Die DAK-Gesundheit erklärt die wichtigsten Fragen zur Krankenversicherung während einer Entsendung und gibt Antworten.

Ihre Krankenversicherung bei einer Tätigkeit im Ausland

Welche Fragen zur Sozialversicherung künftige Expatriates vor ihrer Abreise klären sollten

Arbeiten im Ausland betrifft immer mehr Arbeitnehmer. Hat Ihr Unternehmen Sie für einen Arbeitsaufenthalt im Ausland ausgewählt, gilt es, viele Fragen im Vorfeld zu klären. Das beginnt bei individuellen Entscheidungen, etwa, ob die Familie mitausreist und endet bei sozialversicherungsrechtlichen Vorgaben. Für Sie als Arbeitnehmer ist es entscheidend, ob der Auslandsaufenthalt eine formelle Entsendung ist oder nicht. Davon hängt ab, in welchem Land Sie sozialversichert sind.

Gilt meine Krankenversicherung bei Tätigkeit im Ausland überhaupt noch?

Als Arbeitnehmer im Ausland gilt für Sie zunächst das sogenannte Territorialprinzip. Das heißt, Sie werden in dem Land sozialversichert, in dem Sie leben und arbeiten. Das schließt die Krankenversicherung mit ein. Ausgenommen von diesem Territorialprinzip sind Mitarbeiter, die von einem inländischen Unternehmen ins Ausland entsendet werden. Die Frage, ob Sie in Deutschland weiter sozial- und damit auch krankenversichert werden können, hängt davon ab, ob bei Ihnen tatsächlich eine Entsendung ins Ausland vorliegt.

Wann liegt eine Entsendung vor?

Der Begriff "Entsendung" beschreibt den Vorgang, bei dem Sie von einem inländischen Unternehmen ins Ausland geschickt, aber nach wie vor ganz oder in Teilen inländisches Sozialversicherungsrecht gilt. Klingt einfach, ist es aber nicht. Denn ob in Ihrem Fall überhaupt eine Entsendung vorliegt und wie diese gestaltet sein muss, hängt von vielen Details ab, etwa dem Zielland, der Dauer des Auslandsaufenthaltes, der Art der Beschäftigung, dem derzeitigen Wohnsitz und der Staatsangehörigkeit.
Für sämtliche Entsendungen ins Ausland gelten zunächst folgende drei Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen:

  • Sie müssen vor der Entsendung Ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Inland gehabt haben.
  • Der Ortswechsel muss in Ihrer Tätigkeit im Ausland begründet liegen.
  • Ihr Einsatz im Ausland muss von vornherein zeitlich begrenzt sein. Welche Fristen hier genau gelten, hängt erstens von Ihrer Staatsangehörigkeit ab und zweitens von dem Land, in das Sie entsendet werden sollen.

Ausstrahlung

Wenn Sie als Mitarbeiter ins Ausland entsendet werden und damit weiterhin dem deutschen Sozialversicherungsrecht ganz oder teilweise unterliegen, also trotz Entsendung ins Ausland in Deutschland kranken- und/oder rentenversichert ist, dann „strahlt“ das deutsche Recht ins Ausland aus. Daher spricht man in diesem Fall von der Ausstrahlung des deutschen Sozialversicherungsrechts.

So unterstützt Sie die DAK-Gesundheit im Krankheitsfall während Ihrer Entsendung

Wenn Sie während Ihrer Entsendung im Ausland krank werden, aber weiterhin bei der DAK-Gesundheit versichert sind, übernehmen wir einen Teil Ihrer Behandlungskosten. Im ersten Schritt trägt aber Ihr Arbeitgeber die Kosten und begleicht die Rechnung. Das ist vom Gesetzgeber so vorgeschrieben. Wenn Sie während Ihrer Entsendung krank werden und behandelt werden müssen, geben Sie die Rechnung daher zunächst an Ihren Arbeitgeber. Er setzt sich dann mit uns im Verbindung und wir erstatten die Kosten. Allerdings übernehmen wir die Kosten für Ihre Behandlung nur in dem Umfang, in dem wir sie auch erstattet hätten, wenn Sie in Deutschland erkrankt wären. Da die medizinische Versorgung im Ausland oft teurer ist, sollte Ihr Arbeitgeber dringend eine Zusatzversicherung abschließen. Ansonsten muss er die Kostendifferenz selbst tragen.

Krankenversicherung bei Entsendung in EU-/EWR-Staaten und die Schweiz

Die Länder der EU, des EWR und der Schweiz haben zwar mehrheitlich eine gemeinsame Währung, ein gemeinsames Sozialversicherungssystem existiert dagegen nicht. Die Systeme unterscheiden sich teilweise erheblich. Um nur ein Beispiel zu nennen: In der Schweiz bezahlen Arbeitnehmer ihre Krankenversicherung komplett selbst, Arbeitgeberanteile wie in Deutschland gibt es nicht. Die Höhe der Prämien richtet sich nach dem Alter des Versicherten und dem Kanton, in dem dessen Wohnort liegt – und nicht etwa nach der Höhe des Einkommens. Auch für Kinder ist ab deren Geburt eine eigene Prämie zu entrichten.
Für die Entsendung eines Mitarbeiters in ein EU-/EWR-Staat oder die Schweiz sind die EU-Verordnungen (EG) 883/04 und 987/09 wichtig. Werden Sie entsprechend dieser Verordnungen ins Ausland entsendet, sind Sie dort während Ihres Arbeitseinsatzes für bis zu 24 Monate nach deutschem Sozialversicherungsrecht versichert.

