Bundesweiter DAK-Gesundheitsreport 2011

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Der Krankenstand stieg auch im Wirtschaftsaufschwung 2010 nicht an. Er lag bei 3,4 Prozent wie ein Jahr zuvor in der Rezession.

Pressemitteilung

DAK-Gesundheitsreport 2011: Krankmeldungen steigen trotz Aufschwung nicht

DAK warnt vor bedenklichen Gesundheitstrends bei jungen Arbeitnehmern

Der Krankenstand stieg auch im Wirtschaftsaufschwung 2010 nicht an. Er lag bei 3,4 Prozent wie ein Jahr zuvor in der Rezession. Die alte Faustformel, dass der Krankenstand steigt, wenn es der Wirtschaft gut geht und in Krisenzeiten wieder sinkt, ist heute nicht mehr haltbar. „Seit mehr als zehn Jahren liegt der Krankenstand auf einem niedrigen Niveau. Dies zeigt eine hohe Leistungsbereitschaft und Motivation der Arbeitnehmer, die nicht von Konjunkturzyklen abhängig ist“, kommentiert DAK-Chef Herbert Rebscher die Entwicklung.

Da der Krankenstand seit Jahren auf niedrigem Niveau liegt, ist der gegenläufige Trend bei den psychischen Erkrankungen umso alarmierender: Sie stiegen seit 1998 kontinuierlich und legten 2010 so stark zu wie noch nie. So gab es allein im letzten Jahr 13,5 Prozent mehr Fehltage aufgrund von psychischen Erkrankungen. Damit machen Depressionen & Co heute ein Achtel des gesamten Krankenstandes aus und spielen eine fast doppelt so große Rolle wie noch 1998.

Neben den psychischen Erkrankungen sind auch Verletzungen gestiegen. „Dies liegt daran, dass der Eispanzer auf vielen Gehwegen zu Beginn des Jahres 2010 zu mehr Unfällen führte“, so Rebscher. Deutlich zurück gegangen sind Atemwegserkrankungen. 2010 war kein Grippejahr. Es gab rund 16 Prozent weniger Fehltage durch Erkältungen und Schnupfen als ein Jahr zuvor.

Ein DAK-Versicherter war 2010 durchschnittlich 12,5 Kalendertage krankgeschrieben. Mehr als die Hälfte aller erwerbstätigen Versicherten (53,7 Prozent) meldete sich 2010 gar nicht krank.

Für den Gesundheitsreport hat die DAK die Krankschreibungen von 2,6 Millionen erwerbstätigen Versicherten mit Hilfe des IGES Instituts aus Berlin ausgewertet.

Schwerpunktanalyse: Junge Erwerbstätige im Fokus

In den Mittelpunkt des Reports stellte die DAK die Gesundheit junger Arbeitnehmer bis zum Alter von 29 Jahren. Deshalb führte sie zusätzlich eine repräsentative Befragung bei rund 3000 jungen Erwerbstätigen durch.

Der Gesundheitsreport zeigt ein unerwartetes Ergebnis: Rund 60 Prozent der befragten jungen Arbeitnehmer haben das Gefühl, mehr leisten zu können als im Job verlangt wird. Umgekehrt geben nur 6,1 Prozent an, dass ihre Tätigkeit zu schwierig ist. „Die jungen Menschen wollen ihr Potenzial ausschöpfen. In der Arbeitsorganisation und im betrieblichen Gesundheitsmanagement sollte der Fokus nicht nur auf Überforderung und Burn-Out gerichtet sein, sondern auch darauf, wie sich Unterforderung auswirkt“, so Rebscher. Nicht nur Überforderung, sondern auch langanhaltende Unterforderung kann Stress erzeugen.

Der Krankenstand junger Arbeitnehmer liegt unter dem Durchschnitt. Sie schätzen sich selbst überwiegend als gesund ein. Der Report deckt jedoch auffällige gesundheitsrelevante Trends bei jungen Arbeitnehmern auf, die frühzeitiges Handeln erfordern, um Fehlentwicklungen zu vermeiden.

Psychische Erkrankungen betreffen zunehmend auch Jüngere

Psychische Erkrankungen steigen kontinuierlich. Davon sind auch Jüngere betroffen. Hier ist die häufigste Diagnose bei 15- bis 29-Jährigen die sogenannte „Somatoforme Störung“. Schon jeder zehnte junge Erwerbstätige leidet daran. Kennzeichnend für dieses Krankheitsbild ist, dass für körperliche Symptome wie beispielsweise Schmerzen oder Herzbeschwerden keine organische Ursache gefunden wird. Häufig sind diese Störungen von Depressionen begleitet. Bereits bei knapp sieben Prozent wurde mindestens einmal diese Diagnose gestellt.

