Branchenreport Handel: Kundenservice belastet die Gesundheit

Branchenreport Handel: Kundenservice belastet

Vor allem Beschäftigte im Groß- und Einzelhandel arbeiten häufig am Limit

Gesundheit fördern

Sieben von zehn Beschäftigten im Groß- und Einzelhandel gehen bei der Arbeit an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Das zeigt sich auch im Krankenstand: So sind im Einzelhandel beispielsweise psychische Erkrankungen die Ursache für jeden sechsten Fehltag. Das geht aus dem Branchenreport Handel der DAK-Gesundheit und der Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik hervor.

Branchenreport Handel

Für den Branchenreport wertete das IGES Institut die Unfalldaten von rund 3,6 Millionen Vollarbeitern im Groß- und Einzelhandel aus sowie die Fehlzeiten aller in der Branche erwerbstätigen Mitglieder der DAK-Gesundheit. Es wurden zudem bundesweit mehr als 4.000 Beschäftigte aus dem Handel sowie Vertreter der Geschäftsleitung und Verantwortliche im Gesundheitsschutz befragt.

Fehltage und Unfälle

Der Krankenstand betrug 2014 im Großhandel 3,4 Prozent, im Einzelhandel 4,0 Prozent – und bei allen Versicherten der DAK-Gesundheit insgesamt 3,9 Prozent. Die Beschäftigten im Einzelhandel sind seltener, aber dafür länger krankgeschrieben. Sie haben häufiger langwierige Probleme wie psychischen Erkrankungen und Muskel-Skelett-Leiden. Rückenprobleme und andere Muskel-Skelett-Erkrankungen sind für jeden vierten Fehltag im Einzelhandel verantwortlich, psychische Leiden für jeden sechsten.
Im Einzelhandel gab es 2014 auch mehr meldepflichtige Unfälle als im Großhandel. Auf 1.000 Vollarbeiter kamen hier 24,1 Unfälle, im Großhandel nur 16,7. Schwere Unfälle, die zu Rentenzahlungen führten, waren im Großhandel allerdings häufiger (0,6 statt 0,2 Fälle auf 1.000 Vollarbeiter). Sowohl im Einzel- als auch im Großhandel kommt es vor allem beim Gehen, Laufen, Hinauf- und Hinabsteigen zu Unfällen.

Kundenservice belastet die Gesundheit

Im Kundenkontakt zählen Schnelligkeit und eine positive Grundhaltung. Die Beschäftigten müssen immer freundlich bleiben, auch bei hoher Arbeitsbelastung. In der Auseinandersetzung mit anspruchsvollen Kunden entstehen Situationen, die emotional sehr belastend sein können. Zwei Drittel der befragten Beschäftigten (69 Prozent) gehen bei der Arbeit häufig oder manchmal bis an die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit. Bei 4,9 Millionen Beschäftigten in der Branche sind das rund 3,4 Millionen Männer und Frauen bundesweit. Etwa die Hälfte der Beschäftigten mit viel Kundenkontakt (46 Prozent) kann selten oder nie entscheiden, wann sie Pausen macht. Der Branchenreport zeigt auch, dass fast jeder Dritte keinen angemessenen Aufenthaltsraum hat. Oft müssen sich Mitarbeiter für ihre Pausen in Abstell- oder Lagerräume zurückziehen, was die Erholung beeinträchtigt.

Sicherheits- und Gesundheitskultur entlastet

Die Last der emotional fordernden Arbeit mit Kunden kann durch ein gutes Umfeld abgefedert werden. Es hilft den Mitarbeitern beispielsweise, wenn ein Chef klare Anweisungen gibt und ihnen in Auseinandersetzungen mit schwierigen Kunden den Rücken stärkt. Allerdings fühlen sich drei von zehn Befragten nie oder nur selten von ihrem direkten Vorgesetzten unterstützt.

Mehr zu den Angeboten der DAK-Gesundheit im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung finden Sie in unserer Rubrik Betriebliches Gesundheitsmanagement.

Zuletzt aktualisiert:
Thu Jul 07 13:50:33 CEST 2016

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