Lesen Sie jetzt, was bei der Entsendung von Mitarbeitern ins Ausland für Sie wichtig ist

Entsendung von Mitarbeitern ins Ausland – das müssen Sie als Arbeitgeber wissen

Wann eine Weiterversicherung der entsendeten Arbeitnehmer in Deutschland möglich ist

Verbesserte Karrierechancen, mehr internationale Kompetenz der Beschäftigten, Fachkräftemangel in Wachstumsmärkten – die Gründe für eine sogenannte Entsendung von Beschäftigten ins Ausland sind vielfältig. Europaweit wurden im Jahr 2014 rund 1,5 Millionen Bescheinigungen über eine bestehende Sozialversicherung für Arbeitnehmer ausgestellt, die beruflich ins EU-Ausland gingen.

Auch die Deutschen werden in puncto berufliche Mobilität immer aktiver. Zwar werden keine konkreten Zahlen zu den sogenannten Expatriates erhoben - als den Menschen, die wörtlich übersetzt ihre Heimat verlassen. Doch nimmt auch hier die Zahl der A1-Bescheinigungen über eine Sozialversicherungspflicht in Deutschland stetig zu.

Entsendung von Mitarbeitern ins Ausland: Für wen eignet sich ein Auslandsaufenthalt?

Warum Menschen zeitweilig im Ausland arbeiten, ist sehr unterschiedlich. Die Palette reicht vom Bauarbeiter, der im grenznahen Gebiet zwischen Baustellen pendelt, bis zum Angestellten eines international operierenden Konzerns, der seine Karriereaussichten verbessern will; vom Einzelunternehmer, der mit seinen deutschen Angestellten den Fachkräftemangel im Ausland ausgleicht bis zum Industriekonzern, der die internationale Kompetenz seiner Beschäftigten erhöhen will. Auch Selbstständige, die freiwillig gesetzlich versichert sind, können sich zeitweilig ins Ausland entsenden.

Ausstrahlung des Sozialversicherungsrechts

Nun geht längst nicht jeder Entsendete für eine längere Zeit ins Ausland. Das Gros der modernen Wanderarbeiter ist immer einmal wieder für einige Tage oder Wochen unterwegs. Doch egal, ob die Entsendung von Mitarbeitern ins Ausland einen Tag dauert oder zwei Jahre – die Sozialversicherungspflicht für die Beschäftigten bleibt bestehen. Die Frage ist nur, in welchem Land die Beiträge entrichtet werden müssen. Grundsätzlich gilt zwar die Devise, dass das Sozialversicherungsrecht des Landes angewendet werden muss, in dem der Entsendete arbeitet. Doch in der Praxis bleiben viele Expatriates in der deutschen Kranken-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Diese sogenannte Ausstrahlung des deutschen Sozialversicherungsrechts hat handfeste Vorteile. So bleiben dem Versicherten alle Ansprüche auf Versorgung nach dem deutschen Recht erhalten. Arbeitgeber sparen dadurch in der Regel viel Geld.

Bedingungen für die Ausstrahlung

Für die Weiterversicherung in Deutschland gibt es klare Regeln. So müssen Mitarbeiter, die ins Ausland entsendet werden, weiterhin für das Unternehmen mit Firmensitz in Deutschland tätig sein, dürfen also beispielsweise nicht bei einer ausländischen Tochterfirma beschäftigt werden. Der Lohn muss weiterhin in Deutschland abgerechnet werden und auch die Arbeitsanweisungen müssen von dort kommen. Wichtiges Kriterium ist zudem, dass der Auslandsaufenthalt von vornherein zeitlich befristet wird und der Entsendete keinen anderen Entsendeten vor Ort ablöst.

Wann liegt keine Entsendung vor?

Ist der Beschäftigte hingegen im Ausland mit einem lokalen Arbeitsvertrag ausgestattet, werden die Lohnkosten im Ausland als Betriebsausgabe geltend gemacht, der Vertrag erst vor Ort befristet oder aber der Beschäftigte in einer Management-Position angestellt, ist eine Weiterversicherung in Deutschland nicht möglich.

Ob im Zweifelsfall eine Entsendung vorliegt oder nicht, klären die Sozialversicherungsexperten der DAK-Gesundheit oder der Deutschen Verbindungsstelle Krankenversicherung Ausland, kurz DVKA für Sie.