Junge Menschen leiden häufig auch unter Anpassungsstörungen. Damit sind Reaktionen auf schwere Belastungen (bedeutsame und kritische Lebensveränderungen) gemeint. Knapp sechs Prozent aller 15- bis 29-Jährigen waren davon betroffen.

Alarmierend: Rauschtrinken hat hohe Akzeptanz

Für jeden vierten jungen Arbeitnehmer gehört Alkohol dazu, um beim Ausgehen Spaß und Vergnügen zu haben. Mit 33 Prozent meinen dies deutlich mehr junge Männer als Frauen (19 Prozent). Jeder fünfte Befragte sieht die berufliche Leistungsfähigkeit auch dann nicht beeinträchtigt, wenn man sich am Vorabend betrinkt. Beim unkontrollierten Konsum von Alkohol auf Partys („Rauschtrinken“) ergibt sich folgendes Bild: Jeder dritte junge Erwerbstätige nimmt mindestens einmal im Monat fünf oder mehr alkoholische Getränke in zwei bis drei Stunden zu sich. Immerhin knapp 27 Prozent trinken sich bis zu dreimal monatlich in den Rausch, 7,2 Prozent sogar wöchentlich. „Alkohol steht bei Suchtmitteln an erster Stelle“, betont Rebscher. „Die zielgerichtete Prävention bleibt ganz oben auf der Tagesordnung und ist eine Herausforderung für die gesamte Gesellschaft“. Die Ergebnisse der DAK werden durch eine andere kürzlich veröffentlichte Untersuchung bestätigt.

Berufseintritt treibt Arztkontakte hoch

Junge Erwerbstätige suchen deutlich häufiger einen Arzt auf als ihre Alterskollegen, die noch nicht berufstätig sind. Während junge Arbeitnehmer durchschnittlich knapp achtmal mal pro Jahr zum Arzt gingen, suchten ihre Altersgenossen aus der nichtberufstätigen Vergleichsgruppe nur gut viermal den Arzt auf.

Für den fast doppelt so häufigen Arztkontakt gibt es zwei Erklärungen: Jüngere Erwerbstätige gehen öfter zum Arzt, um Fehlzeiten gegenüber dem Arbeitgeber durch eine ärztliche Krankschreibung zu legitimieren. Nicht-Erwerbstätige warten zunächst ab, wie sich die Beschwerden entwickeln. „Es stellt sich die Frage, ob viele Arztbesuche vermeidbar wären. Eine ärztliche Krankschreibung ist nicht immer sofort, sondern in der Regel erst nach dem dritten Tag erforderlich“, gibt DAK-Chef Rebscher zu Bedenken.

Die zweite Erklärung liegt darin, dass sich mit dem Berufsstart deutliche Veränderungen im Alltag ergeben. Dies führt dazu, dass junge Arbeitnehmer zunächst anfälliger für Krankheiten werden. Besonders viele Krankschreibungen fallen bei den jüngsten Arbeitnehmern zwischen 15 und 19 Jahren auf. In dieser Altersgruppe kam es 2010 zu 204 Krankmeldungen pro 100 junge Versicherte. Im Gesamtschnitt aller Erwerbstätigen waren es nur 111 Krankschreibungen.

Krankheiten junger Arbeitnehmer: Schon jeder Fünfte wegen Rückenschmerzen in Behandlung
Obwohl die jungen Arbeitnehmer häufiger zum Arzt gehen, liegt der Krankenstand bei den 15- bis 29-Jährigen nur bei 2,6 Prozent. Er bleibt damit deutlich unter dem Durchschnitt aller Berufstätigen mit 3,4 Prozent. Jüngere werden in der Regel zwar häufiger, allerdings meist nur wenige Tage krank. Kurzzeitige Erkrankungen wie beispielsweise Infektionen, akut auftretende Erkältungen und Verdauungsbeschwerden stehen im Vordergrund. Knapp jeder Dritte erkrankte an einer akuten Infektion der oberen Atemwege.

Alarmierend ist, dass der Arzt schon bei jedem fünften jungen Erwerbstätigen Rückenschmerzen behandeln musste. Ein noch kritischeres Bild zeigt die repräsentative Befragung: Hier gibt sogar jeder Zweite an, oft von Muskelverspannungen im Rückenbereich betroffen zu sein. Weitere ärztliche Diagnosen bei Jüngeren sind Schleimhautentzündungen des Magen-Darm-Traktes (17 Prozent), Bauch- und Beckenschmerzen (knapp 14 Prozent), Heuschnupfen (zwölf Prozent), Kopfschmerzen (acht Prozent) und Migräne (sechs Prozent).