Krankenversicherung bei Entsendung in Staaten außerhalb der EU/EWR oder der Schweiz

Bei der Entsendung ins Ausland muss der Arbeitgeber zunächst für Sie klären, ob Deutschland derzeit ein Sozialversicherungsabkommen mit dem Zielland hat. Die Bundesrepublik hat mit derzeit 19 Staaten, die außerhalb der EU und des EWR oder der Schweiz liegen, ein Sozialversicherungsabkommen. Diese sind: Australien, Bosnien-Herzegowina, Brasilien, Chile, China, Indien, Israel, Japan, Kanada und die Provinz Quebec, Korea, Marokko, Mazedonien, Montenegro, Serbien, Türkei, Tunesien, Uruguay, USA. Sollen Sie als Mitarbeiter in einen dieser Staaten entsendet werden, kommt das jeweilige bilaterale Sozialversicherungsabkommen zum Tragen.

Krankenversicherung bei Entsendung in Vertragsstaaten

Werden Sie in einen Staat entsendet, mit dem Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen hat, gilt für Sie das deutsche Sozialversicherungsrecht ganz oder in Teilen weiter. Beispielsweise hat Deutschland mit den USA ein Sozialversicherungsabkommen geschlossen, welches sich jedoch nur auf die Rentenversicherung bezieht. Das deutsch-amerikanische Sozialversicherungsabkommen schließt dagegen nicht die Krankenversicherung mit ein.

Bilaterale Abkommen hat Deutschland auch mit Indien und China geschlossen. Diese so genannten Entsendeabkommen regeln allerdings nur, dass für Sie als Arbeitnehmer keine doppelten Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung anfallen. Welches Recht im Einzelnen gilt, wird im Einzelfall geprüft.

Je nach Entsendeland kann Ihr Arbeitgeber für Sie den Auslandsaufenthalt per Antrag auf bis zu acht Jahren verlängern. Die einzelnen ausländischen Sozialversicherungsträger entscheiden allerdings sehr unterschiedlich darüber, welche Zeiträume sie im Einzelfall gewähren.

Die wichtigsten Fragen zur Krankenversicherung: Entsendung ins außervertragliche Ausland bzw. in Nicht-Vertragsstaaten

Gehen Sie als Expatriate in ein Land, mit dem Deutschland kein Abkommen geschlossen hat, handelt es sich um sogenanntes außervertragliches Ausland. In diesem Fall muss nach geltendem Recht des § 4 SGB V geprüft werden, ob im Sinne der Ausstrahlungsrichtlinien weiterhin deutsches Recht gilt.

Die wichtigsten Fragen zur Krankenversicherung: Vorteile der Weiterversicherung in Deutschland

Eine Weiterversicherung im Inland hat für Sie zahlreiche Vorteile:

  • Kein Kostenrisiko

    Das System ist Ihnen vertraut. Sie wissen, wie hoch Ihre Beiträge sind und welche Kosten Ihre gesetzliche Krankenversicherung trägt. So übernehmen die gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland standardmäßig auch Zahnbehandlungskosten für Erwachsene.

  • Für Familien günstig

    Die gesetzliche Krankenversicherung hat in Deutschland den Vorteil, dass bei der Entsendung nicht nur der Expatriate, sondern auch seine gesamte Familie beitragsfrei mitversichert ist.

  • Kein Währungsrisiko

    In der Regel werden Sie in der Währung des Landes bezahlt, von dem aus Sie entsendet werden. Müssen Sie jedoch die Krankenversicherung lokal abschließen, muss sie auch in der lokalen Währung bezahlt werden. Das Beispiel Schweiz zeigt, wie nachteilig sich die Beiträge in einer Fremdwährung für den entsendeten Mitarbeiter entwickeln können, der in Euro bezahlt wird: In den vergangenen sechs Jahren stiegen die Kosten für die Krankenversicherung allein aufgrund der Kursentwicklung um rund 40 Prozent.

  • Keine erneute Gesundheitsprüfung

    Der bestehende Vertrag wird samt Zusatzversicherungen fortgeführt. Auch bei der Entsendung eines Mitarbeiters ins Ausland findet keine erneute Gesundheitsprüfung statt.

Zusatzversicherungen schützen vor Mehrkosten

Als Arbeitnehmer können Sie während Ihrer Entsendung freiwillig weiter in die deutschen Sozialversicherungen einzahlen. Dabei müssen Sie zusammen mit Ihrem Arbeitgeber nicht nur die wichtigsten Fragen zur Krankenversicherung vorab klären, sondern auch Ihre Absicherung in der Arbeitslosen-, Unfall- und Rentenversicherung genau überprüfen.

