Pandemie als Katalysator: Ängste bei Kindern in Schleswig-Holstein stark gestiegen

  • DAK-Kinder- und Jugendreport: Angststörungen bei jugendlichen Mädchen steigen seit 2019 um 77 Prozent 

  • Auch Depressionen und Angststörungen auf hohem Niveau
  • DAK-Landeschef Lubinski fordert Maßnahmen zur Stärkung der psychischen Gesundheit

Kiel, 28. Januar 2026. Die Folgen der Pandemie und anhaltende Krisen sorgen bei vielen jungen Menschen in Schleswig-Holstein dauerhaft für psychische Probleme. Das zeigt der neue DAK-Kinder- und Jugendreport zu Angststörungen, Depressionen und Essstörungen. Im Fokus der wissenschaftlichen Studie stehen Schleswig-Holsteins Mädchen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren, da sich hier die größten Anstiege zeigen: 2024 waren rund 68 von 1.000 DAK-versicherten jugendliche Mädchen mit einer Angststörung in Behandlung, womit hochgerechnet landesweit 2.800 junge Frauen betroffen waren. Im Vergleich zu 2019 ist dies ein Anstieg um 77 Prozent. Gegen den Bundestrend, wo die Behandlungszahlen nahezu konstant hoch bleiben, steigen sie in Schleswig-Holstein nach leichten Rückgängen zuletzt weiter an.  Experten sehen in den Ergebnissen des Reports die Pandemie als Katalysator. Auch andere psychische Probleme mussten dauerhaft behandelt werden. Bei jugendlichen Mädchen im Norden sind die Fallzahlen von Depressionen und Essstörungen ebenfalls erhöht. 

 

„Die aktuellen Ergebnisse des DAK-Kinder- und Jugendreports zeigen den Ernst der Lage und eine neue Dimension. Die leise Hoffnung auf einen Rückgang bei psychischen Erkrankungen ist nicht eingetreten. Ängste, Depressionen und Essstörungen begleiten viele junge Menschen inzwischen dauerhaft – vor allem Mädchen. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht einen Teil dieser Generation verlieren“, sagt Cord-Eric Lubinski, DAK-Landeschef in Schleswig-Holstein. „Jugendliche leiden oft auch später als Erwachsene an den Folgen ihrer psychischen Erkrankungen, was ihre Familien oder ihr Arbeitsleben belastet. Deshalb brauchen wir dringend Maßnahmen wie zum Beispiel die Offensive zur Stärkung der mentalen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Schleswig-Holstein.“

Angststörungen bei jugendlichen Mädchen stark gestiegen
Laut DAK-Kinder- und Jugendreport für Schleswig-Holstein sind jugendliche Mädchen von Angststörungen besonders betroffen. So ist die Diagnoserate von Angststörungen bei ihnen im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie stark gestiegen: 2019 mussten 38,5 von 1.000 Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren mit einer Angststörung ambulant oder stationär behandelt werden. 2024 waren es 68,3 je 1.000 jugendliche Mädchen. Das entspricht einer Steigerung von 77 Prozent. Zudem haben sich die Komorbiditäten, also ein gleichzeitiges Auftreten zweier psychischer Erkrankungen bei jungen Patientinnen, mehr als verdoppelt. Die Zahl jugendlicher Mädchen, die zeitgleich an einer Angststörung und einer Depression litten, erhöhte sich 2024 im Vergleich zu 2019 um rund 107 Prozent. 

Experte: Psychische Belastung junger Menschen bleibt hoch
„Der DAK-Kinder- und Jugendreport macht deutlich: Die psychische Belastung junger Menschen ist gestiegen und bleibt hoch. Die Pandemie erscheint dabei weniger als Ursache, sondern als Katalysator neben Entwicklungen bei digitalen Medien, multiplen Krisen, gesellschaftlichem Druck gerade in Familien und wachsender Kinderarmut“, so Dr. Manuel Munz, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Chefarzt am Zentrum für Integrative Psychiatrie in Kiel. „Dass Jungen seltener in den Statistiken auftauchen, bedeutet nicht, dass es ihnen besser geht. Vielmehr fehlen im Gesundheitssystem bislang tragfähige Angebote für die oft anders geäußerten Folgen psychischer Belastung wie Substanzkonsum, Aggression, Delinquenz oder problematische Mediennutzung. Gerade weil Jugendliche besonders offen für Veränderung sind, bieten eine zielgerichtete Versorgung, Sekundärprävention und auch selektive Primärprävention erhebliche Chancen.“