Bezeichnend für den Gesundheitszustand junger Erwerbstätiger ist, dass bereits Fettsucht und Bluthochdruck (jeweils knapp sechs Prozent) zu den 40 häufigsten ärztlich behandelten Krankheiten gehören.

Diese Ergebnisse zeigen, dass sich schon bei jungen Erwachsenen ernste und in der Behandlung teure Zivilisationskrankheiten entwickeln. „Hier lassen sich Warnsignale für spätere chronische Erkrankungen wie Diabetes oder Arteriosklerose erkennen“, kommentiert Rebscher die Zahlen. „Dies unterstreicht, wie wichtig frühzeitige Prävention ist“.

Weniger Stress im Wunschberuf
Die Inhalte der Arbeit beeinflussen besonders stark, wie zufrieden junge Erwerbstätige im Job sind. So sind immerhin 19 Prozent der jungen Erwerbstätigen, die nicht ihren Wunschberuf ausüben, mit ihrer Arbeit unzufrieden. Im Wunschberuf sind es lediglich drei Prozent.

Insgesamt empfindet jeder fünfte junge Erwerbstätige seinen Arbeitsalltag als sehr belastend und stressig. Die Hälfte fühlt sich etwas belastet. Knapp 30 Prozent bewerten ihre Arbeit als „eher locker“. Die Stressbelastung wird umso niedriger eingeschätzt, je mehr jemand in seinem Wunschberuf arbeitet.

„Das belegt, wie wichtig die Berufswahl und ein gelungener Einstieg ins Erwerbsleben ist“, kommentiert Rebscher die Ergebnisse. „Die Identifikation mit der Arbeit und dem Unternehmen ist ein Garant für hohe Leistungsbereitschaft“.

Weitere Ergebnisse zum Gesamtkrankenstand aller DAK-Versicherten

Muskel-Skelett-Erkrankungen stehen im Krankheitsspektrum aller bei der DAK versicherten Arbeitnehmer mit 21,7 Prozent aller Krankheitstage ganz vorne. An zweiter Stelle folgen die Erkrankungen des Atmungssystems mit einem Anteil von 15,8 Prozent. Verletzungen liegen an dritter Stelle mit 14,3 Prozent.

Die psychischen Erkrankungen sind die viertgrößte Krankheitsart. 12,1 Prozent des Krankenstandes gingen darauf zurück (2009 waren es nur 10,8 Prozent). Der Anteil der psychischen Leiden am gesamten Krankenstand stieg damit rasant von 6,6 Prozent im Jahr 1998 auf 12,1 Prozent in 2010. An fünfter Stelle standen Erkrankungen des Verdauungssystems mit einem Anteil von 6,3 Prozent.

Branchenergebnisse

Die Branchen mit den niedrigsten Krankenständen waren 2010 Bildung, Kultur, Medien mit 2,7 Prozent und Banken und Versicherungen mit 2,8 Prozent. Unter dem Durchschnitt lag auch die Rechtsberatung (3,0 Prozent) sowie der Handel mit 3,2 Prozent.

Den höchsten Krankenstand weisen die Öffentliche Verwaltung mit 4,0 Prozent und das Gesundheitswesen mit 3,9 Prozent auf.

Unterschiede zwischen den Bundesländern

Auch 2010 bestanden Unterschiede zwischen den Bundesländern: In den westlichen Bundesländern (mit Berlin) beträgt der Krankenstand durchschnittlich 3,3 Prozent in den östlichen Bundesländern 4,3 Prozent (2009: 4,2 Prozent).

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Statement

Statement Prof. Dr. h.c. Herbert Rebscher, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Sehr geehrte Damen und Herren,

nach der stärksten Rezession der Nachkriegszeit infolge der Finanzkrise erholte sich die deutsche Wirtschaft 2010 schneller als erwartet. Deutschland hatte mit 3,6 Prozent das stärkste Wachstum in Europa und das höchste seit der Wiedervereinigung. Die Arbeitslosigkeit ging 2010 deutlich zurück. Gleichwohl ist das „Vorkrisenniveau“ noch längst nicht erreicht.

Wie hoch war der Krankenstand angesichts dieser Rahmenbedingungen? Die Ganzjahresauswertung aller erwerbstätigen DAK-Versicherten ergab 2010 einen Krankenstand von 3,4 Prozent. Er lag damit auf dem Niveau des Vorjahres. Der anhaltend niedrige Krankenstand seit mehr als zehn Jahren zeigt eine hohe Leistungsbereitschaft und Motivation der Arbeitnehmer, die nicht von Konjunkturzyklen abhängig ist.

