährdungspotential wissen, belegt der Report, dass sie sich nicht stärker um ihre Gesundheit kümmern als andere Beschäftigte. Hier sollten Unternehmen mit ihrem betrieblichen Gesundheitsmanagement ansetzen, um hohe rankenstände zu vermeiden. Die DAK-Gesundheit unterstützt sie dabei gerne“, so Herbert Rebscher.

Weitere Ergebnisse zum Gesamtkrankenstand aller DAK-Versicherten

Muskel-Skelett-Erkrankungen stehen im Krankheitsspektrum aller bei der DAK-Gesundheit versicherten Arbeitnehmer mit 21,3 Prozent aller Krankheitstage ganz vorne. An zweiter Stelle folgen die Erkrankungen des Atmungssystems mit einem Anteil von 16,1 Prozent. Verletzungen liegen an dritter Stelle mit 13,9 Prozent. Die psychischen Erkrankungen sind mit 13,4 Prozent die viertgrößte Krankheitsart. An fünfter Stelle stehen Erkrankungen des Verdauungssystems mit einem Anteil von 6 Prozent.

Branchenergebnisse

Die Branchen mit den niedrigsten Krankenständen waren 2011 der Bereich Bildung, Kultur und Medien mit 2,7 Prozent sowie der Bereich Banken und Versicherungen mit 3,0 Prozent. Unter dem Durchschnitt lag auch die Rechtsberatung (3,1 Prozent) sowie der Handel mit 3,4 Prozent. Den höchsten Krankenstand weisen die Öffentliche Verwaltung mit 4,2 Prozent und das Gesundheitswesen mit 4,1 Prozent auf.

Download Pressemitteilung

Statement

Statement Prof. Dr. h.c. Herbert Rebscher, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Sehr geehrte Damen und Herren,

trotz Euro-Krise und weltweiter Rezessionsängste erzielte die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr ein vergleichsweise starkes Wachstum und hat an Wettbewerbsfähigkeit weiter gewonnen. Insgesamt waren 2011 mit über 36 Millionen Erwerbstätigen so viele Arbeitnehmer sozialversicherungspflichtig beschäftigt wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Wenn immer mehr Menschen in Lohn und Brot sind und einer Beschäftigung nachgehen, ist dies eine positive Nachricht: Denn der Beschäftigungszuwachs trägt dazu bei, die Sozialsysteme zu stabilisieren. Das sogenannte Jobwunder hat allerdings auch seinen Preis: Es ist zu einem großen Teil mit prekären Beschäftigungsverhältnissen verbunden. Die Erwerbstätigen müssen in puncto Arbeitszeit, Mobilität und Entlohnung wesentlich flexibler sein als früher. Häufig reicht ein einziger Job zum Lebensunterhalt nicht mehr aus, wenn Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen tätig sind. Wer hier mithalten will, muss gesundheitlich besonders belastbar sein.

Krankenstand zunehmend durch Demografie beeinflusst

Der Krankenstand ist im vergangenen Jahr um 0,2 Prozentpunkte auf 3,6 Prozent gestiegen. Damit liegt er so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr. Heute ist jeder Mitarbeiter im Schnitt zwei Tage pro Jahr länger krank als 2006. Welche Faktoren können dafür verantwortlich sein?

  • Der Krankenstand wird durch viele Faktoren beeinflusst.
  • Neben epidemiologischen Faktoren wie Grippewellen oder Virus-Epidemien - beispielsweise durch das Noro-Virus - können auch Witterungseinflüsse wie extrem lange und nasskalte Winter die Krankmeldungen erhöhen.
  • Darüber hinaus wird der Krankenstand immer auch durch betriebsinterne Faktoren wie Arbeitszufriedenheit, Motivation, das Betriebsklima sowie die Betriebsgröße beeinflusst.
  • In den Dienstleistungsberufen, in denen die DAK-Gesundheit viele Beschäftigte versichert, ist der Krankenstand seit Jahren traditionell niedrig. Dennoch führen gerade in den Dienstleistungsbranchen die Veränderungen der Arbeitswelt zu besonderen Belastungen. Sie sind zunehmend bestimmt durch neue Technologien, neue Kommunikationsmittel, neue Formen der Arbeitsorganisationen und prekäre Beschäftigungsverhältnisse.

