Impf-Ratgeber
Krankheiten, für die eine Impfempfehlung (Stiko) vorliegt Seite 3
Röteln
Die Röteln sind eine relativ harmlose Infektionskrankheit, die von Fieber und einem Hautausschlag begleitet wird. Die Komplikationsrisiken für die Erkrankten selbst sind äußerst gering. Allerdings kann die Viruserkrankung von schwangeren Frauen auf ihre ungeborenen Kinder übertragen werden und dort zu schwersten Missbildungen an Augen, Ohren, Herz und Gehirn führen. Nach neueren Erkenntnissen führt nicht nur die Röteln-Infektion eines Ungeborenen während der ersten drei Monate, sondern während der gesamten Schwangerschaft zu gravierenden Störungen. Heimtückisch ist, dass es für Schwangere keine Möglichkeit gibt, einer Infektion aus dem Wege zu gehen: Einerseits ist in den ersten Wochen vielen Frauen ihre Schwangerschaft selbst noch unbekannt. Andererseits verläuft die Erkrankung häufig so harmlos, dass sie nicht erkannt wird. Der einzige Schutz der Ungeborenen vor einer Röteln-Infektion ist die sichere Immunität der Mutter gegen die Röteln-Viren. Deshalb sollten alle Kinder gegen Röteln geimpft werden – auch die Jungen –, um zu verhindern, dass sie als Ansteckungsquelle für Schwangere dienen. Die Impfung von Kindern, die in der Umgebung von Schwangeren leben, ist kein Risiko für die Schwangerschaft. Schwangere selbst dürfen jedoch nicht geimpft werden. Ungeimpften Frauen mit Kinderwunsch wird empfohlen, zuvor durch eine Blutuntersuchung ihre fragliche Immunität gegen Röteln beim Arzt überprüfen zu lassen. Sind keine oder nicht genügend Antikörper gegen Röteln-Viren vorhanden, sollte eine Impfung erfolgen, wobei für einen Zeitraum von drei Monaten auf sorgfältigen Empfängnisschutz zu achten ist. Die Röteln-Impfung wird gut vertragen und bietet nach zwei Impfungen einen vollständigen Infektionsschutz. Sie sind im 12. – 15. Lebensmonat und 5. – 6. Lebensjahr vorgesehen und werden als Kombinationsimpfung mit Masern und Mumps empfohlen. Es gibt kein Medikament, das Masern, Mumps oder Röteln heilen oder die schwerwiegenden Folgen sicher verhindern kann. Aber die zweimalige Kombinationsimpfung schützt "mit einem Streich" vor drei Krankheiten.
Hepatitis B
Hepatitis (Leberentzündung, Gelbsucht) wird durch Viren verursacht, die in verschiedene Typen (A, B, C, D, E und G) eingeteilt werden. Das Hepatitis-B-Virus (HBV) spielt weltweit wegen seiner Verbreitung und der Schwere der von ihm verursachten Leberentzündung eine besondere Rolle. Die Erkrankung wird ausschließlich von Mensch zu Mensch übertragen, im Wesentlichen durch Kontakt mit Blut und anderen Körperflüssigkeiten (zum Beispiel Samenflüssigkeit oder Scheidensekret). Die darin enthaltenen Viren können über kleine Verletzungen in Haut und Schleimhaut in den Organismus eindringen. Ungeschützter Geschlechtsverkehr und Drogenmissbrauch (unsaubere Spritzen) sind die häufigsten Infektionsursachen. Aber auch intensiver alltäglicher Kontakt in der Familie, wie er etwa zwischen Mutter und Kleinkind oder unter Spiel- und Schulkameraden stattfindet, birgt Ansteckungsgefahren. Die Hepatitis kann mit unspektakulären Allgemeinsymptomen, die einer Grippe ähneln, beginnen, häufig begleitet von Übelkeit und Erbrechen. Eine direkte Behandlung ist nicht möglich. Bei etwa einem Prozent der Erkrankten führt ein rasanter Krankheitsverlauf innerhalb kurzer Zeit zur völligen Zerstörung der Leber mit tödlichem Ausgang. Die überwiegende Zahl der akuten Erkrankungen heilt jedoch von alleine völlig aus. Bedrohlich ist die Hepatitis B vor allem deshalb, weil sie einen chronischen Verlauf nehmen kann, der sich umso häufiger entwickelt, je jünger die Patienten sind. Bei Säuglingen und Kleinkindern beträgt dieses Risiko 90 Prozent, bei Erwachsenen 10 Prozent. Eine chronische Hepatitis führt zur Leberverhärtung (Leberzhirrhose), die nicht heilbar ist und die Entwicklung von Leberkrebs begünstigt. Es gibt zahlreiche Patienten mit einer chronischen Hepatitis B, die nichts von ihrer Erkrankung wissen, die aber das Virus weitergeben können. In Deutschland liegt diese Zahl bei etwa 0,8 Prozent der Bevölkerung. Die Hepatitis B hat in den letzten 15 Jahren deutlich zugenommen. Die höchste Steigerung der Ansteckungsfälle wird in der Altersgruppe der 15- bis 25-jährigen registriert. Diesem Trend und der Gefährdung für den Einzelnen wird seit 1995 mit der Aufnahme der Hepatitis B-Impfung in den Impfkalender (allgemein empfohlene Schutzimpfungen) begegnet. Darin ist zur Grundimmunisierung eine Impfserie von insgesamt drei Injektionen vorgesehen, die im 3. und 5. sowie im 12. – 15. Lebensmonat erfolgen sollten. Für Neugeborene von Müttern, die das Hepatitis-Virus tragen oder deren Blutwerte nicht bekannt sind, gelten abweichende Empfehlungen (siehe Impfkalender).
