Geringfügige Beschäftigung und Gleitzone

Sozialversicherungsrechtliche Beurteilung von Mini- und Midijobs ab 2019

Minijobs sind

  • geringfügig entlohnte Beschäftigungen, bei denen das Arbeitsentgelt monatlich die Grenze von 450,00 Euro nicht übersteigen darf ("450-Euro-Jobs")
  • kurzfristige Beschäftigungen, die von vornherein für eine begrenzte Dauer ausgeübt werden.

Midijob sind "Beschäftigungen innerhalb der Gleitzone" mit einem monatlichen Arbeitsentgelt von 450,01 Euro - 850,00 Euro.

Minijob

Minijob

Die Minijob-Zentrale

Für die Beurteilung und Beitragsabwicklung der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse ist ausschließlich die Minijob-Zentrale zuständig. Weitere Informationen – auch zur Befreiung von der Rentenversicherungspflicht - bekommen Sie direkt bei der Minijob-Zentrale auf www.minijob-zentrale.de.

Verdienstgrenze

Ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis liegt vor, wenn das regelmäßige monatliche Arbeitsentgelt 450,00 Euro nicht überschreitet.

Beschäftigungen unterliegen der Rentenversicherungspflicht

Alle neu aufgenommenen geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse unterliegen der Rentenversicherungspflicht. Der Beitragssatz zur Rentenversicherung beträgt seit 1. Januar 2015 18,7 Prozent. Allerdings können sich die Beschäftigten auf Antrag von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen.

  • Besteht Rentenversicherungspflicht, dann hat der Arbeitgeber einen Betrag in Höhe von 15 Prozent (5 Prozent bei Beschäftigungen im Privathaushalt) des Arbeitsentgelts als Beitrag zu leisten. Die Differenz von 3,7 Prozent (13,7 Prozent bei Beschäftigungen im Privathaushalt) hat der geringfügig Beschäftigte aufzubringen.
  • Hat sich der Beschäftigte von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen, sind vom Arbeitgeber Beiträge in Höhe des Pauschalbeitrages zu entrichten (15 Prozent bzw. 5 Prozent bei Beschäftigungen im Privathaushalt).
  • Beiträge sind aus dem tatsächlichen Arbeitsentgelt zu berechnen. Die Mindestbemessungsgrundlage beträgt monatlich 175,00 Euro.

Krankenversicherung

Der Arbeitgeber hat Pauschalbeiträge zur Krankenversicherung in Höhe von 13 Prozent beziehungsweise 5 Prozent bei Beschäftigungen im Privathaushalt zu entrichten. Die Beiträge sind aus dem tatsächlichen Arbeitsentgelt zu berechnen.

Kurzfristiger Minijob

Kurzfristige Minijobs sind in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung versicherungs- und beitragsfrei - unabhängig von der Höhe des Verdienstes.

Es gelten die folgenden Eckpunkte:

Zeitgrenzen

Eine kurzfristige Beschäftigung liegt vor, wenn die Beschäftigung von vornherein auf nicht mehr als drei  Monate oder insgesamt 70 Arbeitstage im Kalenderjahr begrenzt ist und nicht berufsmäßig ausgeübt wird. Die Höhe des Verdienstes ist bei diesen Beschäftigungen unerheblich.

Wenn die Beschäftigung an mindestens fünf Tagen in der Woche ausgeübt wird, darf sie nicht länger als drei Monate dauern, um als kurzfristig zu gelten. Beschäftigungen an regelmäßig weniger als fünf Tagen in der Woche gelten als kurzfristig, wenn sie an höchstens 70  Arbeitstagen innerhalb eines Kalenderjahres ausgeübt werden.

Berufsmäßigkeit

Ein kurzfristiger Minijob erfüllt nicht die Voraussetzungen einer geringfügigen Beschäftigung, wenn die Beschäftigung berufsmäßig ausgeübt wird und das regelmäßige Arbeitsentgelt 450,00 Euro im Monat übersteigt.

Berufsmäßig wird eine Beschäftigung unter anderem dann ausgeübt, wenn sie nicht von „untergeordneter wirtschaftlicher Bedeutung“ ist. Das heißt, eine solche Beschäftigung darf nicht allein für die Sicherung des Lebensunterhaltes bestimmend sein. Folglich sind beispielsweise Personen, die beschäftigungslos und bei der Bundesagentur für Arbeit für eine mehr als kurzfristige Beschäftigung als Arbeitsuchende gemeldet sind, als berufsmäßig beschäftigt anzusehen. Diese Personen sind dann – unabhängig von der Dauer der Beschäftigung – versicherungspflichtig, sofern das monatliche Arbeitsentgelt 450,00 Euro (anteilig je nach Dauer der Beschäftigung) überschreitet.

