Studentin zuhause vorm Laptop

Job, Studium, Versicherungspflicht

Viele Studenten finanzieren sich ihr Studium mit einem oder mehreren kleinen Jobs. Die sozialversicherungsrechtliche Beurteilung dieser Beschäftigungen ist von diversen Faktoren abhängig. Wird die Beschäftigung zum Beispiel in der vorlesungsfreien Zeit oder aber während der Vorlesungszeit durchgeführt? Bestehen innerhalb eines Jahres mehrere Beschäftigungsverhältnisse? Was ist bei der Beitragsberechnung zu beachten?

Wir haben für Sie Kriterien für die Einzelfallprüfung zusammengestellt und geben Ihnen einen allgemeinen Überblick sowie Entscheidungshilfen für den Regelfall.

Grund­sätze für die Beurteilung

Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherungspflicht

Normalerweise unterliegen Arbeitnehmer der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherungspflicht. Für Studierende, die einer Beschäftigung nachgehen, gibt es jedoch Ausnahmeregelungen in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung.

Ordentlich Studierende

Sogenannte "ordentlich Studierende" sind Studierende, die an einer Hochschule oder an einer Fachhochschule eingeschrieben sind. Auch Schulen, die einer fachlichen Ausbildung dienen, gehören dazu. Die Studierenden müssen außerdem den überwiegenden Teil ihrer Zeit dem Studium widmen.

Beginn und Ende des Studiums

Die Hochschulausbildung beginnt mit dem Semester, für das sich der Student erstmalig eingeschrieben hat bzw. mit dem Vorlesungsbeginn. Sie endet mit dem Tag der Exmatrikulation. Hat der Studierende seine Abschlussprüfung abgelegt (z. B. Bachelorprüfung, Staatsexamen), endet die Hochschulausbildung mit dieser Abschlussprüfung - unabhängig davon, zu welchem Zeitpunkt das Prüfungszeugnis ausgehändigt wird. Folglich gehören Personen, die nach ihrem Hochschulabschluss weiterhin eingeschrieben bleiben, grundsätzlich nicht mehr zu den ordentlich Studierenden im Sinne der Sozialversicherung. Studierende, die ihre Beschäftigung über das Ende der Hochschulausbildung hinaus fortführen, werden dann auch versicherungspflichtig in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung.

Hauptsache Studium, Nebensache Beschäftigung

Das Bundessozialgericht hat entschieden, dass die Beschäftigung nur dann versicherungsfrei sein kann, wenn das Studium die Hauptsache und die Beschäftigung die Nebensache ist. Die Beschäftigung muss sich den Erfordernissen des Studiums anpassen und diesem deutlich untergeordnet sein. Für das Studium muss daher deutlich mehr Zeit aufgewendet werden als für die Beschäftigung. Zur Ermittlung, wie viel Zeit der Student für sein Studium aufwendet, sind nicht nur die Zeiten heranzuziehen, die der Student mit Vorlesungen oder Seminaren verbringt, sondern auch die, die er zur Vor- und Nachbereitung aufwendet. Nur wenn der Zeitaufwand für das Studium größer ist, können Studenten in der Beschäftigung versicherungsfrei in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung sein. Ist dagegen die Beschäftigung die Hauptsache, kann Versicherungsfreiheit trotz des Studiums nicht eintreten. Das hat zur Folge, dass die Beschäftigung auch in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung versicherungspflichtig ist.

Grundsätzlich müsste der Arbeitgeber bei jeder Beschäftigung eines Studenten prüfen, wie viel Zeit der Student für sein Studium im Vergleich zur Beschäftigung aufwendet. Da in der Praxis die Zeit für eine solche Einzelfallprüfung fehlt, wurden die nachfolgenden „pauschalierten Regelungen“ aufgestellt.

Für Studenten, die während der Vorlesungszeit eine Beschäftigung ausüben, besteht Versicherungsfreiheit in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung, wenn die wöchentliche Arbeitszeit maximal 20 Stunden beträgt. Die Höhe des Arbeitsentgelts ist ohne Bedeutung. Übt der Student parallel mehrere Beschäftigungen aus, gilt diese Grenze für die Summe aller Beschäftigungszeiten. In Einzelfällen, vornehmlich bei Beschäftigungszeiten am Wochenende, kann Versicherungsfreiheit auch noch bei einer Wochenarbeitszeit von mehr als 20 Stunden in Betracht kommen, vorausgesetzt, dass Zeit und Arbeitskraft des Studenten überwiegend durch das Studium in Anspruch genommen werden.

