Urlaubsanspruch: Lesen Sie jetzt alles über die wichtigsten rechtlichen Grundsätze

Urlaubsanspruch: Wer hat wann – und wie viel?

Die wichtigsten rechtlichen Grundsätze für Arbeitgeber

Der Urlaubsanspruch von jedem Arbeitnehmer kann zu Konflikten führen, da bei der Gewährung von Urlaub die Urlaubswünsche vieler Mitarbeiter berücksichtigt werden müssen. Daher müssen Arbeitgeber genau wissen, wann Urlaub genommen werden darf – und ob es beispielsweise Mitarbeiter gibt, die bei der Urlaubsplanung Vorrang haben. Die Urlaubsansprüche für deutsche Arbeitnehmer sind unter anderem im Bundesurlaubsgesetzes geregelt. Lesen Sie hier die wichtigsten rechtlichen Grundsätze zum Urlaubsanspruch Ihrer Mitarbeiter.

Wie viel Urlaubsanspruch hat man bei Vollzeit und bei Teilzeit?

Keine Frage: Wer arbeitet, hat Anspruch auf einen bezahlten Erholungsurlaub. Bei einer Sechs-Tage-Arbeitswoche stehen einem Arbeitnehmer 24 Werktage Urlaubsanspruch zu, bei einer Fünf-Tage-Woche sind es 20 Tage. Mindestens! Denn in einem Arbeits-oder Tarifvertrag können natürlich auch mehr Urlaubstage vereinbart werden. Weniger hingegen nicht, das schreibt das Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) vor.

Die Dauer des gesetzlichen Urlaubs richtet sich also nach dem Umfang der Arbeitsleistung. Teilzeitbeschäftigte haben einen entsprechend geringeren Urlaubsanspruch, er ist abhängig von ihrer Arbeitszeit. Bei einer Vier-Tage-Woche beträgt der gesetzliche Mindesturlaub 16 Arbeitstage im Jahr, bei einer Drei- Tage-Woche sind es zwölf Tage.

Wie viel Urlaub muss der Arbeitgeber am Stück gewähren?

Urlaubstage sollten möglichst nicht in kleinen Portionen, sondern in großen Blöcken genommen werden. So regelt es der Paragraph 7 des „Bundesurlaubsgesetzes“ (BUrlG). Dort heißt es: „Der Urlaub ist zusammenhängend zu gewähren, es sei denn, dass dringende betriebliche oder in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe eine Teilung des Urlaubs erforderlich machen.“ Eigentlich dürfte der Arbeitnehmer mit seinem gesamten Urlaubsanspruch daher nur einmal in die Ferien fahren. Das kommt in der betrieblichen Praxis jedoch selten vor. Dennoch sollte einer der Urlaube mindestens zehn bzw. zwölf aufeinander folgende Arbeitstage umfassen, was auch den Erholungswert steigert.

Übrigens gelten auch Heiligabend und Silvester als gewöhnliche Arbeitstage. Wollen Arbeitnehmer an diesen Tagen nicht arbeiten, müssen sie einen freien Tag nehmen, sofern dies in Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen nicht anders geregelt ist.

Wer entscheidet, wer wann in den Urlaub fahren darf?

Darüber entscheidet der Chef, nicht der Arbeitnehmer, dessen Urlaubswünsche allerdings berücksichtigt werden müssen.

Entscheidend für die Gewährung sind betriebliche Belange wie etwa eine anstehende Inventur oder ein unerwartet eingegangener Großauftrag sowie soziale Erwägungen. Urlaubswünsche von Eltern mit schulpflichtigen Kindern gehen vor.

Wie wird Urlaub beantragt?

Der Urlaub selbst sollte schriftlich beantragt werden, der Arbeitgeber sollte zügig über den Antrag entscheiden, auch wenn es keine gesetzlich festgeschriebenen Fristen für die Gewährung gibt. Wird ein Antrag aus betrieblichen Gründen oder wegen der Urlaubswünsche anderer Arbeitnehmer abgelehnt, sollte dem Arbeitnehmer dies möglichst bald nach Antragstellung bzw. nach Kenntnis der betrieblichen Umstände mitgeteilt werden. Dem Arbeitgeber ist auch die Einführung von Betriebsferien möglich.

Ist der Urlaub einmal erteilt, darf er nicht wieder abgesagt werden. Mit einer Ausnahme: Ein Widerruf ist bei dringenden betrieblichen Erfordernissen möglich, sofern der Mitarbeiter seine Reise noch nicht angetreten hat. Allerdings ist die Schwelle für diese Regelung hoch. Es muss schon etwas Unvorhersehbares und Außergewöhnliches im Unternehmen geschehen sein, um sie zu rechtfertigen. Hat der Mitarbeiter seine Reise bereits gebucht, sind ihm die Kosten zu erstatten.

Was passiert, wenn der Arbeitgeber Urlaub verweigert?


Gegen die Ablehnung seines Antrages kann ein Arbeitnehmer vor dem Arbeitsgericht klagen, eigenmächtig Fernbleiben sollte er besser nicht. Die Selbstbeurlaubung nach dem Motto „Ich bin dann mal weg!“ stellt eine Arbeitsverweigerung dar. Sie kann vom Arbeitgeber mit einer verhaltensbedingten Kündigung geahndet werden.

