AMNOG: Umsatzabhängiger Herstellerabschlag als faires Steuerungsinstrument

Hamburg, 18. Februar 2026. Ein dynamischer, umsatzabhängiger Herstellerabschlag könnte kurzfristig rund 1,3 Milliarden Euro im Bereich der patentgeschützten Arzneimittel einsparen. Das zeigt der aktuelle AMNOG-Kurzreport der DAK-Gesundheit. Dieser Abschlag würde erst greifen, sobald gewisse Umsatzschwellen erreicht sind, und damit insbesondere kostenintensive Wirkstoffe in den Fokus nehmen. DAK-Chef Andreas Storm sieht darin ein faires und zielgenaues Steuerungsinstrument mit erheblichem Einsparpotenzial. Laut der Kassendaten, die das Forschungsinstitut Vandage ausgewertet hat, sind patentgeschützte Arzneimittel für 53 Prozent der GKV-Arzneimittelausgaben verantwortlich, obwohl sie nur 7 Prozent der insgesamt verordneten Tagesdosen ausmachen. Dabei führt der Wettbewerb zwischen patentgeschützten Arzneimitteln mit vergleichbarer Wirkweise bislang nicht zu relevanten Preisrückgängen.
„Die Ausgaben für patentgeschützte Arzneimittel steigen weiter stark an und gehören zu den dynamischsten Kostentreibern in der gesetzlichen Krankenversicherung“, sagt Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit. „Vor diesem Hintergrund ist ein umsatzabhängiger Herstellerabschlag ein faires und zielgenaues Instrument, welches der ungebremsten Ausgabendynamik entgegenwirken kann. Er entlastet die GKV, ohne Innovationen pauschal zu beeinträchtigen. Deshalb ist er ein ideales Mittel zur Stabilisierung der GKV-Finanzen. Die FinanzKommission Gesundheit sollte diesen Vorschlag rasch aufgreifen.“
Unter dem Titel „Innovationsförderung und Kostendämpfung: Analyse politischer Handlungsoptionen im Markt patentgeschützter Arzneimittel“ haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Forschungsinstitut Vandage die bereits im AMNOG-Report 2025 fokussierten Kostensenkungsmechanismen genauer auf deren potenzielle Wirksamkeit hin untersucht.
Herstellerabschlag könnte über 1 Milliarde einsparen
Der AMNOG-Kurzreport untersucht zuletzt diskutierte Reformvorschläge zur Preis- und Ausgabensenkung. Demnach könnte allein eine Anhebung des Herstellerabschlags Einsparungen im Milliardenbereich bewirken. Der Report beleuchtet deshalb ein alternatives Entlastungsmodell, das auf einer progressiven Erhöhung des Herstellerabschlags für besonders umsatzstarke patentgeschützte Arzneimittel basiert. Dieses würde kurzfristige Einsparungen von rund 1,3 Milliarden Euro möglich machen. Die Idee: Dieser könnte abhängig von bestimmten Umsatzschwellen greifen, würde sich somit auf umsatzstarke Wirkstoffe fokussieren und damit nicht den gesamten Patentmarkt gleich belasten.
Fokus auf Lebenszyklus
Da der Fokus des AMNOG auf dem Markteintritt liegt, wird zudem Re-Evaluation ebenso diskutiert wie eine Preis-Mengen-Nachsteuerung. Bei Letzterer zeigt sich beispielsweise, dass insbesondere Indikationserweiterungen häufig zu hohen Ausgabenanstiegen führen. Preisanpassungen sollten jedoch auch neue Anwendungsgebiete stärker berücksichtigen. Hier gibt es bisher ungenutzte Einspareffekte. Beide Instrumente bedürfen jedoch politischer Konkretisierung und Umsetzung. Der Report stellt fest, dass das AMNOG-System angepasst werden muss, um die Kosten wieder stärker am tatsächlichen Nutzen zu orientieren. Der Fokus müsse nicht nur auf der Phase des Markteintritts und des Patentauslaufs liegen, sondern auf dem gesamten Lebenszyklus des Arzneimittels. Denn insbesondere in der zweiten Hälfte der Patentlaufzeit sind besonders hohe Ausgabensteigerungen zu erkennen.
Patentgeschützte Arzneimittel sind weiterhin Kostentreiber
Dass Handlungsbedarf besteht, zeigt die jüngste DAK-Analyse: Die GKV-Arzneimittelausgaben stiegen im ersten Halbjahr 2024 um rund 10 Prozent, im ersten Halbjahr 2025 erneut um 6 Prozent. Innerhalb dieses Marktes entfällt ein überproportionaler Anteil der Ausgaben und des Ausgabenwachstums auf patentgeschützte Arzneimittel. Das Problem: Die Markteintrittspreise sinken kaum. Parallele Marktzugänge neuer Arzneimittel mit vergleichbarer Wirkweise stabilisieren ein hohes Preisniveau und führen häufig zu einem Treppeneffekt: Die Einstiegspreise werden immer höher, während die Kosten für die Bestandstherapien nicht nennenswert absinken. Preis-Mengen-Vereinbarungen und Nachsteuerungen bei Indikationserweiterungen tragen bisher wenig zur Kostensenkung bei. Der Generika- und Biosimilarwettbewerb ist dabei zwar der stärkste Preissenkungsmechanismus, greift jedoch erst nach dem Patentablauf. Da aktuell aber rund 94 Prozent der AMNOG-Wirkstoffe patentgeschützt sind, sind die Einspareffekte gering.
Kein Zusammenhang zwischen Standortförderung und hohen Preisen
Im Kurzreport setzen sich die Forscherinnen und Forscher auch kritisch mit der Standortförderung auseinander: Es sei dabei kein belastbarer Zusammenhang zwischen höheren Erstattungspreisen und Standortinvestitionen ersichtlich. Preisregulierungen sollten sich laut Report deshalb an Nutzen, Evidenz und Budgetentwicklung orientieren, Standortförderung hingegen an anderen Faktoren. Insbesondere die regulatorische Planbarkeit, Geschwindigkeit und Qualität administrativer Verfahren, Forschungs- und Dateninfrastruktur sowie die Leistungsfähigkeit klinischer Netzwerke seien ausschlaggebend. Der Report empfiehlt deshalb, Standortpolitik primär auf diese Rahmenbedingungen auszurichten.
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Rüdiger Scharf
Chef-Pressesprecher & Leiter Unternehmenskommunikation
Themen: Vorstands-Kommunikation und Interviewanfragen, Gesundheits- und Pflegepolitik sowie Kinder- und Jugendgesundheit