Befristete Beschäftigungen während der Vorlesungszeit

Studenten, die während der Vorlesungszeit mehr als 20 Stunden wöchentlich arbeiten und deren Beschäftigungsverhältnis von vornherein auf maximal zwei Monate innerhalb eines Jahres befristet ist, sind in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung versicherungsfrei.

Beschäftigungen während der vorlesungsfreien Zeit

Beschäftigungen, die während der vorlesungsfreien Zeit ausgeübt werden, sind in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung auch dann versicherungsfrei, wenn die wöchentliche Arbeitszeit mehr als 20 Stunden beträgt. Die Versicherungsfreiheit liegt jedoch nicht mehr vor, wenn eine Beschäftigung mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von mehr als 20 Stunden über die Semesterferien hinaus andauert. Ausnahme: Bei zeitlichen Überschneidungen bis längstens zwei Wochen, die nur ausnahmsweise vorkommen sollten, ist davon auszugehen, dass in dieser Zeit das Studium durch die Beschäftigung nicht beeinträchtigt wird. Die Beschäftigung bleibt daher in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung versicherungsfrei.


Beschäftigung in den Semesterferien und in den Vorlesungszeiten oder mehrere (befristete) Beschäftigungsverhältnisse

Wird eine Beschäftigung sowohl in den Semesterferien als auch in der Vorlesungszeit ausgeübt oder bestehen innerhalb eines Jahres mehrere Beschäftigungsverhältnisse, ist im Einzelfall unter Berücksichtigung der tatsächlichen Verhältnisse zu prüfen, ob das Studium oder die Beschäftigung den Studenten überwiegend in Anspruch nehmen.

Kriterien für die Einzelfallprüfung

  • Festsetzung der Jahresfrist

Bei befristeten Beschäftigungsverhältnissen ist zunächst die Jahresfrist so zu ermitteln, dass vom voraussichtlichen Ende der zu beurteilenden Beschäftigung ein Jahr zurückgerechnet wird. Steht zu Beginn der befristeten Beschäftigung bereits fest, dass zukünftig weitere Beschäftigungen ausgeübt werden, sind auch diese zur Beurteilung des Versicherungsverhältnisses mit heranzuziehen. In diesem Fall wird für die Festsetzung der Jahresfrist vom Ende der letzten Beschäftigung ausgegangen.

  • Anzurechnende Beschäftigungen

Anzurechnen sind alle in der Beurteilungszeit liegenden Beschäftigungen, bei denen – unabhängig von der jeweiligen versicherungsrechtlichen Einzelbeurteilung – die wöchentliche Arbeitszeit mehr als 20 Stunden beträgt. Dabei ist es unerheblich, ob die Beschäftigungen bei verschiedenen Arbeitgebern oder demselben Arbeitgeber ausgeübt werden/wurden. In die Prüfung werden auch Beschäftigungsverhältnisse einbezogen, die ausschließlich während der vorlesungsfreien Zeit ausgeübt werden/wurden.

  • Ergebnis

Ergibt die Zusammenrechnung, dass innerhalb der Jahresfrist Beschäftigungszeiten von mehr als 26 Wochen (182 Tage) vorliegen, besteht seit Beginn der zu beurteilenden Beschäftigung beziehungsweise seit erkennbar ist, dass der vorgenannte Zeitrahmen überschritten wird, auch Versicherungspflicht in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Für die Vergangenheit bleibt es bei der bisherigen Entscheidung.

Rentenversicherung

Alle Beschäftigungen unterliegen in der Rentenversicherung als Arbeitnehmer der Versicherungspflicht, unabhängig davon, ob die Beschäftigung während der Vorlesungszeit oder in der vorlesungsfreien Zeit ausgeübt wird.

Geringfügige Beschäftigungen

Informationen zur Beurteilung geringfügiger Beschäftigungen von Studierenden finden Sie im Abschnitt "Geringfügige Beschäftigungen".