Entsendung von Mitarbeitern ins Ausland: EU- und EWR-Staaten

Im Jahr 2010 wurde die Entsendepraxis in Staaten der EU sowie des EWR neu geregelt. Seither dürfen Mitarbeiter längstens 24 Monate innerhalb der Staatengemeinschaft arbeiten und dennoch in ihren deutschen Versicherungen bleiben. Die dazugehörige EU-Verordnung 883/04 und die Durchführungsverordnung (DVO) 987/07 gilt für folgende Länder: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Nordirland, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik, Ungarn und Zypern.

Die neue Verordnung wird auch in den EWR-Ländern Island, Liechtenstein und Norwegen sowie in der Schweiz angewendet. Allerdings gibt es hier Einschränkungen im persönlichen Geltungsbereich. Sollten Sie Ihren Mitarbeiter in eines dieser Länder entsenden wollen, besprechen wir die Einzelheiten gern direkt mit Ihnen: Rufen Sie einfach unsere spezielle Hotline für Arbeitgeber an.

Entsendung von Mitarbeitern ins Ausland: Vertragsstaaten

Die Bundesrepublik Deutschland hat mit vielen Ländern, in denen deutsche Unternehmen häufig tätig sind, Abkommen zur Sozialversicherungspflicht der dort tätigen Expatriates geschlossen. Diese bilateralen Verträge sollen vor allem Doppelzahlungen in die Sozialkassen verhindern. Konkret werden darin meistens nur Aufenthaltsfristen sowie Bedingungen geregelt, wann welches Sozialversicherungsrecht greift. Was das für den jeweiligen Expatriate bedeutet, muss tatsächlich im Einzelfall geklärt werden. Mit den USA beispielsweise wurde die Rentenversicherung geregelt. Deutsche Arbeitnehmer und Selbstständige sind von der Versicherungspflicht in den USA ausgenommen. Ob der Arbeitnehmer während der Entsendung in die USA in der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland weiterversichert bleibt oder ob eine Anwartschaft notwendig ist, muss ebenfalls im Einzelfall geklärt werden. Eine Zusatzversicherung ist allerdings in jedem Fall erforderlich.

Entsendung von Mitarbeitern ins Ausland: Vertragsloses Ausland

DAK-Expertin Carolin Kröger erklärt die Ausnahmeregelungen bei der Entsendung von Mitarbeitern ins Ausland

DAK-Auslandsexpertin Carolin Kröger

Für alle Staaten, mit denen es keine europäischen Übereinkünfte oder bilateralen Verträge gibt, gilt: Eine Weiterversicherung nach deutschem Recht ist möglich. Allerdings müssen auch in diesen Fällen entsprechend § 4 SGB IV die Voraussetzungen geprüft werden. In diesen Ländern kann es dann zu Doppelversicherungen kommen, so dass in Deutschland und im Entsendestaat Beiträge zur Sozialversicherung gezahlt werden müssen.

Welches Recht angewendet wird und welche Vorschriften im Einzelnen gelten, hat die DVKA in Bonn aufgeschlüsselt. Dort werden nicht nur Einzelfälle geprüft, sondern auch mögliche Ausnahmen geregelt.

Entsendung von Mitarbeitern ins Ausland: Ausnahmeregelungen

Zwar sind die Bedingungen, unter denen Expatriates aus dem deutschen Sozialversicherungssystem herausgelöst werden müssen, relativ konkret geregelt. Doch gibt es immer Ausnahmen. „Wenn absehbar ist, dass beispielsweise ein Bauprojekt sechs Jahre dauern wird und der leitende Ingenieur während dieser Zeit zwingend vor Ort sein muss, kann man eine Ausnahme beantragen“, erläutert DAK-Expertin Carolin Kröger. Auch bei Beschäftigten, die permanent, aber in unterschiedlichen Ländern unterwegs sein müssen, werden durchaus Ausnahmen zugelassen. Ausnahmeregelungen bei der Entsendung von Mitarbeitern ins Ausland sind also möglich. Wenden Sie sich einfach an die DVKA.

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Zuletzt aktualisiert:
Tue Mar 15 15:03:25 CET 2016

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