Als erste Krankenkasse in Schleswig-Holstein hat die DAK-Gesundheit ambulante und stationäre Abrechnungsdaten von Kindern und Jugendlichen mit dem Fokus auf Angststörungen, Depressionen und Essstörungen für das Jahr 2024 ausgewertet. Für die aktuelle DAK-Sonderanalyse im Rahmen des Kinder- und Jugendreports untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Vandage und der Universität Bielefeld Abrechnungsdaten von rund mehr als 45.600 Kindern und Jugendlichen bis einschließlich 17 Jahren, die bei der DAK-Gesundheit in Schleswig-Holstein versichert sind. Untersucht wurde das Zeitfenster von 2019 bis 2024 mit insgesamt rund 2,4 Millionen ambulanten Arzt- und Therapeutenbesuchen, Krankenhausaufenthalten und Arzneimittelverschreibungen. Der Fokus der Analyse lag auf der Altersspanne fünf bis 17 Jahre und insbesondere auf jugendlichen Mädchen. 

Plateau-Bildung bei Angststörungen seit 2021
Der DAK-Kinder- und Jugendreport zeigt für Schleswig-Holstein, dass 2024 rund 23 von 1.000 DAK-versicherten Kindern und Jugendlichen zwischen fünf und 17 Jahren mit einer Angststörung behandelt wurden. Das entspricht hochgerechnet landesweit rund 8.300 Kindern und Jugendlichen. Seit 2021 sind die Zahlen bei Schulkindern und Jugendlichen auf einem hohen Niveau und stiegen zuletzt auch noch weiter an. Diese Plateau-Bildung zeigt sich besonders deutlich bei jugendlichen Mädchen: 2024 mussten rund 68 von 1.000 schleswig-holsteinischen Mädchen mit einer Angststörung ambulant oder stationär versorgt werden. Hochgerechnet waren es landesweit rund 2.800 Teenagerinnen im Alter von 15 bis 17 Jahren. Im Vergleich mit dem letzten Vorpandemiejahr 2019 ist das ein Plus von 77 Prozent. Besonders starke Anstiege sind bei den sozialen Phobien und Panikstörungen zu verzeichnen. So verdoppelten sich die Behandlungszahlen bei Panikstörungen mit einem Plus von 135 Prozent im Vergleich der Jahre 2019 und 2024. Die Behandlungszahlen jugendlicher Mädchen mit sozialen Phobien haben in diesem Zeitraum mit einem Anstieg um 285 Prozent sogar knapp vervierfacht. 

Depressionen und Essstörungen weiter auf hohem Niveau
Ein ähnlicher Trend zu einer Plateau-Bildung zeigt sich im nördlichsten Bundesland auch mit Blick auf Depressionen und Essstörungen. So stiegen die Behandlungszahlen jugendlicher Mädchen mit Depressionen 2024 im Vergleich zu 2019 um gut 18 Prozent. 2024 waren in Schleswig-Holstein hochgerechnet rund 2.800 jugendliche Mädchen mit einer Depression in Behandlung. Seit 2021 sind die Zahlen rückläufig, bewegen sich aber immer noch auf einem erhöhten Niveau. Mit Blick auf Essstörungen bleiben die Fallzahlen seit 2021 ebenfalls erhöht, aber mit einigen Schwankungen. Im Vergleich der Jahre 2019 und 2024 steht bei jugendlichen Mädchen im Norden ein Plus von etwa 67 Prozent. 2024 waren es in Schleswig-Holstein etwa 900 Teenagerinnen zwischen 15 und 17 Jahren mit einer Essstörung in Behandlung.

Die DAK-Gesundheit ist mit 5,4 Millionen Versicherten die drittgrößte Krankenkasse Deutschlands und engagiert sich besonders für Kinder- und Jugendgesundheit. Insgesamt sind bei der Krankenkasse in Schleswig-Holstein mehr als 240.000 Menschen versichert. 

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