Mehrere Beschäf­ti­gungen

Mehrere geringfügig entlohnte Beschäftigungen

Krankenversicherung

Der Pauschalbeitrag zur Krankenversicherung ist – sofern eine Versicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung besteht – für eine geringfügig entlohnte Beschäftigung zu zahlen. Für Werkstudenten, die einer mehr als geringfügig entlohnten Beschäftigung nachgehen, jedoch krankenversicherungsfrei sind, weil sie wöchentlich nicht mehr als 20 Stunden arbeiten, fällt der Pauschalbeitrag zur Krankenversicherung in dieser Beschäftigung nicht an.
Wird neben einer versicherungsfreien Beschäftigung, die nicht die Merkmale einer geringfügig entlohnten Beschäftigung aufweist, eine geringfügig entlohnte Beschäftigung ausgeübt, sind diese Beschäftigungen nicht zusammenzurechnen.

Hinweis

Eine Zusammenrechnung der geringfügig entlohnten Beschäftigung mit einer nicht geringfügig entlohnten Beschäftigung erfolgt nur, wenn Letztere für sich allein gesehen Versicherungspflicht begründet. Hierbei ist die erste geringfügig entlohnte Beschäftigung versicherungsfrei (§ 8 Abs. 2 Satz 1 SGB IV).
Allerdings sind für die Beurteilung der Beschäftigung im Verhältnis zum Studium, die wöchentlichen Arbeitszeiten aus allen Beschäftigungen zusammenzurechnen. Wird festgestellt, dass die Beschäftigung dem Studium deutlich untergeordnet ist (20-Stunden-Grenze), hat der Arbeitgeber der geringfügig entlohnten Beschäftigung Pauschalbeiträge zur Krankenversicherung zu entrichten. Anderenfalls tritt in der nicht geringfügig entlohnten Beschäftigung Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherungspflicht ein. Aus der geringfügig entlohnten Beschäftigung sind auch dann Pauschalbeiträge zur Krankenversicherung zu entrichten.

Beurteilung bei wechselnden Arbeitszeiten und Verdiensten während der Vorlesungszeit/Semesterferien:

Beschäftigungen von Studenten, die bei demselben Arbeitgeber mit wechselnden Arbeitszeiten und Verdiensten ausgeübt werden und abwechselnd während der Vorlesungszeiten unter der 450-Euro-Grenze und während der Semesterferien darüber liegen, sind einheitlich zu beurteilen. In solchen Fällen besteht durchgehend Versicherungsfreiheit in der gesetzlichen Krankenversicherung nach § 6 Abs. 1 Nr. 3 SGB V. Pauschalbeiträge zur Krankenversicherung sind wegen der Annahme eines einheitlichen Beschäftigungsverhältnisses und damit einer durchgehenden Versicherungsfreiheit zu keiner Zeit zu entrichten.

Arbeitslosenversicherung

In der Arbeitslosenversicherung ist die geringfügig entlohnte Beschäftigung stets versicherungsfrei, da sie mit einer nicht geringfügig entlohnten Beschäftigung nicht zusammenzurechnen ist. Werden mehrere – für sich allein betrachtet – geringfügige entlohnte Beschäftigungen ausgeübt, sind diese zusammenzurechnen (§ 8 Abs. 2 Satz 1 SGB IV).
Dies gilt auch dann, wenn solche Beschäftigungen neben einer nach § 6 Abs. 1 Nr. 3 SGB V versicherungsfreien, nicht geringfügig entlohnten Beschäftigung ausgeübt werden.

Rentenversicherung

Nimmt ein Student neben einer rentenversicherungspflichtigen Beschäftigung eine geringfügig entlohnte Beschäftigung auf, ist diese nicht mit der (Haupt-)Beschäftigung zusammenzurechnen. Aus der versicherungspflichtigen Beschäftigung sind volle Beiträge zur Rentenversicherung zu entrichten, aus der geringfügig entlohnten Beschäftigung sind grundsätzlich Beiträge zu entrichten. Der Arbeitgeber trägt den Betrag in Höhe des Pauschalbeitrages, der Arbeitnehmer hat die Differenz zum vollen Beitragssatz in der Rentenversicherung zu tragen.

Weitere Hinweise zu diesem Thema finden Sie im Kapitel "Geringfügige Beschäftigungen".

Gleit­zo­nen­re­gelung

Zusammenrechnung von Beschäftigungen

Tritt durch die Zusammenrechnung von Beschäftigungen Versicherungs- und Beitragspflicht ein, ist die Gleitzonenregelung anzuwenden. Dies gilt jedoch nicht für zur Berufsausbildung Beschäftigte (zum Beispiel Praktikanten).

Zuletzt aktualisiert:
Mon Aug 10 11:38:15 CEST 2015

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