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Immer schön flexibel bleiben

Mit Dienst nach Stechuhr können Unternehmen heute nicht mehr punkten. Angestellte wollen selbstbestimmter mit ihrer Zeit umgehen. Was zählt, ist Flexibilität. Das zwingt Arbeitgeber zum Umdenken ? und kann für sie zum Vorteil werden.

Nach monatelangem Schuften für einen Großauftrag ist die Cheftexterin einer Werbeagentur ausgepowert. Kreativität: im Minusbereich. Die Lösung: Tapetenwechsel. Sie plündert ihr Langzeitstundenkonto und ist erst einmal für ein halbes Jahr raus. Der neue Programmierer ist fachlich ein Ass, hängt aber ziemlich in den Seilen, wenn er schon morgens im Büro erscheinen soll. Richtig in die Gänge kommt er erst abends, sein Arbeitstag beginnt deshalb meistens später. Work-Life-Balance und Biorhythmus sind nur zwei Gründe, die die flexible Gestaltung der Arbeitszeiten für viele Menschen immer wichtiger machen. Besonders groß ist der Wunsch nach mehr Zeitsouveränität bei Berufstätigen, die Familie und Job besser unter einen Hut bringen wollen. Sei es, um die ersten Monate mit dem Nachwuchs hautnah mitzuerleben, bei schönem Wetter spontan einen Nachmittag mit den Kindern zu verbringen oder um einen pflegebedürftigen Angehörigen zum Arzt zu begleiten. Wenn Dienstbeginn und Feierabend nicht in Stein gemeißelt sind, kommt das auch Mitarbeitern zugute, die nebenher ein berufsbegleitendes Studium absolvieren oder als Ausgleich zur Arbeit ein Hobby betreiben.

Wie auch immer die individuelle Lebenssituation aussieht: Klassische 9-to-5-Jobs, die einen ans Büro fesseln, funktionieren für viele Arbeitnehmer nicht mehr – und müssen es auch nicht. Es gibt reichlich Alternativen von Gleit- über Teilzeit bis hin zu Lebensarbeitszeitkonten oder Telearbeit. Oft haben neue Modelle es allerdings schwer, sich durchzusetzen. Vielleicht, weil unser Denken über Arbeit noch stark von jahrhundertealten Gewohnheiten bestimmt wird.

Vor der Industrialisierung bestimmte die Natur den Arbeitstag. Er begann mit dem ersten Hahnenschrei und endete bei Einbruch der Nacht. Im Spätsommer, wenn die Ernte eingebracht werden musste, ruhte das Handwerk, und im Winter, wenn Schnee auf den Feldern lag, wurden Arbeiten nachgeholt, für die sonst keine Zeit war. Das Aufkommen der Fabriken löste den Menschen aus diesem Gefüge. Die Arbeitszeit passte sich dem Takt der Maschinen an, die nur Profit brachten, wenn sie in Betrieb waren – Zeit wurde Geld.

Bis in die 1970er-Jahre wurden Abweichungen von den starren, kollektiv geregelten Arbeitszeiten als betriebswirtschaftlicher Unsinn empfunden. Doch dann erfasste eine „Gleitzeitwelle“ die deutschen Büros, ausgelöst durch die zunehmend verstopften Straßen während der Rushhour. Die Arbeitgeber ließen sich nur ungern auf die Forderungen ein und schwächten die Gleitzeit durch lange Kernzeiten und begrenzte Gleittage-Möglichkeiten. In den 1980er-Jahren entdeckten Arbeitgeber, dass Flexibilisierung auch Vorteile für sie bringen konnte. Zum Beispiel dann, wenn bei schwankender Nachfrage mal mehr, mal weniger Arbeitskräfte benötigt werden.

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