Pflanzliche Arzneimittel gelten als sanfte Alternative - in hoher Dosierung sind sie jedoch mit Vorsicht zu genießen.
Medizin aus dem Kräutergarten
Schnupfen, Schlafstörungen, Magenschmerzen? Zwei von drei Deutschen kurieren leichtere Beschwerden am liebsten mit Hilfe von pflanzlichen Medikamenten aus. Denn ihrer Ansicht nach wirken die natürlichen Mittel nicht minder gut, jedoch viel sanfter als die schulmedizinische Variante. Harmlos sind die soften Alternativen deshalb allerdings noch lange nicht. Im Gegenteil: In entsprechender Dosierung sind sie überaus wirksam – inklusive Risiken und Nebenwirkungen.
Therapie mit Power-Pflanzen
Rund 35.000 Pflanzenarten werden mittlerweile für medizinische Zwecke genutzt. Diese so genannten Phytopharmaka helfen nicht nur bei leichten Erkrankungen, sondern werden häufig auch ergänzend zur klassischen Therapie bei schweren Krankheiten eingesetzt. Beispielsweise Weißdorn, ein gängiger Wirkstoff gegen Herzinsuffizienz: Laut amerikanischen Studien ging es herzkranken Patienten deutlich besser, nachdem sie zusätzlich zur klassischen medikamentösen Behandlung einen Weißdorn-Extrakt erhielten.
Auch Johanniskraut gehört zu den bekannten Heilpflanzen. Hauptwirkstoff ist das so genannte Hyperforin. In hoher Dosierung hilft die Pflanze nicht nur gegen Depressionen, sondern schützt nach jüngsten Erkenntnissen womöglich auch vor bestimmten Krebsarten. Allerdings ist hierfür ein konzentrierter Extrakt aus der Apotheke nötig. Tees und Dragees, die günstig in Supermärkten oder Drogerien erhältlich sind, enthalten dagegen nur wenige Milligramm des Wirkstoffs.
Entgegen der gängigen Meinung sind natürliche Arzneien nicht automatisch ungefährlich. Genau wie alle anderen Medikamente kann auch die vermeintlich sanfte Medizin allergische Reaktionen oder toxische Effekte auslösen. Hinzu kommen mögliche Wechselwirkungen. So ist Johanniskraut zwar prinzipiell gut verträglich, verstärkt aber die Lichtempfindlichkeit der Haut. Wer die Präparate regelmäßig nimmt, sollte daher nicht ungeschützt in die Sonne gehen.
Auf die Dosierung kommt es an
Im Gegensatz zu schulmedizinischen Arzneimitteln, die häufig nur aus wenigen oder sogar nur einem Wirkstoff bestehen, setzen sich Extrakte von Heilpflanzen aus unterschiedlichen Einzelsubstanzen zusammen. Die Inhaltsstoffe schwanken außerdem je nach Ernte- und Herstellungsverfahren. Entsprechend unterschiedlich sind ihre Stärke und Wirkungsweise. Generell enthält Naturmedizin aus dem Discounter niedrigere Wirkstoffmengen. Sie dient deshalb auch eher der Behandlung von Befindlichkeitsstörungen. Präparate aus der Apotheke sind fast immer deutlich höher konzentriert. Hier erhält man deshalb auch eine ausführliche Beratung über die richtige Dosierung und mögliche Nebenwirkungen.
| Vorsicht Überdosis! | ||
| Präparat | Anwendungsgebiet | Überdosis/Nebenwirkung |
| Kava-Kava | Angst- und Unruhezustände | 2002 vom Markt genommen. Patienten litten unter Leberschädigungen, vier Todesfälle |
| Belladonna (Tollkirsche) | Krampflösendes Mittel gegen Keuchhusten, Asthma, Koliken und Epilepsie | bei Überdosis tödlich |
| Bierhefe | Akne, Ekzeme, Flechten, Pusteln, Hautpilzen, juckende Ausschläge | migräneartige Anfälle |
| Wacholder | Verdauungsbeschwerden, rheumatische Erkrankungen | längere Anwendung kann zu Nierenschäden führen |
Nahrungsergänzungsmittel
Mogelpackung oder Gesundmacher? Nicht nur pflanzliche Arzneimittel, auch Vitamin- und Mineralstoffpräparate stehen bei den Deutschen hoch im Kurs: Etwa 1,4 Milliarden Euro investieren sie jährlich in Nahrungsergänzungsmittel. Das ergab eine Erhebung des Marktforschungsinstitutes IMS-Health.
Auch wenn Präparate wie Zink, Vitamin A, C oder E vorbeugend wirken, können sie eine gesunde Ernährung nicht ersetzen. Im Gegensatz zu den bunten Pillen aus dem Supermarkt enthalten frisches Obst und Gemüse weitere wertvolle Pflanzenstoffe, die der Körper benötigt. Lediglich Schwangere, Stillende, Hochleistungssportler oder alte Menschen haben einen erhöhten Bedarf an Vitaminen. Für sie kann eine ergänzende Einnahme wichtig sein.
Grundsätzlich gilt: Obwohl es sich bei Nahrungsergänzungsmitteln laut Gesetz um Lebensmittel und nicht um Medikamente handelt, können auch sie bei falscher Dosierung Nebenwirkungen hervorrufen. Genau wie pflanzliche Arzneimittel sollten sie deshalb immer in Absprache mit dem Arzt oder Apotheker eingenommen werden.
Zu viele Vitamine können krank machen
- Vitamin A kann bei zu hoher Dosis Kopfschmerzen, Veränderungen der Haut, Lebererkrankungen sowie Missbildungen von Kindern im Mutterleib hervorrufen.
- Vitamin E im Übermaß erhöht das Hirnschlag-Risiko
- Vitamin D in hoher Konzentration kann Calciumablagerungen in der Niere verursachen.
- Beta-Karotin steht im Verdacht ab einer Tagesdosis von 30 Milligramm das Krebsrisiko zu erhöhen – insbesondere bei Rauchern.
- Vitamin C führt im Übermaß zu Durchfall und fördert die Bildung von Nierensteinen.








