Eine Hand hält einen Kugelschreiber und tippt zeitgleich auf einen Taschenrechner

Geringfügige Beschäftigung und Gleitzone

Sozialversicherungsrechtliche Beurteilung von Mini- und Midijobs

Minijobs sind

  • geringfügig entlohnte Beschäftigungen, bei denen das Arbeitsentgelt monatlich die Grenze von 450,00 Euro nicht übersteigen darf ("450-Euro-Jobs")
  • kurzfristige Beschäftigungen, die von vornherein für eine begrenzte Dauer ausgeübt werden.

Midijob sind "Beschäftigungen innerhalb der Gleitzone" mit einem monatlichen Arbeitsentgelt von 450,01 Euro - 850,00 Euro.

Seit 2013 gelten für alle neu aufgenommenen "geringfügig entlohnten Beschäftigungsverhältnisse" (Minijobs) und "Beschäftigungen innerhalb der Gleitzone" (Midijobs) neue Verdienstgrenzen:

  • 450,00 Euro bei den Minijobs
  • 850,00 Euro bei den Midijobs.

Minijobs

Verdienstgrenze

Ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis liegt vor, wenn das regelmäßige monatliche Arbeitsentgelt 450,00 Euro nicht überschreitet.

Beschäftigungen unterliegen der Rentenversicherungspflicht

Alle ab 2013 neu aufgenommenen geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse unterliegen der Rentenversicherungspflicht. Der Beitragssatz zur Rentenversicherung beträgt seit 1. Januar 2015 18,7 Prozent. Allerdings können die Beschäftigten sich von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen.

  • Besteht Rentenversicherungspflicht, dann hat der Arbeitgeber einen Betrag in Höhe von 15 Prozent (5 Prozent bei Beschäftigungen im Privathaushalt) des Arbeitsentgelts als Beitrag zu leisten. Die Differenz von 3,7 Prozent (13,7 Prozent bei Beschäftigungen im Privathaushalt) hat der geringfügig Beschäftigte aufzubringen.
  • Hat sich der Beschäftigte von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen, sind vom Arbeitgeber Beiträge in Höhe des Pauschalbeitrages zu entrichten (15 Prozent bzw. 5 Prozent bei Beschäftigungen im Privathaushalt). Die Mindestbemessungsgrundlage, aus der Beiträge zur Rentenversicherung zu berechnen sind, wird auf 175,00 Euro monatlich angehoben.
  • Der Arbeitgeber hat Pauschalbeiträge zur Krankenversicherung in Höhe von 13 Prozent beziehungsweise 5 Prozent bei Beschäftigungen im Privathaushalt zu entrichten.

Informationen zu Übergangsregelungen vom 01.01.2013 bis zum 31.12.2014

Informationen zu Änderungen zum Jahreswechsel 2014/2015

Die Minijob-Zentrale

Für die Beurteilung und Beitragsabwicklung der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse ist ausschließlich die Minijob-Zentrale zuständig. Weitere Informationen – auch zur Befreiung von der Rentenversicherungspflicht - bekommen Sie direkt bei der Minijob-Zentrale auf www.minijob-zentrale.de.

Kurzfristiger Minijob

Eine kurzfristige Beschäftigung liegt vor, wenn die Beschäftigung von vornherein auf nicht mehr als zwei Monate oder insgesamt 50 Arbeitstage im Kalenderjahr begrenzt ist und nicht berufsmäßig ausgeübt wird. Die Höhe des Verdienstes ist bei diesen Beschäftigungen unerheblich.

Wenn die Beschäftigung an mindestens fünf Tagen in der Woche ausgeübt wird, darf sie nicht länger als zwei Monate dauern, um als kurzfristig zu gelten. Beschäftigungen an regelmäßig weniger als fünf Tagen in der Woche gelten als kurzfristig, wenn sie an höchstens 50 Arbeitstagen innerhalb eines Kalenderjahres ausgeübt werden.

Berufsmäßigkeit:

Ein kurzfristiger Minijob erfüllt nicht die Voraussetzungen einer geringfügigen Beschäftigung, wenn die Beschäftigung berufsmäßig ausgeübt wird und das regelmäßige Arbeitsentgelt 450,00 Euro im Monat übersteigt.

