Studentinnen und Studenten

Versicherung für Praktikanten

Die versicherungsrechtliche Beurteilung von Praktikanten ist wegen der unterschiedlichen Formen und Möglichkeiten eines Praktikums sehr vielschichtig. Wir haben für Sie die Besonderheiten der unterschiedlichen Praktika nach versicherungsrechtlichen Gesichtspunkten zusammengestellt. Der Artikel berücksichtigt neben vorgeschriebenen und nicht vorgeschriebenen Praktika auch spezielle Praktika. Darüber hinaus werden Beschäftigungen, die Schüler ausüben, beurteilt.

Kernpunkte

  • versicherungsrechtliche Beurteilung unterschiedlicher Praktika
  • Versicherungspflicht/-freiheit der Beschäftigung
  • Prüfung der Berufsmäßigkeit
  • Aufzeichnungspflichten

Vorge­schrie­benes Praktikum

Vorgeschriebene Praktika liegen nur dann vor, wenn sie in einer Ausbildungs-, Studien- oder Prüfungsordnung einer (Berufs-) Fachschule/Fachhochschule/Universität normiert sind. Die Verpflichtung zur Ableistung eines Praktikums ist ggf. durch die Vorlage entsprechender Unterlagen nachzuweisen.

Vorpraktikum

Einige Studien- und Prüfungsordnungen sehen vor, dass das Praktikum ganz oder teilweise vor Studienbeginn zu absolvieren ist. In diesem Fall ist der „Vorpraktikant“ in der Regel noch nicht immatrikuliert bzw. hat bei bereits erfolgter Immatrikulation das Studium noch nicht aufgenommen.

In der Kranken- und Pflegeversicherung ist hinsichtlich der versicherungsrechtlichen Beurteilung zu unterscheiden, ob der Praktikant für die berufspraktische Tätigkeit Arbeitsentgelt erhält oder nicht.
Erhalten Praktikanten ein Arbeitsentgelt, unterliegen sie während der Dauer des Praktikums in der Kranken- und Pflegeversicherung der Versicherungspflicht als „zu ihrer Berufsausbildung Beschäftigte“ nach § 5 Abs. 1 Nr. 1 Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V) beziehungsweise § 20 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 in Verbindung mit Satz 1 SGB XI.
Erhalten Praktikanten kein Arbeitsentgelt, unterliegen sie nicht der Versicherungspflicht als Arbeitnehmer nach den vorgenannten Rechtsvorschriften, sondern werden nach § 5 Abs. 1 Nr. 10 SGB V beziehungsweise § 20 Absatz 1 Satz 2 Nr. 10 in Verbindung mit Satz 1 SGB XI als Praktikant kranken- und pflegeversicherungspflichtig.

Diese Kranken- und Pflegeversicherung wird nicht wirksam, wenn Praktikanten nach anderen Rechtsvorschriften kranken- und pflegeversicherungspflichtig oder als Familienversicherte versichert sind.
In der Renten- und Arbeitslosenversicherung unterliegen Vorpraktikanten, unabhängig davon, ob das Praktikum mit oder ohne Bezug von Arbeitsentgelt abgeleistet wird, immer der Versicherungspflicht als „zu ihrer Berufsausbildung Beschäftigte“ nach § 1 Satz 1 Nr. 1 SGB VI beziehungsweise § 25 Abs. 1 SGB III.

In den Fällen, in denen Vorpraktikanten kein Arbeitsentgelt erhalten, sind die Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung nach einem fiktiven Arbeitsentgelt in Höhe von einem Prozent der monatlichen Bezugsgröße zu entrichten (§ 162 Nr. 1 SGB VI, § 342 SGB III).

Zwischenpraktikum

Üben Praktikanten das in der Studien- und Prüfungsordnung vorgeschriebene Praktikum während des Studiums – also nach erfolgter Immatrikulation / Aufnahme des Studiums – aus, so sind sie versicherungsrechtlich weiterhin als Studenten anzusehen, da sie das Studium bereits vor dem Praktikum ausgeübt haben und es nach Abschluss des Praktikums fortführen. Die Unterbrechung des Studiums durch das Praktikum wirkt sich versicherungsrechtlich nicht aus, sodass die bis dahin gegebenenfalls bestehende Versicherungspflicht in der Krankenversicherung der Studenten nicht beendet oder unterbrochen wird.