Einfluss der Konjunktur auf den Krankenstand wird schwächer

In den vergangenen Jahren wurde viel über einen Zusammenhang von wirtschaftlicher Lage und Höhe des Krankenstandes spekuliert. Seit Anfang 2000 konnten wir jährlich in den Zeitungen lesen, dass die Krankmeldungen unter anderem deshalb einen historischen Tiefstand erreicht hätten, weil Mitarbeiter sich aus Angst vor Jobverlust nicht krankschreiben lassen würden. Die vergleichende Betrachtung der Krankmeldungen der letzten zehn Jahre zeigt jedoch, dass dieser Zusammenhang immer weniger zutrifft. Konjunkturveränderungen allein führen nicht mehr automatisch zu deutlichen weiteren Absenkungen oder Erhöhungen des Krankenstandes. Der Krankenstand entwickelt sich weitgehend unabhängig von konjunkturellen Verläufen. Erwerbstätige nehmen wirtschaftliche Veränderungen nicht mehr als beständig wahr. Im Gegensatz zu früher sind die Wirtschaftsbedingungen viel schnelllebiger und die Entwicklung auf den Finanzmärkten ist schwer vorhersehbar. Die Halbwertszeiten von konjunkturellen Auf- und Abschwüngen verkürzen sich zusehends.

Demografischer Wandel wird Krankenstand stärker beeinflussen

Heute sind die Einflussfaktoren auf die Entwicklung des Krankenstandes vielfältig. Sowohl wirtschaftliche als auch gesellschaftliche, politische und immer stärker auch soziodemografische Veränderungen wirken sich auf den Krankenstand aus. Für die zukünftige Entwicklung des Krankenstandes rückt der demografische Wandel in den Vordergrund. Die geburtenstarken Jahrgänge - vor allem zwischen 1959 und 1969 - erreichen inzwischen ein Lebensalter, in dem chronische Herz-Kreislauf- oder andere Krankheiten altersbedingt zunehmen und den Krankenstand erhöhen. Ein weiterer Einflussfaktor ist das veränderte Spektrum beruflicher Tätigkeiten: Immer weniger Menschen arbeiten heute in körperlich anstrengenden Berufen, immer mehr sitzen vor ihrem Bildschirm. Durch Handy und Laptop ist die Arbeit nicht mehr an einen festen Ort gebunden. Vielmehr sind wir allzeit und überall erreichbar. Mit der zunehmenden Mobilität steigen die mentalen Anforderungen, was wiederum Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Menschen hat.

Berufsstart – eine wichtige Phase des Übergangs

Beim Berufsstart lösen sich junge Erwachsene aus familiären und schulischen Kontexten. Sie treten in die Ausbildungs- und Arbeitswelt ein und etablieren sich in der „Erwachsenenwelt“. Eine gute körperliche, psychische und soziale Gesundheit hilft ihnen dabei, die Herausforderungen auf dem Weg ins Arbeitsleben erfolgreich zu bestehen. Die berufliche Integration ist aber nicht nur von maßgeblicher Bedeutung für ein selbstbestimmtes Leben und Wohlergehen in diesem Lebensabschnitt, sonder auch für den weiteren Erwerbsverlauf. Zugleich ist die nachhaltige Integration in die Arbeitswelt - nicht zuletzt mit Blick auf die Auswirkungen des demografischen Wandels – wichtig für die Gesellschaft und für Unternehmen. Die nachhaltige Integration ist dadurch erschwert, dass Erwerbsbiographien immer unsteter werden. Zeit-, Leih- sowie befristete Arbeit nehmen zu und gerade junge Erwerbstätige sind davon betroffen.

Zudem prägt der Wettbewerb im Zeichen der Globalisierung sowie der rasante technische Fortschritt gegenwärtig die Arbeitsbedingungen der jungen Arbeitnehmer. Genauer betrachtet beginnt der Wettbewerb bereits früh in der Schule. Bewusst oder unbewusst beeinflusst durch die Wertvorstellungen von Eltern und Gesellschaft sind Klassenkameraden heute vielfach auch Konkurrenten um spätere attraktive Arbeitsplätze.

Junge Menschen müssen in kürzerer Zeit immer mehr lernen und erleben einen Verdrängungswettbewerb um die besten Jobs und können sich keine Umwege mehr leisten. Diese Entwicklung stellt für Viele bereits einen wesentlichen Stressfaktor vor dem eigentlichen Berufseintritt dar.