Krankenversicherung

Grundsätzlich gilt: Ihr Arbeitgeber muss bei Ihrer Entsendung ins Ausland für Ihre medizinische Versorgung aufkommen. Dies schließt auch mitreisende Familienmitglieder mit ein. Da die Behandlungskosten im Ausland von denen in Deutschland meist abweichen und die gesetzlichen Krankenversicherungen standardmäßig nur die Kosten für eine Behandlung im Ausland übernehmen, die in Deutschland zu entrichten wären, empfiehlt sich eine Zusatzversicherung. In der Regel schließt diese jedoch der Arbeitgeber für Sie ab. Tipp: Müssen Sie für die Zeit des Auslandsaufenthaltes privat krankenversichert werden, empfiehlt es sich, eine so genannte Anwartschaftsversicherung bei der gesetzlichen Krankenversicherung abzuschließen. So können Sie – und Ihre Familie – nach der Rückkehr problemlos in die gesetzliche Versicherung zurückkehren. In vielen Fällen trägt der Arbeitgeber diese Zusatzkosten.

Rentenversicherung

Werden Sie als Mitarbeiter ins vertragslose Ausland entsendet, bleiben Sie in Deutschland rentenversichert. Strahlt das Recht nicht aus, gibt es dennoch Möglichkeiten, dass Sie weiter in die Rentenversicherung einzahlen.

  • Pflichtversicherung auf Antrag

    Als Beschäftigter, der zeitlich begrenzt im Ausland arbeitet, können Sie einen Antrag auf Pflichtversicherung in der deutschen Rentenversicherung stellen. Voraussetzung dafür ist, dass Sie Deutscher oder Staatsbürger eines EU-Landes, der Schweiz, Islands, Norwegens oder Liechtensteins sind. Der Antrag muss von Ihrem Arbeitgeber vor der Entsendung bei der Deutschen Rentenversicherung gestellt werden. Die Prämien richten sich nach der aktuellen Beitragsbemessungsgrenze. In vielen Fällen übernimmt der Arbeitgeber die Hälfte der Kosten.

  • Freiwillige Weiterversicherung

    Die Deutsche Rentenversicherung ermöglicht es Arbeitnehmern, sich freiwillig weiter zu versichern. Dies gilt auch für Deutsche, die ihren gewöhnlichen Wohnsitz im Ausland haben und sogar für Ausländer aus EU-Staaten oder mit EU-Wohnsitz und Vorversicherungszeiten. Diesen Antrag müssen Sie selbst stellen und zwar bis zum 31. März des Folgejahres nach Beginn der Entsendung. Die Beitragshöhe legen Sie als Versicherter selbst fest. Sie können die Beiträge ebenfalls bis zum 31. März des Folgejahres rückwirkend einzahlen.
    Beschäftigte, die sich nicht auf Antrag pflichtversichern oder freiwillig weiterversichern können, sollten für die Zeit der Auslandsentsendung Zusatzversicherungen, beispielsweise für eine private Altersvorsorge, abschließen. Die DAK-Gesundheit berät Sie gern über Partnerangebote.

Arbeitslosenversicherung

Wenn Sie sich während Ihrer Beschäftigung im Ausland weiter in Deutschland arbeitslosenversichern wollen, darf bei Ihnen keine Entsendung vorliegen. Sie müssen zudem in den zwei Jahren vor der Auslandsbeschäftigung mindestens zwölf Monate lang Pflichtbeiträge zur Arbeitslosenversicherung bezahlt haben. Den Antrag auf Weiterversicherung in der Arbeitslosenversicherung müssen Sie selbst, und zwar spätestens drei Monate nach Arbeitsbeginn im Ausland, bei der zuständigen Agentur für Arbeit stellen. Auch die Beiträge müssen Sie selbst bezahlen.

Unfallversicherung

Die Unfallversicherung ist die einzige der vier Sozialversicherungen, deren Kosten Ihr Arbeitgeber vollständig zahlt. Er trägt auch die Fürsorgepflicht, dass Sie während Ihrer Entsendung im Ausland vor Unfällen geschützt sind und Sie im Falle eines Arbeitsunfalls entsprechende Behandlungs- und Rehabilitationsmaßnahmen erhalten. Grundsätzlich dürfen Sie bei der Unfallprävention und Unfallbehandlung nicht schlechter gestellt werden als in Deutschland. Allerdings geht bei der Unfallprävention lokales Recht vor. Ob ein Arbeitsunfall vorliegt oder nicht, entscheiden in Deutschland die Berufsgenossenschaften.

Damit Sie während Ihres Auslandsaufenthalts keine bösen Überraschungen erwarten, gilt bei Entsendungen grundsätzlich: Klären Sie die wichtigsten Fragen zu Krankenversicherung und Co. vorab!

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Zuletzt aktualisiert:
Wed Aug 24 15:52:56 CEST 2016

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