XXL-Patienten - Kostenexplosion bei Magen-Operationen für Übergewichtige

Statistik der DAK-Gesundheit – Ausgaben seit 2008 verdoppelt

Bei der stationären Behandlung von „XXL-Patienten“ in deutschen Krankenhäusern steigen die Kosten drastisch an. Nach Auswertung aktueller Daten der Krankenkasse DAK-Gesundheit haben sich die Ausgaben für Magen-Operationen bei stark übergewichtigen Patienten seit dem Jahr 2008 mehr als verdoppelt. Die Eingriffe in der sogenannten Adipositas-Chirurgie stiegen in den vergangenen fünf Jahren um 64 Prozent und erreichten 2012 einen neuen Höchststand. Der Trend setzt sich 2013 fort.

2008 entstanden der DAK-Gesundheit durch 406 Operationen mit Magenband, Magenballon oder Magenverkleinerung Kosten von insgesamt 2,0 Millionen Euro. Zum Vergleich wurden 2012 bereits 669 Eingriffe für 4,6 Millionen Euro abgerechnet. Im ersten Halbjahr 2013 gab es 331 Krankenhausbehandlungen mit Ausgaben von 2,5 Millionen Euro. Die Krankenkassen-Statistik zeigt, dass die durchschnittlichen Kosten für eine Operation rasant zugenommen haben. 2008 lagen die sogenannten Fallkosten je Eingriff bei knapp 5.000 Euro. Im ersten Halbjahr 2013 stiegen die Ausgaben auf fast 7.500 Euro, was einen Anstieg um 50 Prozent bedeutet.

Immer mehr schwere Eingriffe

Grund für den Kostenanstieg in der Adipositas-Chirurgie sind laut DAK-Gesundheit nicht allein die wachsenden Patientenzahlen. „Die Kliniken rechnen immer mehr große Operationen mit komplexen Eingriffen ab“, erklärt Krankenhausexperte Peter Rowohlt. Von 2010 bis 2013 sei der Anteil schwerer Operationen von 62 auf 76 Prozent angestiegen. „Diese Entwicklung macht uns Sorgen. Sie treibt nicht nur die Kosten, sondern bedeutet für viele Patienten auch ein Gesundheitsrisiko.“ Ärzte, Ernährungsberater und Psychologen seien gefragt, um durch frühzeitige Beratung einen weiteren Anstieg der Eingriffe abzuwenden.

Hochburgen Berlin und Hamburg

Laut Krankenhausstatistik lagen in Berlin und Hamburg die Quoten der behandelten stark Übergewichtigen weit über dem Bundesdurchschnitt. 2012 kamen auf 100.000 Versicherte in Berlin und Hamburg 41 bzw. 33 Operationen von „XXL-Patienten“, während es bundesweit nur zwölf Eingriffe waren. Die hohen Behandlungszahlen in beiden Städten hängen vermutlich damit zusammen, dass hier Spezialzentren auch von Patienten aus dem Umland genutzt werden. Auffällig ist ferner ein Geschlechterunterschied: Im ersten Halbjahr 2013 erfolgten 81 Prozent aller Krankenhausbehandlungen bei Frauen.

Voraussetzungen der Adipositas-Chirurgie

Zu den medizinischen Voraussetzungen einer Adipositas-Chirurgie gehört zum Beispiel, dass die Patienten mehr als fünf Jahre stark übergewichtig sind und einen Body Mass Index (BMI) über 40 haben. Bei einer 1,70 Meter großen Frau würde dies zum Beispiel ein Gewicht von 117 Kilogramm bedeuten. Bei chronischen Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus oder starken Wirbelsäulenbeschwerden gilt ein BMI von mehr als 35. Außerdem muss nachgewiesen werden, dass bei den Betroffenen konservative Behandlungsmethoden wie Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapien ohne den erhofften Erfolg blieben.

Die DAK-Gesundheit ist mit rund 6 Millionen Versicherten die drittgrößte gesetzliche Krankenkasse in Deutschland. Weitere Informationen gibt es auch im Internet unter www.dak.de

Zuletzt aktualisiert:
Thu Sep 26 13:20:28 CEST 2013

Jörg Bodanowitz

Chef-Pressesprecher

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