Berufsmäßig wird eine Beschäftigung unter anderem dann ausgeübt, wenn sie nicht von „untergeordneter wirtschaftlicher Bedeutung“ ist. Das heißt, eine solche Beschäftigung darf nicht allein für die Sicherung des Lebensunterhaltes bestimmend sein. Folglich sind beispielsweise Personen, die beschäftigungslos und bei der Bundesagentur für Arbeit für eine mehr als kurzfristige Beschäftigung als Arbeitsuchende gemeldet sind, als berufsmäßig beschäftigt anzusehen. Diese Personen sind dann – unabhängig von der Dauer der Beschäftigung – versicherungspflichtig, sofern das monatliche Arbeitsentgelt 450,00 Euro (anteilig je nach Dauer der Beschäftigung) überschreitet.

Gelegentlich ausgeübte Beschäftigungen werden nicht berufsmäßig ausgeübt. Als „gelegentlich ausgeübt“ gelten Beschäftigungen, die z.B. neben einer versicherungspflichtigen Beschäftigung oder dem Bezug einer Altersrente ausgeübt werden.

1. Januar 2015 – 31. Dezember 2018 – Zeitgrenzen für kurzfristige Beschäftigungen werden ausgeweitet

Ab 1 .Januar 2015 werden die Zeitgrenzen für kurzfristige Beschäftigungen ausgeweitet. Der Gesetzgeber hat die bis zum 31. Dezember 2014 geltenden Zeitgrenzen von zwei Monaten bzw. 50 Arbeitstagen innerhalb eines Kalenderjahres auf drei Monate bzw. 70 Arbeitstage angehoben. Diese Regelung ist zunächst auf vier Jahre, bis zum 31. Dezember 2018, begrenzt.

Kalenderjahrüberschreitende kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse für die Jahre 2014/2015 sowie 2018/2019

Aufgrund fehlender Bestandsschutzregelungen ist die Beurteilung der über den 31. Dezember 2014 bzw. 31. Dezember 2018 hinausgehenden Beschäftigungen nach dem für den jeweiligen Beschäftigungszeitraum geltenden Recht vorzunehmen. Entscheidend für die Anwendung der zulässigen Zeitgrenze ist somit der Zeitpunkt, zu dem die versicherungsrechtliche Beurteilung der Beschäftigung zu erfolgen hat; folglich unmittelbar bei Beschäftigungsbeginn bzw. erneut bei jeder Änderung der Verhältnisse.

Kalenderjahrüberschreitende Beschäftigung 2014/2015:

Eine Beschäftigung, die im Jahre 2014 beginnt und im Jahr 2015 endet, ist ab Beschäftigungsbeginn kurzfristig, wenn sie auf längstens zwei Monate oder 50 Arbeitstage befristet ist und wenn die Zeitgrenze nicht bereits durch die Zusammenrechnung von Vorbeschäftigungszeiten aus dem Jahr 2014 überschritten wird.
Zum 1. Januar 2015 tritt kraft Gesetzes eine Änderung in den Verhältnissen ein, so dass ab 1. Januar 2015 die längere Zeitdauer zu berücksichtigen ist. Ab dem 1. Januar 2015 liegt eine kurzfristige Beschäftigung vor, wenn die Beschäftigung seit ihrem Beginn im Jahr 2014 auf längstens drei Monate bzw. 70 Arbeitstage befristet ist.

Beispiel

  • Beginn Beschäftigung 1. Dezember 2014 / mtl. Arbeitsentgelt 1000,00 Euro
  • Befristung der Beschäftigung bis 28. Februar 2015
  • Keine Vorbeschäftigungszeiten in 2014

a) Versicherungsrechtliche Beurteilung bei Beschäftigungsbeginn 1. Dezember 2014

Die Beschäftigung ist nicht kurzfristig und damit versicherungspflichtig in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung, weil zu ihrem Beginn feststeht, dass die bis 31. Dezember 2014 zulässige Zeitdauer von zwei Monaten überschritten wird.

b) Versicherungsrechtliche Beurteilung ab 1. Januar 2015

Für die Zeit ab 1. Januar 2015 ist die Beschäftigung neu zu beurteilen, weil aufgrund gesetzlicher Neuregelungen eine Änderung in den Verhältnissen eintritt. Ab 1. Januar 2015 liegt eine kurzfristige Beschäftigung vor, weil die Beschäftigung seit ihrem Beginn am 1. Dezember 2014 nicht mehr als drei Monate beträgt. Die Beschäftigung ist vom 1. Januar 2015 – 28. Februar 2015 versicherungsfrei in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung.