Gelegentlich ausgeübte Beschäftigungen werden nicht berufsmäßig ausgeübt. Als „gelegentlich ausgeübt“ gelten Beschäftigungen, die z.B. neben einer versicherungspflichtigen Beschäftigung oder dem Bezug einer Altersrente ausgeübt werden.

Midijob (Gleitzone)

Beschäftigungsverhältnisse in der Gleitzone

Eine Gleitzonenbeschäftigung liegt ab 1. Januar 2013 vor, wenn das regelmäßige Arbeitsentgelt zwischen 450,01 Euro und 850,00 Euro liegt. Bei einem monatlichen Entgelt in dieser Höhe wird dabei der Arbeitnehmerbetrag zur Sozialversicherung nicht vom tatsächlichen Arbeitsentgelt, sondern von einem geringeren fiktiven Ausgangswert berechnet.

Neue Formel für die Berechnung des Gleitzonenentgelts

Bei Arbeitnehmern, die gegen ein monatliches Arbeitsentgelt innerhalb der Gleitzone beschäftigt sind, findet als beitragspflichtige Einnahme der Betrag Berücksichtigung, der sich aus folgender Formel ergibt: F x 450 + ((850 / (850 – 450)) – (450 / (850 – 450)) x F) x (AE – 450)

Der Faktor F

Der Wert des Faktor F ergibt sich, wenn die Pauschalabgabe bei geringfügiger Beschäftigung in Höhe von 30 v.H. durch den durchschnittlichen Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz des Kalenderjahres, in dem der Anspruch auf das Arbeitsentgelt entstanden ist, dividiert wird.
Der Faktor F beträgt ab dem 1. Januar 2019 0,7566

Vereinfachte Gleitzonenformel

Die vereinfachte Formel für die Ermittlung der beitragspflichtigen Einnahmen lautet ab 1. Januar 2019: 1,273825 x tatsächliches Arbeitsentgelt – 232,75125

Übergangsregelungen in der Gleitzone

Für Beschäftigte, die vor dem 1. Januar 2013 in der Gleitzone mit einem durchschnittlichen Monatsentgelt zwischen 400,01 Euro und 450,00 Euro beschäftigt waren, gilt für die Beitragsberechnung aus dieser Beschäftigung – sofern in den einzelnen Versicherungszweigen weiterhin Versicherungspflicht besteht – die bis 31. Dezember 2012 maßgebende Gleitzonenregelung bis zum 31. Dezember 2014 fort. Bestehen diese Beschäftigungsverhältnisse jedoch über den 31. Dezember 2014 hinaus unverändert fort, so liegt ab dem 1. Januar 2015 eine geringfügige Beschäftigung vor.

Für Arbeitnehmer, die am 31. Dezember 2012 mit einem monatlichen Arbeitsentgelt von 800,00 Euro bis 850,00 Euro beschäftigt waren und fortlaufend sind, wird das beitragspflichtige Arbeitsentgelt weiter nach den allgemeinen Regelungen ermittelt (Ausgangswert für beitragspflichtiges Arbeitsentgelt ist das tatsächliche Arbeitsentgelt). Die neue Gleitzonenformel ist nur anzuwenden, wenn der Arbeitnehmer die Anwendung der ab 1. Januar 2013 maßgebenden Gleitzonenregelung schriftlich gegenüber dem Arbeitgeber erklärt. Die Besitzstandsregelung für Beschäftigungsverhältnisse, die bereits am 31. Dezember 2012 bestanden mit einem Arbeitsentgelt zwischen 800,01 Euro und 850,00 Euro, gilt auch über den 31. Dezember 2014 hinaus.

Beitrags­be­rechnung Gleitzone

In der Gleitzone besteht zwar Versicherungspflicht zu allen Sozialversicherungszweigen, zur Abfederung der Beitragsbelastung des Arbeitnehmers im Niedriglohnbereich wird hier der Gesamtbeitrag aber nicht vom tatsächlichen Arbeitsentgelt, sondern von einem geringeren „Bemessungsentgelt“ berechnet. Die Formel zur Berechnung des Bemessungsentgelts:

Gleitzonenregelung ab 1. Januar 2019

1,273825 x tatsächliches Arbeitsentgelt – 232,75125

(Faktor F = 0,7566)

Gleitzonenregelung ab 1. Januar 2018

1,2759625 x tatsächliches Arbeitsentgelt – 234,568125

(Faktor F = 0,7547)

Gleitzonenregelung ab 1. Januar 2017

1,2802375 x tatsächliches Arbeitsentgelt - 238,201875

(Faktor F = 0,7509)

Gleitzonenregelung ab 1. Januar 2016

1,2759625 x tatsächliches Arbeitsentgelt - 234,568125

(Faktor F = 0,7547)

