Wer schon einmal die Aufregung vor einem ersten Date mitgemacht hat, kennt das Problem: Was tue ich bloß, damit ich gut “ankomme”? Ziehe ich was Schräges, Flippiges an oder gehe ich mit einem dezenten Outfit auf Nummer sicher? Frisiere ich mich ganz normal oder wirkt der lässige “Ich bin gerade aufgestanden”-Look sympathischer? Und was sage ich bloß?
Natürlich bleiben
Was richtig ist, hängt vor allem von der Situation und den beteiligten Personen ab, und wer Eindruck machen will, muss sich darauf einstellen und wissen, was bei dem anderen gut ankommt. Aber: Die eigene Persönlichkeit ist viel viel wichtiger, denn Sie können sich sowieso nicht verstecken! Einfaches Beispiel: Wer den Vamp oder coolen Draufgänger mimt, obwohl sie oder er eher schüchtern und introvertiert ist, wirkt unglaubhaft - und das findet kaum jemand attraktiv. Warum also nicht die Chance nutzen, sich beim ersten Kennenlernen so zu geben, wie man ist? So freundlich und offen, wie Sie auch bei Ihren Freunden sind - nur eine Spur zurückhaltender.
Gefragt sind aber auch Einfühlungsvermögen, Eingehen auf den Anderen - schließlich zeigen Sie ihm so, dass Ihnen etwas an ihm liegt. Wie in der Werbung sollten Sie wissen, was der andere erwartet, und sich gern darauf einstellen. Dass Sie das tun, können Sie mit Ihrem Verhalten beim ersten Kontakt signalisieren.
Sympathisch wirken
In den allerersten Sekunden entscheidet sich, wie Sie ankommen, und rund 60 Prozent davon machen visuelle Eindrücke aus - das Gesicht, die Frisur, die Kleidung. An zweiter Stelle stehen Stimme und Aussprache mit mehr als 30 Prozent. Und nur etwas mehr als 5 Prozent entfallen auf den Inhalt der Aussage. (Was natürlich aber nicht bedeutet, dass Sie sich nicht thematisch auf Gespräche vorbereiten müssen!)
Ein freundliches offenes Lächeln kann Barrieren einreißen. Psychologen und Berufsberater empfehlen es ebenso wie Benimm-Experten, allerdings sollten Sie es nicht übertreiben. Überstarke Freundlichkeit kommt in Amerika gut an, aber nicht so sehr in Deutschland. Ähnlich ist es mit dem Blickkontakt: Starren Sie Ihr Gegenüber nicht dauernd an, Unterbrechungen sind erlaubt und sogar anzuraten.
Offen zuwenden
Eine offene Haltung empfiehlt der Kommunikationsexperte Nicholas Boothmans schon für die Begrüßung. Verschränkte Arme etwa signalisieren Abweisung, das Herz sollte nicht von Händen oder Armen bedeckt und Mantel und Jacke offen sein, sonst wirkt man wortwörtlich zugeknöpft.
Jetzt noch ein Händedruck, verbunden mit dem klaren Sich-Hinwenden zum Anderen, und schon ist die Kontaktaufnahme perfekt. Fast, denn ganz wichtig ist: Nennen Sie den Namen des Menschen, den Sie treffen. Ein “Hallo, Isabelle!” oder “Hi, Robert!” schaffen laut Boothmans viel mehr Sympathie, Nähe und Vertrautheit als unpersönliche Formeln wie “Guten Tag!” oder “Na du?”
Alles menschlich
Gelten diese Date-Regeln auch für Bewerbungsgespräche? Im Prinzip ja. Denn auch bei Personalchefs entscheidet der erste Eindruck - zumindest über die nächsten Monate oder Jahre der Karriere, oft sogar über das gesamte weitere
Arbeitsleben. Und deshalb gilt für Vorstellungsgespräche ebenfalls: Offen sein, auf den anderen zugehen. Bei der Kleidung ist statt Individualität Anpassung angesagt - es ist eben nicht gleich, ob Sie sich mit Freunden treffen oder bei einer Bank oder bei einer Werbeagentur vorstellen.
Noch etwas: Auch, ob der Personalchef eine Frau ist oder ein Mann, prägt die Wahrnehmung. Während Männer eher auf die fachliche Kompetenz achten, spielt bei Frauen instinktiv der Konkurrenzgedanke eine Rolle - besonders, wenn ihr eine Bewerberin gegenüber sitzt. Wenn Mädchen den Eindruck erwecken, sie könnten eine Rivalin für die Chefin werden, oder sie beim Chef vor allem durch aufreizendes Aussehen Eindruck machen möchten, wird es schwierig. Chefs stören sich häufig weniger daran, dass ein Bewerber ehrgeizig ist, viel weiß und noch mehr fragt; erkennbares Engagement wird als Gewinn für das Unternehmen betrachtet.
Selbstbewusst und sicher
Gut ist es in jedem Fall, etwas über die Firma zu wissen, denn dann fühlen Sie sich sicherer und es erleichtert Ihnen selbstbewusstes und dabei natürliches Auftreten: Da Sie vorbereitet sind, müssen Sie nicht ständig auf der Hut sein vor Überraschungen.
Wichtig, wie bei einem Date: Positiv auffallen. Die Kleidung ist ein Plus, aber entscheidend sind auch hier Auftreten und Blickkontakt. Selbst Personalchefs mögen ein freundliches Lächeln! Doch wer sich selbst treu bleibt, offen auf andere Menschen zugeht und ihnen vermittelt, dass ihm was an der Begegnung liegt, hat schon den wichtigsten Schritt getan; beim Date ebenso wie im Personalbüro. Ist das Eis gebrochen und der erste Kontakt hergestellt, dann läuft das Vorstellungsgespräch!