Impf-Ratgeber
Krankheiten, für die eine Impfempfehlung (Stiko) vorliegt Seite 2
Poliomyelitis
Die Poliomyelitis (Kinderlähmung, Polio) wird durch die Polio-Viren (drei verschiedene Typen) im direkten Kontakt von Infizierten (Schmierinfektion) übertragen. Die Viren befallen das Nervensystem und verursachen Lähmungen der Arme, Beine und der Rückenmuskulatur. Die meisten Erkrankten behalten lebenslange Behinderungen zurück. Wenn die Atemmuskulatur betroffen ist, kann die Erkrankung tödlich ausgehen. Gegen Polio gibt es keine Medikamente, die den Krankheitsverlauf beeinflussen können, einzig die vorbeugende Impfung bietet einen sicheren Schutz. Vor Einführung der Schutzimpfung im Jahr 1962 erkrankten in Deutschland mehrere tausend Menschen, Hunderte starben. 1996 dagegen wurden nur noch drei Erkrankungsfälle gemeldet. Allerdings ist diese positive Entwicklung kein Grund zu Impfnachlässigkeit, denn in einigen afrikanischen Ländern oder auf dem indischen Subkontinent ist die Kinderlähmung noch immer verbreitet. Von dort können Reisende Viren einschleppen, die bei unzureichender Durchimpfung der Bevölkerung auch hier erneute Epidemien auszulösen in der Lage wären. Die Polio-Schluckimpfung mit abgeschwächten Viren wird von der STIKO derzeit nicht mehr empfohlen. Sie wurde von einem Serum aus abgetöteten Erregern abgelöst, das gespritzt wird. Die Grundimmunisierung benötigt insgesamt eine Serie von drei Impfungen, die im 3., 5. und 12. – 15. Lebensmonat erfolgen sollten. Im 11. – 18. Lebensjahr ist eine einmalige Auffrisch-Impfung empfohlen, die nur in Ausnahmefällen für bestimmte Berufsgruppen oder Reisende in Epidemiegebiete wiederholt werden sollte.
Masern
Masern ist die am häufigsten verharmloste Viruserkrankung des Kindesalters. Hartnäckig hält sich das Gerücht, daran zu erkranken sei "gesünder" als dagegen zu impfen. Aus diesem Grund veranstalten einige wohlmeinende Eltern regelrechte "Masern-Partys", wenn ein Kind im Freundeskreis erkrankt ist, um ihre gesunden Kinder dort absichtlich zu infizieren. Das würde auch leicht funktionieren, denn Masern sind sehr ansteckend und werden durch Tröpfcheninfektion übertragen. Der unkomplizierte Krankheitsverlauf (ca. 14 Tage) ist von hohem Fieber, einem typischen Hautausschlag, Husten und Bindehautentzündung geprägt. Doch schwere Komplikationen wie Lungen- und Mittelohrentzündungen, die wiederum zu bleibender Schwerhörigkeit oder Taubheit führen können, treten häufig auf. Bei kleinen Masernpatienten besteht außerdem ein Risiko von 1:1.000, an einer schweren Hirnentzündung zu erkranken, die für etwa 15 Prozent dieser Kinder tödlich verläuft. Das Risiko, nach einer Masernimpfung einen Hirnschaden zu erleiden, liegt dagegen nur bei 1:1.000.000. Die im Vergleich weitaus risikoärmere Masern-Impfung ist damit der einzig sichere Schutz vor der möglicherweise folgenschweren Erkrankung. Die vollständige Immunisierung erfordert je eine Impfdosis im 12. – 15. Lebensmonat und im 5. – 6. Lebensjahr. Eine Dreierkombination mit Mumps- und Rötel-Vakzinen wird empfohlen.
Mumps
Auch Mumps (Ziegenpeter), eine Virusinfektion, die meist mit Fieber, Kopfschmerzen und der Entzündung der Speicheldrüse einhergeht, ist besonders wegen der schweren Komplikationen ernst zu nehmen. Bei etwa jedem zehnten erkrankten Kind tritt eine Entzündung der Hirnhäute (Meningitis), seltener auch des Gehirns (Enzephalitis) auf. Eine typische Komplikation ist auch eine bleibende Schädigung des Hörnervs bis zur Taubheit. Für Mumps-Patienten jenseits der Pubertät stehen andere Komplikationen im Vordergrund: Die Viren infizieren dann häufig auch die Keimdrüsen und verursachen bei jedem vierten Mann eine Hodenentzündung. Bei jeder zwanzigsten Frau kommt es zu einer Eierstockentzündung. Beides kann Unfruchtbarkeit zur Folge haben. Die rechtzeitige Impfung gegen Mumps schützt vor bleibenden Gesundheitsschäden und sichert den Kindern Lebensqualität und Entscheidungsfreiheit für die Zukunft (Kinderwunsch). Der vollständige Impfschutz wird mit zwei Serumgaben erreicht, die im 12. – 15. Lebensmonat und im 5. – 6. Lebensjahr injiziert und idealerweise mit der Masern- und Röteln-Impfung kombiniert werden.
