Morbi-RSA

Morbi-RSA: Der Risikostrukturausgleich zwischen den gesetzlichen Krankenkassen

Warum Kassen mit vielen kranken Versicherten finanziell benachteiligt werden

Morbi-RSA - also morbiditätsorientierter Risikostrukturausgleich: So heißt das System, das Krankenkassen mit vielen kranken Versicherten einen Ausgleich garantieren soll für deren höhere Leistungsausgaben. Eigentlich eine gute Idee - doch in der Praxis erhalten Kassen mit jungen, gesunden Versicherten mehr Geld aus dem Ausgleich als ihnen an Kosten entstehen - während die Leistungsausgaben für eine ältere und kränkere Kundschaft durch den Ausgleich nicht gedeckt werden. Die Folge: höhere Beiträge!

Informieren Sie sich hier, was genau hinter dem Morbi-RSA und dem Gesundheitsfonds steckt und warum einige Kassen von dem aktuellen System finanziell benachteiligt werden.

Video: Morbi-RSA

Was ist der Morbi-RSA?

Der morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich, kurz Morbi-RSA, ist ein Finanzausgleich zwischen den gesetzlichen Krankenkassen. Er soll für einen gerechten Ausgleich der unterschiedlichen Leistungsausgaben der Krankenkassen sorgen. Statistisch gesehen verursachen Frauen höhere Ausgaben als Männer, ältere Menschen mehr als junge und chronisch Kranke mehr als Versicherte, die nur ab und zu mal krank werden. Um Kassen mit überdurchschnittlich viel kranken Versicherten zu entlasten, hat der Gesetzgeber 80 kostenintensive chronische Krankheiten festgelegt, für die ein Ausgleich der Leistungsausgaben gezahlt wird.

Welche Krankenkasse nun Ausgleichszahlungen in welcher Höhe erhält, richtet sich vereinfacht gesagt danach, wie viele Frauen und Männer in welchem Alter bei ihr versichert sind und wie viele von ihnen unter einer der 80 chronischen Krankheiten leiden. Diese Zusammenstellung der Versicherten ist die sogenannte Risikostruktur einer Kasse. Morbiditätsorientiert ist der Ausgleich, weil er sich an dem Erkrankungsrisiko der Versicherten ausrichtet.

Woher kommt das Geld für den Morbi-RSA?

Viele Menschen nehmen an, dass ihre Krankenversicherungsbeiträge auch ihrer Krankenkasse zugute kommen. Dies ist jedoch seit der Einführung des sogenannten Gesundheitsfonds anders geregelt. Seit einigen Jahren fließen alle Beiträge aller gesetzlichen Krankenkassen in einen einzigen Topf, den Gesundheitsfonds. Von dort aus wird errechnet, wie die Beiträge anschließend verteilt werden. Grundlage dafür ist der Morbi-RSA: Er dient dazu, die Beitragseinnahmen aller gesetzlichen Krankenversicherungen so zu verteilen, dass jede Kasse die Zuweisungen erhält, die sie aufgrund ihrer Risikostruktur benötigt.

Theoretisch soll auf diese Weise jede Kasse für jeden ihrer Versicherten einen Beitrag erhalten, der dessen Kostenrisiko im Schnitt deckt. Damit sollte ein Wettbewerb der Krankenkassen verhindert werden, der junge und gesunde Kunden bevorzugt. In der Praxis reicht jedoch die Ausgleichszahlung für kranke Versicherte nicht aus, um die Kosten zu decken - während die Zuweisung für junge, gesunde Versicherte ein gutes Stück über den Kosten liegt, die diese verursachen. Einfach gesagt: Krankenkassen mit überdurchschnittlich vielen älteren und kranken Kunden zahlen drauf, Kassen mit einer jungen Klientel bekommen einen Ausgleich für Kosten, die sie gar nicht haben.

Welche Auswirkungen hat die Benachteiligung der Versorgerkassen durch den Morbi-RSA?

  • Beiträge:

    Krankenkassen, die mit den zugeteilten Beiträgen aus dem Gesundheitsfonds nicht auskommen, bleibt nur eines übrig: Sie müssen den sogenannten kassenindividuellen Zusatzbeitragssatz anheben. Damit werden sie teurer als andere Kassen, was im Schnitt besonders jüngere und gesündere Versicherte veranlasst, sich eine günstigere Krankenkasse zu suchen. Damit verschlechtert sich die Risikostruktur der Kasse weiter - irgendwann zieht dies wiederum Beitragserhöhungen nach sich: ein Teufelskreis.

  • Konkurrenzsituation:

    Es kommt zu Wettbewerbsverzerrungen unter den Kassen, wenn eine Kasse aufgrund von Unzulänglichkeiten im Morbi-RSA einen Zusatzbeitrag erheben muss.

  • Leistungsausgaben:

    Um die Beiträge nicht immer weiter in die Höhe zu schrauben, müssen Kassen andererseits auch die Kosten für Leistungen reduzieren. Dies soll sich selbstverständlich nicht auf die Qualität der Versorgung kranker Versicherter auswirken. Stattdessen gibt es beispielsweise harte Preisverhandlungen mit Leistungspartnern wie Apotheken, Fahrdiensten oder Hilfsmittelherstellern.

    Eine andere Möglichkeit, Kosten zu senken, sehen Kassen auch im sogenannten Versorgungsmanagement: Sie begleiten chronisch oder schwerkranke Versicherte so, dass ihnen ohne Umwege die erforderlichen Therapien zur Verfügung gestellt werden. So können beispielsweise gravierende Folgeerkrankungen vermieden werden. Davon profitieren die Versicherten ebenso wie die Krankenkassen.

 

Zuletzt aktualisiert:
Wed Sep 14 14:57:14 CEST 2016

Zum Seitenanfang