Die kollektive Alterung der Belegschaften hat bereits begonnen

Für die gegenwärtige und zukünftige Interpretation des Krankenstandes zeigen sich jetzt aber auch über alle Branchen hinweg die ersten Anzeichen des demografischen Wandels. Der demografische Wandel ist bereits Realität. Die Belegschaften in den Betrieben sind schon heute deutlich älter als vor zehn Jahren. Laut Bundesagentur für Arbeit wächst bei Älteren die Teilnahme am Erwerbsleben stärker als in der Gesamtbevölkerung. Ältere Belegschaften haben - so zeigen es unsere Zahlen - einen höheren Krankenstand. Insofern ist demografiebedingt zu erwarten, dass der Krankenstand auch in den nächsten Jahren immer stärker steigen wird, wenn Unternehmen hier nicht gegensteuern. Bei einer längeren Lebensarbeitszeit und deutlich weniger Berufseinsteigern wird es für Unternehmen zu einer Herausforderung in den kommenden Jahren, mehr junge Fachkräfte zu binden und ältere Arbeitnehmer gesund und leistungsfähig im Betrieb zu halten. Konkret bedeutet das, für junge Berufseinsteiger eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu gewährleisten und älteren Mitarbeitern alters- und gesundheitsgerechte Arbeitsangebote anzubieten. Die neue DAK-Gesundheit wird noch stärker als bisher mit einem effizienten betrieblichen Gesundheitsmanagement für die Mitarbeiter präsent sein. Ansatzpunkte dazu liefert unser neuer Gesundheitsreport.

Burn-out im medialen Fokus

Wenn es um Job und Gesundheit geht, war 2011 ein Thema in allen Medien präsent: Burn-out als moderne „Volkskrankheit“. Keine Zeitung oder Talkshow ohne Burn-out! Sogar das Arbeitsministerium möchte Burn-out zum Schwerpunkt einer gemeinsamen deutschen Arbeitsschutzstrategie machen und VW führt für die Mitarbeiter mit Smartphone den Email-Stopp nach Feierabend ein. Ist Burn-out nun wirklich eine neue Krankheit, für die wir neue Versorgungsangebote benötigen, oder eher eine dem Zeitgeist geschuldete Modediagnose, die Stoff für die Medien liefert?

Burn-out kann zum einen eine eher harmlose individuelle Erschöpfung sein, die eigentlich keinen Therapeuten benötigt. Eine moderate Lebensstiländerung, ausreichend Schlaf und Erholung sind hier meistens völlig ausreichend. Auf der anderen Seite wird Burn-out aber auch als Etikett für eine schwere und behandlungsbedürftige Depression verwandt. Der Arzt möchte seinem Patienten mit der Bezeichnung Burn-out eine griffige und weniger stigmatisierende Diagnose an die Hand geben, die positiver besetzt ist als eine Depression. Durch diese Umetikettierung soll in unserer Leistungsgesellschaft die Diagnose „Depression“ möglichst vermieden werden, obwohl sie die fachlich richtige wäre.

Egal, ob das Etikett Burn-out oder Depression heißt - fest steht: Psychische Erkrankungen nehmen seit Jahren stetig zu. Dieser Tatsache kann sich keine Krankenkasse im Versorgungsprozess entziehen. Im Gegenteil: Es gilt, die Behandlung psychischer Krankheiten durch innovative und vernetzte Therapieangebote laufend zu verbessern. Derzeit testen wir deshalb ein Online-Coachingprogramm gegen leichtere Formen der Depressionen als begleitende Unterstützung im Behandlungsprozess.

Schwerpunkt Herzerkrankungen

Die stark wachsenden psychischen Erkrankungen sind mit 27 Milliarden Euro mittlerweile ein großer Ausgabenblock in der Gesetzlichen Krankenversicherung. Am meisten Geld geben wir allerdings für die Versorgung eines klassischen Krankheitsbildes aus, nämlich der Herz- Kreislauf-Erkrankungen.

Nicht nur dieser ökonomische Aspekt hat uns veranlasst, das Thema „Herzerkrankungen“ in diesem Jahr näher unter die Lupe zu nehmen. Auch die Tatsache, dass nach wie vor in Deutschland die meisten Menschen an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung sterben, zeigt die epidemiologisch bedeutsame Rolle dieses Krankheitsbildes. Das Risiko für einen Herzinfarkt steigt ab etwa 55 Jahren stark an. Bei der eingangs aufgezeigten Alterung der Belegschaften werden deshalb zukünftig immer mehr aktiv Beschäftigte von Herzinfarkten oder Angina Pectoris betroffen sein. Auch wenn die Deutschen am meisten Angst vor Krebserkrankungen haben, so fürchtet sich fast jeder Zweite vor einem Herzinfarkt.