Neuer Job = Urlaubssperre?

Ein neu eingestellter Arbeitnehmer muss sich sechs Monate gedulden, bevor er in den Genuss der bezahlten Freizeit kommt: Erst nach dieser Wartezeit darf er seinen Urlaub antreten. Es sei denn, er ist im 2. Kalenderhalbjahr eingestellt worden, etwa zum 1. September. Dann kann die sechsmonatige Wartezeit in dem Jahr nicht mehr erfüllt werden. Er hat dann einen Teilurlaubsanspruch von einem Zwölftel auf jeden vollen Monat, in dem das Arbeitsverhältnis besteht.

Vor Ablauf der Wartezeit haben Arbeitnehmer also nur einen Anspruch auf Urlaubsgewährung, wenn sie im 2. Halbjahr eingestellt werden. Es sei denn das Arbeitsverhältnis endet vor Ablauf der Wartezeit. Dann besteht ein Urlaubsanspruch auch wenn der Arbeitnehmer in den ersten sechs Monaten des Jahres in das Unternehmen eingetreten ist.

Müssen Arbeitnehmer im Urlaub erreichbar sein?

Genießt der Arbeitnehmer seine Urlaubsanspruch bereits an den Stränden Mallorcas, kann er nicht zurückgerufen werden. Er muss auch nicht für den Arbeitgeber erreichbar sein, weder telefonisch noch per E-Mail.

Wie der Mitarbeiter seine Ferien verbringt, hat den Arbeitgeber nicht zu interessieren – es sei denn, er geht einer erwerbsmäßigen Tätigkeit nach, die dem Zweck des Urlaubs, nämlich der Erholung, widerspricht. Die ist untersagt. Zwar kann der Arbeitgeber das Urlaubsentgelt nicht zurückfordern. Aber er kann per einstweiliger Verfügung die Tätigkeit verbieten lassen und nach vorheriger Abmahnung auch eine Kündigung in Betracht ziehen.

Was passiert mit dem Urlaubsanspruch bei Krankheit?

Wird ein Mitarbeiter während der Ferien krank, werden die Krankheitstage nicht auf den Urlaubanspruch angerechnet. Die Krankheit muss er durch eine ärztliche Bescheinigung nachweisen. Während des Urlaubs ist der Arbeitgeber verpflichtet, das Gehalt weiter zu zahlen. Die Höhe dieses Urlaubsentgelts, das vor Ferienantritt fällig ist, errechnet sich aus dem durchschnittlichen Arbeitsverdienst in den 13 Wochen vor Urlaubsantritt. Nacht- oder Gefahrenzulagen sind dabei einzurechnen, Überstunden jedoch nicht.

Nicht zu verwechseln ist das Urlaubsentgelt mit dem Urlaubsgeld. Dabei handelt es sich um eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers, die nur gezahlt wird, wenn dies im Arbeitsvertrag, in einem Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung festgelegt ist.

Kann der Urlaubsanspruch verlängert werden?

Wichtig ist, dass der Urlaub grundsätzlich im laufenden Kalenderjahr genommen wird. Geschieht dies nicht bis zum 31. Dezember, verfällt der Urlaubsanspruch ersatzlos. Allerdings gibt es auch hier Ausnahmen. Bedingt durch dringende betriebliche Gründe wie einem Personalengpass, einem erhöhten Arbeitsanfall oder auch durch Krankheiten des Arbeitnehmers, kann der Urlaubsanspruch bis zum 31. März des nächsten Kalenderjahres verlängert werden. Dies muss vom Arbeitnehmer noch im Jahr des Urlaubsanspruchs beantragt werden. Wird die Freizeit nicht bis Ende des ersten Quartals genommen, verfällt sie. Es sei denn, der Arbeitnehmer war während dieses Zeitraumes komplett oder teilweise krankgeschrieben.

Langzeiterkrankte hat der Europäische Gerichtshof in einem Urteil aus dem Jahr 2009 besonders geschützt. Für sie gilt eine 15-Monatsfrist, erst danach verfällt der gesetzliche Urlaubsanspruch, auch wenn die Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers über diesen Zeitraum hinaus andauert.

Kann der Urlaubsanspruch auch mit Geld abgegolten werden?

Das Ausbezahlen des Urlaubs, also die Abgeltung von Ansprüchen mit Geld ist nicht zulässig. Der Urlaubsanspruch dient grundsätzlich der Erholung und muss daher auch in Form von Freizeit gewährt werden. Eine Ausnahme gestattet der Gesetzgeber jedoch auch hier. Wird das Arbeitsverhältnis beendet und besteht noch ein Resturlaub kann dieser finanziell ausgeglichen werden. Der Arbeitnehmer hat dann Anspruch auf Zahlung eines Betrages, der dem anteiligen Lohn der nicht genommenen Urlaubstage entspricht.

Zuletzt aktualisiert:
Thu Dec 10 14:48:31 CET 2015

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