Gesundheitsprogramm erfolgreich in einem Unternehmen etabliert
In Brandenburg kümmert sich ein Unternehmen in besonderer Weise um das Wohlergehen seiner Mitarbeiter. Mit zahlreichen Angeboten im Rahmen eines von der DAK unterstützten Gesundheitsprogramms hat dieses Modell Vorbildcharakter.
Zuerst die Nachricht mit ungesunder Perspektive: Rückenschmerzen sind bei uns der häufigste Grund für Arbeitsunfähigkeit und Frühberentung. Nun die gute Nachricht: Viele Firmen haben erkannt, dass neben betrieblicher Fortbildung die Investition in die Gesundheit der Mitarbeiter genauso wichtig ist.
Zu den Unternehmen, die das auch die das auch umsetzen, gehört der Hersteller von Zellulosefliesstoffen Glatfelter am Rande von Pritzwalk in Brandenburg mit rund 400 Mitarbeitern. "Für uns war es wichtig", sagt Annett Rusch von der Personalabteilung, "Gesundheitsangebote zu machen, die jedem Einzelnen persönlich nützen und ihn motivieren, regelmäßig etwas für sich und seine Gesundheit zu tun." Sind die Mitarbeiter gesund, sind sie leistungsfähiger – und damit ist es auch die Firma. Aber mehr noch: "Auch die Gesundheitsnachsorge ist für uns ein wichtiges Anliegen, etwa mit Krankenrückkehrgesprächen. Hatte ein Mitarbeiter zum Beispiel einen Bandscheibenvorfall und kann nur eingeschränkt an den Arbeitsplatz zurückkehren, sollen unsere Angebote die Wiedereingliederung erleichtern."
Anfangs stießen die Angebote nur auf geringe Resonanz. Also galt es für Annett Rusch und ihre Kolleginnen, Anreize für das hauseigene, von der DAK mit entwickelte und begleitete Gesundheitsprogramm zu schaffen. Für die präventive Sache haben sie viele Führungskräfte eingesetzt. Sie wurden intensiv zum Thema Gesundheit geschult, dann entwickelte man Leitlinien zum künftigen Umgang mit erkrankten Mitarbeitern und zur Frage, wie möglichst viele Mitarbeiter für die Gesundheitsvorsorge begeistert werden könnten. "Wichtig ist", so Annett Rusch, "dass die Führungskräfte in allen Gesundheitsbereichen mit gutem Beispiel vorangehen."
Investitionen in die Gesundheit sind effektiv
"Wir investieren vorbeugend in die Gesundheit unserer Mitarbeiter, um nachhaltig möglichst wenige Erkrankungen innerhalb des Hauses zu haben", erläutert Geschäftsführer Torsten Gärtner. Ist messbar, ob der Krankenstand rückläufig geworden ist? "Die Erfolge sind eindeutig spürbar", bestätigt Annett Rusch. "Viele Mitarbeiter sagen sich: Das macht Spaß, ich investiere in meine Gesundheit."
Ein Beispiel ist der Schichtführer Mario Meier: "Hier kann ich Kondition und Ausdauer steigern und konstant meinen Rücken stärken. Da ich sonst eher nicht der sportliche Typ bin, ist das hier Angebotene was auf Dauer. Solche Übungen macht man zu Hause nicht."Geschäftsführer Torsten Gärtner merkt an: "Wir konnten feststellen, dass sich seit Beginn unserer Gesundheitsprogramme bei konstanter Mitarbeiterschaft und gleichbleibender Anzahl an Produktionsanlagen die Effizienz extrem erhöht hat." Noch dazu ging die Krankenrate um über 20 Prozent zurück.
Anreize für mehr Gesundheit und Wohlbefinden
Im Zuge der Werkserweiterung entstand im August 2009 ein neues Gesundheitszentrum. Das ist seitdem betrieblicher Mittelpunkt gesundheits-präventiver Mitarbeitervorsorge. Eine zentrale Frage für ein Unternehmen lautet: Wie kann man Mitarbeiter für das Thema Gesundheit begeistern und sie motivieren, etwas für das eigene Wohlbefinden zu tun? "Wir bieten verschiedene Anreize, etwas für die Gesundheitsvorsorge zu tun", erläutert Annett Rusch, "etwa indem
es die Möglichkeit gibt, während der Arbeitszeit Massagen und Physiotherapie in Anspruch zu nehmen. Außerdem fördern wir betriebliche Sportgruppen und Jahreskarten in Fitness-Studios. Autogenes Training, Ernährungsberatung und Aktiv-Familientage ergänzen das Programm."

Anfangs wurden die angebotenen Massagen noch von anderen Unternehmen im Landkreis belächelt. Das hat sich mit dem Erfolg der Initiative geändert. Eine Physiotherapeutin spricht die Mitarbeiter direkt an. Viola Goosmann von der Personalabteilung: "Unser Gesundheitsprogramm beinhaltet auch die Förderung von Aktivitäten in Sportvereinen. Dazu gibt es für jedes gesundheitliche Engagement Bonuspunkte. Wer die höchste Punktzahl erreicht hat, dem winkt ein Wellness-Wochenende zu zweit." Das Bemühen ist inzwischen von Erfolg gekrönt: "Mittlerweile nimmt jeder zweite von über 400 Beschäftigten an den Gesundheitsprogrammen teil. Und die Perspektiven stehen günstig, dass es immer mehr werden." Annett Rusch fügt hinzu: "Und um möglichst viele Männer zu erreichen, die ja für Gesundheitsthemen weniger zugänglich sind, laden wir bei Veranstaltungen auch immer die Partnerinnen bzw. Ehefrauen mit ein. Und ich sage Ihnen: Das wirkt."
Ältere Mitarbeiter werden immer wichtiger
Das Zellulosewerk Glatfelter befindet sich mit seinem Produktionsstandort im äußersten Nordosten von Brandenburg. Die besondere Herausforderung: der demografische Wandel. Die Jugend zieht es in die Großstädte wie Hamburg oder Berlin.
Schon deshalb werden die erfahrenen, älteren Mitarbeiter immer wichtiger für das Unternehmen. Annett Rusch: "Wir müssen um jeden Jugendlichen kämpfen, damit er hierbleibt. Darum haben wir ein Ausbildungsprogramm auf die Beine gestellt, das im Umfang mit den Gesundheitsprogrammen vergleichbar ist. Zudem müssen wir unsere Mitarbeiter bis zum Renteneintrittsalter in der Firma halten." Deshalb wurde das "Projekt 55 plus" ins Leben gerufen: "Die erfahrenen, älteren Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapital. Im Jahr 2014 werden 40 Prozent unserer Leute das 50. Lebensjahr überschritten haben. Da spielt Gesundheit eine herausragende Rolle. Unser Ziel kann es nur sein, mit Veränderungen in der Arbeitsorganisation oder Unterstützungsangeboten auf die Altersstruktur zu reagieren, um das Know-how und die Arbeitsfähigkeit der erfahrenen Kollegen bis zum Erreichen des Rentenalters zu sichern. Das ist für uns als einer der größten Arbeitgeber in der Region so etwas wie Bestands- und Zukunftssicherung."



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