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Kneippsche Anwendungen

Wasseranwendungen klingen zunächst etwas “altbacken” – sind aber besser als ihr Ruf.
Sie provozieren eine Reaktion des Kreislaufs, des Stoffwechsels und der Nerven und können daher fast jede damit zusammenhängende Erkrankung günstig beeinflussen. Abwehrkräfte und allgemeines Wohlbefinden werden gestärkt.

Einsatzgebiete

  • Schmerzen
  • Gelenkprobleme
  • lindert Fieber und Entzündungen
  • zu hoher/zu niedriger Blutdruck
  • chronische Erkältungskrankheiten
  • Störungen des vegetativen Nervensystems
  • begünstigt die Beweglichkeit bei
  • Verschleißerscheinungen
  • verbessert Durchblutungsstörungen
  • Verdauungsprobleme

Die heilende Kraft des Wassers

Wasser ist Leben. Ohne Nahrung könnten wir erstaunlich lange überleben, aber nicht ohne Wasser! Wasser ist vermutlich das älteste Heilmittel der Menschheit. Die Grundlagen der heutigen Hydrotherapie entwickelte im 19. Jahrhundert der Pfarrer Sebastian Kneipp mit seinen Abhärtungs- und Vorbeugekuren.

Kneipp-“Kuren” sind sinnvoll bei:

  • Herz-, Kreislauf- und Gefäßerkrankungen
  • rheumatischen Krankheiten
  • vegetativen Störungen
  • den Wechseljahren
  • Erschöpfung
  • Hautallergien
  • Migräne
  • Asthma


Schon die alten Römer wussten um die Kraft des Wassers und errichteten öffentliche Bäder, die den sozialen Mittelpunkt der Städte bildeten. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Bauernsohn Vinzenz P. Prießnitz (1799–1851) als “Wasserdoktor” berühmt. Seine brutalen Blitzbehandlungen, bei denen man die Patienten auf Liegen schnallte, während eiskaltes Wasser aus 6 Metern Höhe auf sie gegossen wurde, waren dagegen eher berüchtigt …

Wasser-Heil-Kraft-Akt oder kurz “Kneipp”

Sebastian Kneipp (1821–1897), ein armer Webersohn, der sich beim Lernen ein Lungenleiden zuzog, ist Erfinder und zugleich erster Patient der Kneipp’schen Anwendungen. Er verabreichte sich selber während des Priesterseminars kalte Güsse aus der Gießkanne und stieg im Winter in die eiskalte Donau – ganz nach den Anleitungen der “Wasserhähne”, zweier Ärzte namens Hahn, die diese Methode bereits im 18. Jh. empfahlen.

Pfarrer Kneipp erprobte danach noch viele Güsse und Bäder an sich selbst und entwickelte daraus sein eigenes Behandlungssystem, das weit weniger heftig war. Seine Therapie setzt auf fünf Säulen: Wasseranwendungen, Heilkräuter, Bewegung, einfache Ernährung und Lebensordnung. Der große Erfolg bei seinen Patienten gab ihm Recht: Wechselwarme Bäder, Wassertreten und Barfußlaufen im taunassen Gras oder im Schnee – “kneippen” wird bis heute in ganz Europa praktiziert.

So wirkt die Hydrotherapie

Damals wie heute gilt: Wasser nutzen wir zu Heilzwecken vor allem wegen seiner Temperatur und seiner gelenkentlastenden Wirkung (siehe auch “Wassergymnastik”). Heißes Wasser wirkt erweiternd auf die oberflächlichen Blutgefäße. Es verbessert Ihre Haut- und Muskeldurchblutung und vermindert die Durchblutung innerer Organe. Kaltes Wasser führt zu verminderter Hautdurchblutung, verstärkt aber die Blutzufuhr zu den inneren Organen und hemmt biochemische Reaktionen, die Entzündungen verursachen. Beide lindern Verspannungen und Muskelkrämpfe.
Eine so verstärkte Durchblutung regt das Immunsystem an. Dies unterstützt den Körper bei der Bekämpfung von Krankheiten und Infektionen. Die Versorgung der Körperzellen mit Sauerstoff und anderen Nährstoffen wird erhöht, unser Kreislaufsystem angeregt und gestärkt. Das wiederum erhöht den Lymphabfluss und unterstützt die Schweißdrüsen bei der Ausscheidung von Schlackstoffen.
Sie können zwischen über hundert verschiedenen Wasseranwendungen wählen: Waschungen, Güsse, Druckstrahlmassagen, Wassertreten, Wickel, Packungen, Heusack, Teil-, Voll-, Kräuterbäder und Sauna. Die große Auswahl ermöglicht Ihnen ein individuell zusammengestelltes Programm. Was dabei am besten für Sie ist, sollten Sie mit einem Arzt klären!

Grundsatz: Kaltes Wasser wirkt anregend. Warmes Wasser beruhigt und entspannt.

Wassergymnastik

Training im Pool schont Ihre Gelenke. Vielleicht schwören Sie ja auch schon darauf – Aqua-Gym wird in vielen öffentlichen Schwimmbädern angeboten. Aus gutem Grund: Aufgrund seiner natürlichen Eigenschaften ist Wasser ein hervorragendes therapeutisches Mittel. Widerstand, Druck, Auftrieb und Temperatur des Wassers sind die wichtigsten Faktoren für eine gesunde Wassergymnastik. Wasser erleichtert Ihnen die Bewegung, trainiert die Muskeln und entlastet dabei auch noch die Gelenke.

Tipp!

Was Sie noch wissen sollten

  • keine Hydrotherapie nach Operationen
  • keine Dampfbäder bei Herzproblemen, Thrombose oder hohem Blutdruck
  • kein Wasserdampf bei Epilepsie oder Atemwegsbeschwerden
  • bei Infektionen sind öffentliche oder gemeinschaftlich genutzte Bäder tabu

Rechenbeispiel: archimedisches Prinzip

Ein 80 kg schwerer Mensch, der eine Wassermenge von 88 kg verdrängt, wiegt nur noch 8 kg. So können sich Muskeln im Wasser entspannen,
die Gelenke werden entlastet.

Das zahlt die DAK

Die klassischen Kneipp’schen Anwendungen wie hier beschrieben sind eine reine Selbstmedikation. Sie können nicht vom Arzt verordnet werden.
Ausnahme: Im Rahmen einer ambulanten Vorsorgeleistung in einem anerkannten Kurort werden die Kosten für Kneipp’sche Anwendungen von der DAK übernommen.

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