Im Experteninterview verrät Antje Brückmann, Coach für Expats und Unternehmen, wie Sie einen möglichen Kulturschock überwinden.

So überwinden Sie den Kulturschock

Tipps von Antje Brügmann, Inhaberin von PROPELLO-Coaching. Das Unternehmen hat sich auf die Beratung rund um eine Entsendung spezialisiert.

Eine Entsendung wird lange vorbereitet, der Expatriates sucht oft das passende Land mit aus. Warum erleben dennoch so viele Entsendete einen Kulturschock?

Oft werden Unterschiede, etwa ungeschriebene Gesetze im Umgang miteinander, erst vor Ort sichtbar. Zum Beispiel in den USA. Wir meinen, dass wir die Amerikaner kennen, dass sie uns im Prinzip gleichen. Doch das Leben dort folgt völlig anderen Regeln. Da ist es manchmal einfacher, in ein Land wie China zu gehen, weil wir wissen, dass dort tatsächlich alles anders ist und wir uns intensiver vorbereiten.

Wie unterstützen Unternehmen ihre Expatriates?

Viele Unternehmen gewähren den Expatriates ein Sprachtraining und einen Orientierungstrip, manche auch ein interkulturelles Training. Das klingt gut, reicht aber meistens nicht aus. Das sind alles nur Stippvisiten, die oft genug wenige Wochen vor der Entsendung stattfinden. Die tatsächlichen Probleme tauchen dann aber erst vor Ort auf – und da sind die Expatriates auf sich selbst gestellt.

Die Expertin gibt Tipps, wie Sie einen Kulturschock gut überstehen

Antje Brügmann, Inhaberin von PROPELLO-Coaching

Das heißt, eine erfolgreiche Entsendung endet nicht mit der Abreise?

Keineswegs. Hilfreich gegen den Kulturschock wäre für viele Expatriates ein interkultureller Begleiter, der vor, während und nach der Entsendung immer wieder eingeschaltet werden kann. Denn auch die Rückkehr will gut vorbereitet sein, weil viele Expatriates zu Hause ähnliche Anpassungsschwierigkeiten haben wie im Ausland. Auch die mitreisenden Angehörigen werden von Unternehmen zu oft vernachlässigt.

Warum unterschätzen Unternehmen das Problem?

Sie unterschätzen grundsätzlich, wie schwierig es – auch für einen Mitarbeiter mit Führungsqualitäten – sein kann, ohne Freunde, vertraute Umgebung und Sprache in der Fremde agieren zu müssen. Und die Familie ist in Deutschland in den meisten Fällen Privatangelegenheit. Deshalb sehen viele Personalentscheider gar keine Notwendigkeit, sich auch um die mitreisenden Angehörigen zu kümmern.

Ist das ein Fehler?

Ja, das ist nicht nur meine persönliche Einschätzung, das belegen auch zahlreiche Studien. Entsendete, die ohne Familie ausreisen, brechen häufiger ab, weil das Leben ohne Familie und das Pendeln sie stresst. Expatriates, deren Familie mitreist, aber schlecht integriert wird, haben ebenso Stress, weil sie zwischen Beruf und Familie hin- und hergerissen werden. Auch diese Entsendungen enden häufig vorzeitig.

Wie kann man das lösen?

Es gibt einige einfache Möglichkeiten, zum Beispiel, dem mitreisenden Partner ebenfalls ein Visum mit Arbeitsberechtigung zu besorgen. Aber auch klare Absprachen und ehrliche Auskünfte. Zum Beispiel ist vielen Partnern gar nicht bewusst, dass der Expatriate im Ausland oft beruflich viel mehr reisen muss, die Familienaufgaben also an dem Partner hängen, der auch noch ohne soziale Kontakte dasteht. Es hilft, schon von Deutschland aus andere Expatriate-Familien vor Ort zu suchen, damit die Familie zumindest Ansätze eines sozialen Netzes vorfindet.

Sie haben einen interkulturellen Begleiter erwähnt. Wenn das Unternehmen solch einen Coach nicht finanziert, wie kann sich der Expat selbst helfen?

Zunächst einmal können ehemalige Entsendete im Unternehmen und der Vorgänger auf der Position im Ausland viele Infos geben. Aber auch in einschlägigen Expatriate-Netzwerken findet man viele Informationen und Kontakte, beispielsweise zu anderen Familien vor Ort. Diese Leute haben alle schon Erfahrungen mit dem anderen Wertesystem und der kulturellen Eigenheit des Gastlandes gemacht.

Und wenn der Kulturschock trotzdem auftritt?

Dann muss man sich erst einmal über seine eigene kulturelle Identität klar werden. Wir wissen nämlich oft gar nicht genau, für welche Werte wir eigentlich einstehen. Doch nur, wer seine eigenen Werte kennt, kann auch tolerieren, dass andere Kulturen andere Wertesysteme haben. Und dann macht es Spaß, sich aus beiden Systemen das Beste herausziehen, ja sogar zum Mittler zwischen den Welten zu werden. Im Endeffekt ist das der Erfolg einer Entsendung, das Vermögen, das den Expatriate zum Beispiel als globale Führungskraft prädestiniert.

Zurück zur Übersichtsseite

Zuletzt aktualisiert:
Wed Aug 24 15:52:56 CEST 2016

Weitere Informationen

Zum Seitenanfang