Gleitzonenregelung ab 1. Januar 2015

1,2716875 x tatsächliches Arbeitsentgelt - 230,934375

(Faktor F = 0,7585)

Für die Beitragsverteilung auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer gilt:

Renten- und Arbeitslosenversicherung

Bemessungsentgelt x 1/2 Beitragssatz = 1/2 Beitrag (gerundet) x 2 = Gesamtbeitrag

tatsächliches Arbeitsentgelt x 1/2 Beitragssatz = Arbeitgeberanteil (gerundet)

Gesamtbeitrag - Arbeitgeberanteil = Arbeitnehmeranteil

Krankenversicherung 

Seit dem 01.01.2019 tragen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer den kassenindividuellen Zusatzbeitragssatz je zur Hälfte. Der kassenindividuelle Zusatzbeitrag ist für den Arbeitnehmeranteil aus dem beitragspflichtigen Arbeitsentgelt zu ermitteln. Der Arbeitgeberanteil berechnet sich aus dem tatsächlichen Arbeitsentgelt. Der halbe Beitragssatz zur Krankenversicherung ist der maßgebende allgemeine bzw. ermäßigte Beitragssatz (ohne den kassenindividuellen Zusatzbeitragssatz).

Beitragspflichtiges Arbeitsentgelt x ½ KV Gesamtbeitragssatz (1/2 allgemeiner oder ermäßigter Beitragssatz) = Beitrag (gerundet)

Beitrag (gerundet) x 2 = Beitrag zur Krankenversicherung

Beitragspflichtiges Arbeitsentgelt x ½ kassenindividueller Zusatzbeitragssatz = Beitrag (gerundet)

Beitrag (gerundet) x 2 = kassenindividueller Gesamtzusatzbeitrag zur Krankenversicherung

Tatsächliches Arbeitsentgelt x ½ KV Gesamtbeitragssatz ( ½ allgemeiner oder ermäßigter KV Beitragssatz) = Arbeitgeberanteil zur Krankenversicherung (gerundet)

Tatsächliches Arbeitsentgelt x ½ kassenindividueller Zusatzbeitragssatz = Arbeitgeberanteil am kassenindividuellen Zusatzbeitrag Krankenversicherung

Beitrag zur Krankenversicherung + kassenindividueller Gesamtzusatzbeitrag zur Krankenversicherung = Gesamtbeitrag zur Krankenversicherung (gerundet)

Gesamtbeitrag zur Krankenversicherung – Arbeitgeberanteil zur Krankenversicherung – Arbeitgeberanteil am kassenindividuellen Zusatzbeitrag Krankenversicherung = Arbeitnehmeranteil zur Krankenversicherung

Pflegeversicherung

Der Beitragszuschlag für Kinderlose ist grundsätzlich vom Arbeitnehmer zu tragen. Dies gilt auch für Beschäftigungsverhältnisse mit einem Arbeitsentgelt innerhalb des Gleitzonenbereiches. Der Beitragszuschlag ist aus dem beitragspflichtigen Arbeitsentgelt zu ermitteln.

Beitragspflichtiges Arbeitsentgelt x ½ Beitragssatz = fiktiver Arbeitgeberanteil (gerundet)

Beitragspflichtiges Arbeitsentgelt x ½ Beitragssatz + 0,25  % Beitragszuschlag = fiktiver Arbeitnehmeranteil (gerundet)

Fiktiver Arbeitgeberanteil + fiktiver Arbeitnehmeranteil = Gesamtbeitrag

Tatsächliches Arbeitsentgelt x ½ Beitragssatz = Arbeitgeberanteil zur Pflegeversicherung (gerundet)

Gesamtbeitrag – Arbeitgeberanteil = Arbeitnehmeranteil zur Pflegeversicherung

Die Spitzenverbände der Sozialversicherungsträger betrachten es als zulässig, wenn bei der Berechnung des Gesamtbeitrags zur Pflegeversicherung der auf den Zuschlag entfallende Beitrag eigenständig errechnet und dem Arbeitnehmerbeitragsanteil hinzugerechnet wird.

Die Gleitzonenregelung gilt nicht für zur Berufsausbildung Beschäftigte. 

Mehrere Beschäftigungen

Liegt das Gesamtarbeitsentgelt aus mehreren Beschäftigungen innerhalb des Gleitzonenbereiches wird das jeweilige beitragspflichtige Arbeitsentgelt wie folgt berechnet:

(1,273825* x Gesamtarbeitsentgelt – 232,75125*) x Einzelarbeitsentgelt : Gesamtarbeitsentgelt

*Werte für das Jahr 2019

Zuletzt aktualisiert:
Jan 10, 2019

DAK-Gesundheit bei ...

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