Nach dem Willen des Gesetzgebers soll die Kontinuität des Versicherungsschutzes für die gesamte Dauer des Studiums, also auch während eines Praktikums, gewährleistet sein. Dies wird dadurch erreicht, dass Praktikanten, die während ihres Studiums als ordentlich Studierende einer Hochschule oder einer der fachlichen Ausbildung dienenden Schule gegen Arbeitsentgelt beschäftigt sind, versicherungsfrei in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung sind (§ 6 Abs. 1 Nr. 3 SGB V, § 20 Abs. 1 SGB XI, § 27 Abs. 4 SGB IM).

Für den Bereich der Rentenversicherung gilt, dass Studenten, die während des Studiums ein in der Studien- und Prüfungsordnung vorgeschriebenes Praktikum ableisten, ebenfalls versicherungsfrei sind (§ 5 Abs. 3 SGB VI). Bei einem Zwischenpraktikum spielen die Dauer des Praktikums, die wöchentliche Arbeitszeit und die Höhe des gegebenenfalls während des Praktikums erzielten Arbeitsentgeltes keine Rolle.

Nachpraktikum

Bei einigen Studiengängen muss vor Aufnahme des Praktikums die theoretische Ausbildung durch entsprechende Prüfungen abgeschlossen sein. Erst danach kann das Praktikum aufgenommen werden. Die versicherungsrechtliche Beurteilung ist in diesen Fällen nach den Regelungen, die für Vorpraktikanten gelten, vorzunehmen.

Geringverdienergrenze bei Praktikanten

Die Geringverdienergrenze beträgt derzeit einheitlich für die alten und neuen Bundesländer 325 Euro. Diese Grenze gilt nur noch für Versicherte, die zu ihrer Berufsausbildung beschäftigt sind. Vorgeschriebene Vor- und Nachpraktika gehören zu den Beschäftigungen während einer Berufsausbildung.

Sofern für diese Praktika im Rahmen einer versicherungspflichtigen Beschäftigung Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung zu zahlen sind, sind diese vom Arbeitgeber alleine zu tragen, wenn das monatliche Arbeitsentgelt nicht mehr als 325 Euro beträgt. Gleiches gilt auch für die Renten- und Arbeitslosenversicherungsbeiträge der Vor- und Nachpraktikanten, die kein Arbeitsentgelt erhalten. Beträgt das monatliche Entgelt mehr als 325 Euro, sind die Beiträge zur Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung jeweils zur Hälfte von Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu tragen. Für den Bereich der Krankenversicherung gilt die Besonderheit, dass der Arbeitgeberanteil vom Gesetzgeber ab 01.01.2015 auf 7,3 v.H. bei Anwendung des allgemeinen Beitragssatzes (7,0 v.H. bei Anwendung des ermäßigten Beitragssatzes) festgeschrieben wurde. Zu dem allgemeinen bzw. ermäßigten Beitragssatz haben ab 2015 alle gesetzlichen Krankenkassen einen individuellen Beitragssatz. Der vom Arbeitnehmer zu zahlende Beitragsanteil ergibt sich aus der Differenz zwischen dem für den Arbeitgeber festgeschriebenen Beitragssatz und dem kassenindividuellen Gesamtkrankenversicherungsbeitragssatz. In der Pflegeversicherung müssen Kinderlose (die das 23. Lebensjahr vollendet haben) den Zuschlag in Höhe von 0,25 v.H. alleine tragen.

Vor- oder Nachpraktikum - geringfügige Beschäftigung?