Kalenderjahrüberschreitende Beschäftigung 2018/2019:

Eine Beschäftigung, die im Jahr 2018 beginnt und im Jahr 2019 endet, ist ab Beschäftigungsbeginn kurzfristig, wenn sie auf längstens drei Monate oder 70 Arbeitstage befristet ist und wenn die Zeitgrenze nicht bereits durch die Zusammenrechnung von Vorbeschäftigungszeiten aus dem Jahr 2018 überschritten wird.
Zum 1. Januar 2019 tritt kraft Gesetzes eine Änderung in den Verhältnissen ein, sodass ab 1. Januar 2019 wieder die kürzere Zeitdauer zu berücksichtigen ist. Ab dem 1. Januar 2019 liegt eine kurzfristige Beschäftigung nur noch vor, wenn die Beschäftigung seit ihrem Beginn im Jahre 2018 auf längstens zwei Monate bzw. 50 Arbeitstage befristet ist.

Midijobs (Gleitzone)

Beschäftigungsverhältnisse in der Gleitzone ab 1. Januar 2013

Eine Gleitzonenbeschäftigung liegt vor, wenn das regelmäßige Arbeitsentgelt zwischen 450,01 Euro und 850,00 Euro liegt. Bei einem monatlichen Entgelt in dieser Höhe wird dabei der Arbeitnehmerbetrag zur Sozialversicherung nicht vom tatsächlichen Arbeitsentgelt, sondern von einem geringeren fiktiven Ausgangswert berechnet.

Neue Formel Berechnung des Gleitzonenentgelts

Bei Arbeitnehmern, die gegen ein monatliches Arbeitsentgelt innerhalb der Gleitzone beschäftigt sind, findet als beitragspflichtige Einnahme der Betrag Berücksichtigung, der sich aus folgender Formel ergibt: F x 450 + ((850 / 850 - 450) – (450 / 850 - 450) x F) x (AE – 450)

Der Faktor F

Der Wert des Faktor F ergibt sich, wenn die Pauschalabgabe bei geringfügiger Beschäftigung in Höhe von 30 v.H. durch den durchschnittlichen Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz des Kalenderjahres, in dem der Anspruch auf das Arbeitsentgelt entstanden ist, dividiert wird.
Der Faktor F beträgt ab dem 01.01.2015 = 0,7585

Vereinfachte Gleitzonenformel

Die vereinfachte Formel für die Ermittlung der beitragspflichtigen Einnahmen lautet ab 01. Januar 2015
1,2716875 x Gesamtarbeitsentgelt - 230,934375

Übergangsregelungen in der Gleitzone

Für Beschäftigte, die vor dem 1. Januar 2013 in der Gleitzone mit einem durchschnittlichen Monatsentgelt zwischen 400,01 Euro und 450,00 Euro beschäftigt waren, gilt für die Beitragsberechnung aus dieser Beschäftigung – sofern in den einzelnen Versicherungszweigen weiterhin Versicherungspflicht besteht – die bis 31.Dezember 2012 maßgebende Gleitzonenregelung bis zum 31.Dezember 2014 fort. Bestehen diese Beschäftigungsverhältnisse jedoch über den 31.12.2014 hinaus unverändert fort, so liegt ab dem 01.01.2015 eine geringfügige Beschäftigung vor.
Für Arbeitnehmer, die am 31.Dezember 2012 mit einem monatlichen Arbeitsentgelt von 800,00 Euro bis 850,00 Euro beschäftigt waren und fortlaufend sind, wird das beitragspflichtige Arbeitsentgelt weiter nach den allgemeinen Regelungen ermittelt (Ausgangswert für beitragspflichtiges Arbeitsentgelt ist das tatsächliche Arbeitsentgelt). Die neue Gleitzonenformel ist nur anzuwenden, wenn der Arbeitnehmer die Anwendung der ab 1. Januar 2013 maßgebenden Gleitzonenregelung schriftlich gegenüber dem Arbeitgeber erklärt. Die Besitzstandsregelung für Beschäftigungsverhältnisse, die bereits am 31.12.2012 bestanden mit einem Arbeitsentgelt zwischen 800,01 € und 850,00 €, gilt auch über den 31.12.2014 hinaus.

