Autogenes Training
Das Telefon klingelt, die Assistentin reicht die Unterschriftsmappe über den Schreibtisch, der E-Mail-Account zeigt 17 ungelesene Nachrichten, und der nächste Termin mit einem neuen Klienten ist bereits in einer halben Stunde: morgens 11 Uhr in Deutschland. Immer wieder und zunehmend mehr bestimmen Stress und Hektik den Berufsalltag. Aber nicht nur dort fühlen sich Menschen oft als Getriebene. Auch im Privaten ist ein Leben nach Terminen längst selbstverständlich. Wer hierzu ein Gegengewicht sucht, das relativ einfach zu erlernen und stets verfügbar ist, kommt schnell auf das Autogene Training, eine vom Nervenarzt Johann Heinrich Schultz entwickelte Methode, die mittels Autosuggestion zu körperlicher Entspannung führt und über diese auch die mentale Anspannung reduziert. Angeboten werden Kurse zum Erlernen des Autogenen Trainings von Ärzten ebenso wie von örtlichen Volkshochschulen. Meist sind die Gruppen zwischen sechs und zehn Teilnehmern groß. Es wird keine Trainingskleidung oder Ähnliches benötigt, die Teilnehmer tragen ihr alltägliches Business- oder Freizeit-Outfit. Geübt wird in einem ruhigen Raum, in der Regel in einer sitzenden Position, der sogenannten Droschkenkutscher- Haltung: die Schultern fallen leicht nach vorn, die Arme stützt man auf die Knie. Die gesamte Haltung ist dabei möglichst locker. Die Augen sind geschlossen.
Jetzt gibt der Trainer Beispiele für Formeln vor, mit denen während des Kurses und zukünftig gearbeitet wird. Begonnen wird etwa mit der Formel "Mein rechter Arm ist schwer". Insgesamt sechs Übungen werden so im Laufe des Trainings erlernt. Nach jeder Übung, die zwischen drei und fünf Minuten dauert, wird die Entspannung von den Teilnehmern aktiv zurückgenommen, indem sie nun tief und bewusst einatmen und die Muskeln an- und entspannen. Zum Schluss werden die Augen wieder geöffnet. Ziel dieser Methode: Bereiche des Körpers, die dem vegetativen Nervensystem zugeordnet und damit willentlich nicht zu beeinflussen sind, auf Ruhe umzupolen. Ein Beispiel: Ein unangenehmes Gespräch mit einem Kunden steht an. In Ihrer Vorstellung malen Sie sich Details dieser Unterredung aus. Darauf reagiert Ihr Magen schon jetzt mit leichtem Unwohlsein, Ihr Herz schlägt nicht mehr so ruhig wie vor den Gedanken an die Unterredung, Ihre Anspannung wächst. Allein Ihre Vorstellung führt also bereits zu körperlichen Symptomen. Erschwerend kommt hinzu, dass man versucht ist, die Aufregung zu unterdrücken, was wiederum die Anspannung erhöht. Das Autogene Training will diese Tatsachen umkehren, indem die eigene Vorstellungskraft benutzt wird, um erwünschte körperliche Reaktionen - wie einen ruhigen Herzschlag - hervorzurufen. Hat man die Übungen erst einmal verinnerlicht, sind sie jederzeit und an allen Orten einfach anwendbar, im Büro oder auch zu Hause.
weiterführende Links
Autor: Marie Alut




weiter...
Das Arbeitgeber-Magazin der DAK können Sie hier online lesen.