Schwerpunkt 2011: Gesundheit junger Arbeitnehmer

Wie gesund sind junge Arbeitnehmer angesichts dieser Rahmenbedingungen? Welche Entwicklung zeigen die psychischen Krankheiten? Wir haben diese Fragen in den Mittelpunkt des Gesundheitsreports 2011 gestellt. Denn für uns als Krankenkasse ist es besonders wichtig, gerade junge Erwachsene für ihre eigene Gesundheit zu sensibilisieren. Warum?

  1. Wer als junger Mensch heute mit 18 Jahren in die Berufsausbildung eintritt, hat rund 50 Jahre Berufstätigkeit bis zu seiner Rente vor sich.
    Sind die meisten jungen Arbeitnehmer darauf gut vorbereitet? Junge Erwachsene stehen in ihrem Gesundheitsverhalten der Prävention und Vorsorge naturgemäß weniger aufgeschlossen gegenüber als ältere Arbeitnehmer. Dies liegt daran, dass „Krankheit“ für junge Menschen meist noch weit weg ist. Eher neigen junge Erwachsene zu gesundheitsriskanten Verhaltensweisen wie vermehrtem Alkohol- oder Suchtmittelkonsum. Der Begriff „Komasaufen“ beschreibt hierbei nur die Spitze des Eisberges. Bei vielen jungen Erwachsenen hat Alkohol eine hohe Akzeptanz.
  2. Die lebenslange berufliche Anstellung bei demselben Unternehmen ist häufig nicht mehr gegeben. Stattdessen erwartet viele junge Arbeitnehmer ein unstetes Berufsleben bei verschiedenen Firmen in oftmals unsicheren Arbeitsverhältnissen. Diese Unsicherheit kann die beruflichen Perspektiven erschweren, Auswirkungen auf soziale Beziehungen und letztendlich auch auf die Gesundheit haben.
  3. Die mentalen Anforderungen wachsen, die körperlichen nehmen ab. Das Wissen erneuert sich viel schneller als in der Vergangenheit. Permanentes Lernen und Weiterbildung sind zwingende Voraussetzungen, um am Arbeitsmarkt zu bestehen. Wer dem Veränderungs-Tempo nicht gewachsen ist, ist eher gefährdet, psychisch zu erkranken oder den Anschluss zu verlieren.

Welches Gesundheitsverhalten zeigen junge Erwachsene angesichts dieser Rahmenbedingungen? Welche Krankheiten haben sie? Welche Auffälligkeiten zeigen sich im Vergleich zu allen Erwerbstätigen? Herr Nolting vom IGES Institut wird Ihnen jetzt die Ergebnisse des DAK-Gesundheitsreports 2011 präsentieren.

Schlussfolgerungen:

Mit dem Berufsleben beginnt ein neuer Lebensabschnitt für die jungen Erwachsenen. Längere Arbeitszeiten, körperliche Anstrengungen, konzentriertes Lernen und Arbeiten, langes Sitzen oder Stehen können zu veränderten physischen und psychischen Beanspruchungen führen. Der Schlüssel zu mehr Gesundheit liegt neben Elternhaus und Schule in dieser Lebensphase auch immer mehr im Betrieb. Jeder Krankheitstag kostet den Arbeitgeber Geld. Da lohnt es sich auch ökonomisch, junge Arbeitnehmer stärker und gezielt am Arbeitsplatz anzusprechen und Gesundheitskompetenz zu vermitteln.

Die DAK unterstützt Betriebe und Berufsschulen

  • mit speziellen Azubi-Programmen zur Analyse der Arbeitsbedingungen und Stärkung der Gesundheitsressourcen
  • mit frühzeitiger Intervention zum Ausgleich von Muskelverspannungen im Nacken- und Rückenbereich, da junge Erwerbstätige am Häufigsten unter diesen Beschwerden leiden
  • mit Angeboten zum effektiven Stressmanagement zum Ausgleich psychischer Belastungen
  • mit gezielten Präventionsangeboten für die Problemgruppe der jungen Männer, prekär Beschäftigten und bildungsfernen Schichten

Eine Schlussbemerkung: Auch finanzielle Anreize spielen gerade bei jungen Erwachsenen am Anfang ihres Berufslebens eine wichtige Rolle, um die Motivation für gesundheitsbewusstes Verhalten zu steigern. Die DAK fördert mit attraktiven Bonus- und Wahlprogrammen präventives Gesundheitsverhalten. Damit geben wir Anreiz, einen gesundheitsbewussten Lebensstil aufzunehmen und beizubehalten.

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Zuletzt aktualisiert:
Feb 27, 2014

Jörg Bodanowitz

Chef-Pressesprecher

  • Nagelsweg 27-31
    20097 Hamburg
  • Tel.: 040 2396 1409

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