Beitrags­be­rechnung Gleitzone

In der Gleitzone besteht zwar Versicherungspflicht zu allen Sozialversicherungszweigen, zur Abfederung der Beitragsbelastung des Arbeitnehmers im Niedriglohnbereich wird hier der Gesamtbeitrag aber nicht vom tatsächlichen Arbeitsentgelt, sondern von einem geringeren „Bemessungsentgelt“ berechnet. Die Formel zur Berechnung des Bemessungsentgelts:

Gleitzonenregelung ab 01.1.2015

1,2716875 x Gesamtarbeitsentgelt - 230,934375

(Faktor F = 0,7585)

Übergangsfälle ab 01.01.2013

1,2395 x tatsächliches Arbeitsentgelt

-191,60

(Faktor "F" = 0,7605)

Gilt für Beschäftigungen, die bereits am 31.12.2012 bestanden, wenn das Arbeitsentgelt aus dieser Beschäftigung zwischen 400,01 und 450,00 Euro beträgt. Diese Übergangsregelung ist zum 31.12.2014 entfallen; ab dem 01.01.2015 liegt in diesen Beschäftigungsverhältnissen Geringfügigkeit vor

ab 01.01.2014

1,2694375 x tatsächliches Arbeitsentgelt

- 229,021875

(Faktor "F" = 0,7605)

ab 01.01.2013

1,2694375 x tatsächliches Arbeitsentgelt
- 229,021875
(Faktor "F" = 0,7605)

ab 01.01.2012:

1,2509 x tatsächliches Arbeitsentgelt
- 200,72
= Bemessungsentgelt
(Faktor "F" = 0,7491)

ab 01.01.2011:

1,2565 x tatsächliches Arbeitsentgelt 
- 205,20 
= Bemessungsentgelt
(Faktor "F" = 0,7435)

ab 01.01.2010:

1,2415 x tatsächliches Arbeitsentgelt
- 193,20
= Bemessungsentgelt
(Faktor "F" = 0,7585)

Für die Beitragsverteilung auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer gilt:

Renten- und Arbeitslosenversicherung

Bemessungsentgelt x 1/2 Beitragssatz
= 1/2 Beitrag (gerundet) x 2
= Gesamtbeitrag

tatsächliches Arbeitsentgelt x 1/2 Beitragssatz
= Arbeitgeberanteil (gerundet)

Gesamtbeitrag ./. Arbeitgeberanteil
= Arbeitnehmeranteil

Krankenversicherung

Ab 01.01.2015 erheben fast alle gesetzlichen Krankenkassen einen individuellen Beitrag; dieser ist vom Arbeitnehmer allein zu tragen. Der Arbeitgeberanteil wurde vom Gesetzgeber auf 7,3 v.H. festgeschrieben (bei Anwendung des allgemeinen Beitragssatzes / 7,0 v.H. bei Anwendung des ermäßigten Beitragssatzes).

Beitragspflichtiges Arbeitsentgelt x 1/2 Beitragssatz (gerundet) = fiktiver Arbeitgeberanteil
Beitragspflichtiges Arbeitsentgelt x 1/2 Beitragssatz (gerundet) = fiktiver Arbeitnehmeranteil
Beitragspflichtiges Arbeitsentgelt x kassenindiv. Zusatzbeitragssatz = kassenindivid. Zusatzbeitrag
Fiktiver Arbeitgeberant. + fiktiver Arbeitnehmerant. + kassenin. Zusatzbeitrag = Gesamtbeitrag
Tatsächliches Arbeitsentgelt x festgeschr. Arbeitg. Beitragssatz = Arbeitgeberanteil

Gesamtbeitrag ./. Arbeitgeberanteil = Arbeitnehmeranteil

Pflegeversicherung

Der Beitragszuschlag für Kinderlose ist grundsätzlich vom Arbeitnehmer zu tragen. Der Beitragszuschlag errechnet sich aus dem Bemessungsentgelt.

Bemessungsentgelt x 1/2 Beitragssatz
= 1/2 Beitrag (gerundet)
+ Bemessungsentgelt x (1/2 Beitragssatz)
+ 0,25 v. H. Beitragszuschlag
= Gesamtbeitrag (gerundet)

tatsächliches Arbeitsentgelt
x 1/2 Beitragssatz
= Arbeitgeberanteil (gerundet)

Gesamtbeitrag ./. Arbeitgeberanteil
= Arbeitnehmeranteil

Die Gleitzonenregelung gilt nicht für zur Berufsausbildung Beschäftigte.

Zuletzt aktualisiert:
Fri Feb 06 10:02:29 CET 2015

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