Die versicherungsrechtliche Beurteilung eines Vor- oder Nachpraktikums wurde bereits mehrfach auf Spitzenverbandsebene der Sozialversicherungsträger erörtert. Diskutiert wurde, ob ein Vor- oder Nachpraktikum, das in einem zeitlich begrenzten Rahmen von maximal zwei Monaten innerhalb eines Kalenderjahres oder mit einem monatlichen Arbeitsentgelt von weniger als 450 Euro (seit 1. Januar 2013) ausgeübt wird, als geringfügige Beschäftigung versicherungsfrei bleiben kann. Nach Auffassung der Spitzenverbände der Sozialversicherungsträger ist ein Praktikum eine Beschäftigung im Rahmen der betrieblichen Berufsbildung beziehungsweise Berufsausbildung. Die Regelungen über die Versicherungsfreiheit geringfügiger Beschäftigungen gelten nach den gesetzlichen Bestimmungen nicht für Beschäftigungen, die im Rahmen betrieblicher Bildung oder betrieblicher Berufsausbildung ausgeübt werden.
Daher kommt Versicherungsfreiheit auch bei Ausübung einer dem Grunde nach geringfügigen Beschäftigung nicht in Betracht. Diese Praktikanten unterliegen grundsätzlich während der Dauer ihres Praktikums als „zu ihrer Berufsausbildung Beschäftigte“ der Versicherungspflicht als Arbeitnehmer in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung (§ 5 Abs. 1 Nr. 1 SGB V, § 20 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 in Verbindung mit Satz 1 SGB XI, § 1 Nr. 1 SGB VI, § 27 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 SGB III).

Nicht vorge­schrie­benes Praktikum

Vor-, Zwischen- und Nachpraktikum

Nicht vorgeschriebene Praktika, die im Zusammenhang mit dem Studium zum Beispiel aus Zweckmäßigkeitsgründen abgeleistet werden, unterscheiden sich in der Regel hinsichtlich der Ausgestaltung nicht von den Praktika, die in Studien- oder Prüfungsordnungen vorgeschrieben sind. Allerdings besteht im Rahmen der Gesamtausbildung keine Verpflichtung zur Ableistung des Praktikums. Daher werden diese Praktika auch nicht im Rahmen betrieblicher Berufsbildung ausgeübt.

Das Vorpraktikum

Personen, die vor Aufnahme des Studiums ein nicht vorgeschriebenes Praktikum absolvieren und dafür Arbeitsentgelt erhalten, unterliegen während der Dauer des Praktikums in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherungspflicht grundsätzlich der Versicherungspflicht als Beschäftigte.

Das Nachpraktikum

Die versicherungsrechtliche Beurteilung eines nicht vorgeschriebenen Nachpraktikums richtet sich nach den Regelungen, die für das nicht vorgeschriebene Vorpraktikum gelten.

Das Zwischenpraktikum

Bei Personen, die während des Studiums ein nicht in der Studien- oder Prüfungsordnung vorgeschriebenes Praktikum ausüben, ist die versicherungsrechtliche Beurteilung unter Berücksichtigung der Vorschriften für die Versicherungsfreiheit beschäftigter Studenten vorzunehmen. Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, gelten die allgemeinen Regelungen für die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherungspflicht als Arbeitnehmer. In der Rentenversicherung besteht keine besondere Regelung für nicht vorgeschriebene Zwischenpraktika. Es gelten die allgemeinen Regelungen für Arbeitnehmer.

Gering­fügige Beschäf­tigung

Praktikum und geringfügige Beschäftigung

Für vorgeschriebene Praktika fallen Pauschalbeiträge zur Krankenversicherung selbst dann nicht an, wenn die Kriterien einer geringfügig entlohnten Beschäftigung erfüllt sind. Wird neben einem Zwischenpraktikum eine geringfügig entlohnte Beschäftigung ausgeübt, hat der Arbeitgeber der geringfügig entlohnten Beschäftigung den Pauschalbeitrag zur Krankenversicherung zu zahlen, wenn der Praktikant in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert ist.
Bei Vor- bzw. Nachpraktikanten, die kein Arbeitsentgelt erhalten, hat der Arbeitgeber der geringfügig entlohnten Beschäftigung ebenfalls den Pauschalbeitrag zu entrichten. Erhalten Vor- bzw. Nachpraktikanten Arbeitsentgelt, unterliegen sie als Arbeitnehmer grundsätzlich der Krankenversicherungspflicht, sodass für eine daneben ausgeübte geringfügig entlohnte Beschäftigung ein Pauschalbeitrag zur Krankenversicherung zu entrichten ist.
Werden weitere geringfügig entlohnte Beschäftigungen ausgeübt, sind für diese Beschäftigung individuelle Beiträge zu zahlen.