In den letzten Jahren hat die Herzmedizin rasante Fortschritte gemacht, und viele Innovationen haben die Versorgung verbessert. Zunehmend geht die Wissenschaft der Frage nach, ob auch psychosoziale Risikofaktoren Herzerkrankungen oder einen Infarkt auslösen können. Es geht dabei um mögliche Wechselwirkungen von psychischen Erkrankungen und deren Auswirkungen auf das Herz. Prof. Ladwig als Experte wird dazu später noch ausführlich Stellung nehmen. Uns interessiert im diesjährigen Report besonders der Zusammenhang zwischen der modernen Arbeitswelt, ihren besonderen Belastungen und Herzerkrankungen.

Herr Nolting vom IGES Institut wird Ihnen jetzt die Ergebnisse des DAK-Gesundheitsreports 2012 präsentieren.

Welche Lehren ziehen wir aus dem Gesundheitsreport?

Obwohl die Herzmedizin in Deutschland eine Erfolgsgeschichte ist, erleiden rund 800 Menschen täglich einen Herzinfarkt, ungefähr ein Drittel stirbt daran.

Was ist zu tun? Vernetzung ist das A und O! Vorsorge, ambulante und stationäre Behandlung sowie Rehabilitation müssen Hand in Hand gehen. Dadurch lässt sich am besten Qualität sichern. In vielen Regionen Deutschlands hat die DAK-Gesundheit beispielhafte Netze organisiert:

  • Unser Projekt „Herz im Takt“ in Schleswig-Holstein umfasst die Behandlung sämtlicher Herzerkrankungen von Kindern und Erwachsenen. Ambulante, stationäre und rehabilitative Behandlungen gehen lückenlos ineinander über. Im Rahmen der Rehabilitation werden Ernährungsberatung sowie Sport- und Bewegungsgruppen angeboten. In den Universitätskliniken Lübeck und Kiel stehen feste Fall-Manager für die Patienten bereit.
  • Hier in Berlin haben wir die Diagnostik, Behandlung und Nachsorge von Patienten mit einer Koronaren Herzerkrankung auf höchstem medizinischen Niveau organisiert. Durch eine frühzeitige Stent-Versorgung und Nachsorge der KHK-Patienten soll es gar nicht erst zu einem Herzinfarkt kommen. Ein erweitertes Nachsorgeprogramm beinhaltet lebenslang ambulante Kontrollen sowie verschiedene Seminare und Schulungen für Patienten und ihre Angehörigen.
  • Wegweisend ist auch unser bundesweites Projekt zur Versorgung von Patienten mit kardiologischen bzw. kardiochirurgischen Erkrankungen. Spezialisierte Ärzte und Krankenhäuser nehmen die Implantation, den Wechsel und die Überprüfung von Herzschrittmachern vor. Die ambulante Behandlung inklusive der Nachsorge im überwachten Bett ersetzt eine vollstationäre Behandlung. Im Falle unvorhergesehener Komplikationen ist eine unmittelbare stationäre Versorgung sichergestellt.

Die neue DAK-Gesundheit ist stärker denn je betrieblich ausgerichtet und versteht sich als kompetenter Partner für präventionsorientierte Unternehmen. Mit unserem zukünftig noch engeren Bezug zu vielen Betrieben und Arbeitgebern sind wir nah an den Gesundheitsbelastungen der Beschäftigten.

Download Statement

Zuletzt aktualisiert:
Feb 27, 2014

Jörg Bodanowitz

Chef-Pressesprecher

  • Nagelsweg 27-31
    20097 Hamburg
  • Tel.: 040 2396 1409

DAK-Gesundheit bei ...

  • Xing
  • google+

Aktuelle Termine

  • 24.04.2019 Internationaler Tag gegen Lärm
    Deutsche Gesellschaft für Akustik (DEGA e. V.)
    Arbeitsring Lärm der DEGA (ALD)
    www.tag-gegen-laerm.de
    E-Mail: e.baumer@ald-laerm.de

    27.04.2019 Welt Tai Chi und Qigong Tag
    Deutscher Dachverband für Qigong und Tajiquan e. V.
    www.ddqt.de