Pauschalbeiträge

Die Pauschalbeiträge, die der Arbeitgeber alleine entrichten muss, betragen 13 Prozent zur Krankenversicherung und 15 Prozent zur Rentenversicherung, der Arbeitnehmer hat die Möglichkeit zur Aufstockung der Rentenversicherungsbeiträge; in diesen Fällen ist der Beitragsanteil vom Pauschalbeitragssatz zum gültigen Rentenversicherungsbeitrags vom Arbeitnehmer zu entrichten.

Rentenversicherung

Praktikanten, die ein vorgeschriebenes Vor- bzw. Nachpraktikum ableisten, unterliegen als zur Berufsausbildung Beschäftigte grundsätzlich der Rentenversicherungspflicht; Versicherungsfreiheit aufgrund einer geringfügigen Beschäftigung ist in diesem Fall ausgeschlossen. Für vorgeschriebene Zwischenpraktika besteht Rentenversicherungsfreiheit. Pauschalbeiträge sind demnach für vorgeschriebene Praktika nicht zu entrichten.
Wird daneben eine geringfügig entlohnte Beschäftigung ausgeübt, sind für diese Beschäftigung Pauschalbeiträge zu entrichten, da eine versicherungspflichtige (vorgeschriebenes Vor- und Nachpraktikum) beziehungsweise eine versicherungsfreie (vorgeschriebenes Zwischenpraktikum) Beschäftigung nicht mit einer (ersten) geringfügig entlohnten Beschäftigung zusammenzurechnen ist.

Praktikum von Fachschülern

Der Begriff des „ordentlich Studierenden“ erstreckt sich nicht allein auf Studenten von Hochschulen beziehungsweise Fachhochschulen. Als „ordentlich Studierende“ im Sinne der vorgenannten Regelungen sind grundsätzlich auch Schüler von Fachschulen und Berufsfachschulen anzusehen. Zur versicherungsrechtlichen Beurteilung wird daher auf die vorgenannten Ausführungen verwiesen.
Wird das Praktikum während des Fachschulbesuches absolviert – maßgebend sind hierbei Beginn und Ende des Schulbesuches im schulrechtlichen Sinne –, gelten die Ausführungen zum Thema „Zwischenpraktikum“ analog.
Die Schülereigenschaft liegt hingegen nicht mehr vor, wenn vor Beginn der Fachschulausbildung bzw. im Anschluss an die durch eine Prüfung beendete theoretische Fachschulausbildung ein Praktikum absolviert wird. Hier gelten die Ausführungen zum Thema Vor- beziehungsweise Nachpraktikum analog.
Um ein solches Nachpraktikum handelt es sich beispielsweise bei dem vorgeschriebenen sechsmonatigen Praktikum in einer Apotheke im Rahmen der Ausbildung für den Beruf des pharmazeutisch- technischen Assistenten (PTA). Auch das Praktikum von Berufsfachschülern muss in der Ausbildungs- oder Prüfungsordnung vorgeschrieben sein.

Studenten ausländischer Hochschulen

Der Geltungsbereich der Vorschriften zur Versicherungspflicht beziehungsweise Versicherungsfreiheit für ausländische Studenten, die in Deutschland ihr Praktikum ableisten, ist in § 3 SGB IV geregelt. Für die versicherungsrechtliche Beurteilung einer Beschäftigung stellt diese Rechtsvorschrift darauf ab, dass die Beschäftigung im Geltungsbereich des Sozialgesetzbuches ausgeübt wird.
Die Begriffe „Hochschule“ oder der „fachlichen Ausbildung dienenden Schule“ sind länderneutral zu verstehen. Der Besuch einer ausländischen Hochschule ist bezüglich der versicherungsrechtlichen Beurteilung des Praktikums einem Besuch einer entsprechenden schulischen. Einrichtung in Deutschland gleichzustellen. Insoweit gelten für Studenten ausländischer Hochschulen, die in Deutschland ein Praktikum ableisten, die vorgenannten Ausführungen entsprechend.
Voraussetzung ist jedoch, dass auch in diesen Fällen das Praktikum in einer Studien- oder Prüfungsordnung vorgeschrieben ist.

Zuletzt aktualisiert:
Mon Feb 09 11:40:04 CET 2015

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