Impf-Ratgeber
Krankheiten, für die eine Impfempfehlung (Stiko) vorliegt
Diphtherie
Das Diphtherie-Bakterium wird überwiegend über die Atemluft (Tröpfcheninfektion) oder direkten Kontakt übertragen und setzt sich bevorzugt in den Schleimhäuten der Atemwege fest. Es gibt Gift ins Gewebe ab und führt zu schwerer Entzündung, was im Bereich des Kehlkopfes Erstickungsanfälle auslösen kann. Auf dem Blutweg kann das Bakteriengift schwere Herzmuskel-, Nieren- oder Nervenschäden mit lebenslanger Behinderung verursachen. Die gefürchtete Infektionskrankheit verlief vor Einführung der Schutzimpfung vor allem für Kinder oft tödlich. Diphtherie-Epidemien treten weltweit, auch in Europa noch immer auf. Etwa drei Prozent der Erkrankten sterben. Obwohl in Deutschland Diphtherie selten geworden ist, besteht bei unzureichender Impfbeteiligung der Bevölkerung durch Einschleppung aus dem Ausland (z.B. ehemalige Sowjetunion, Türkei) auch hier das Risiko schwerer Epidemien. Die Diphtherie-Impfung sollte ab dem dritten Lebensmonat begonnen werden. Eine vollständige Grundimmunisierung erfordert vier Impfungen. Auffrischungen werden bei Einschulung und danach lebenslänglich in etwa 10-jährigen Abständen empfohlen. Sinnvoll ist die Impfkombination Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten (drei Impfstoffe in einer Spritze), da alle drei Impfungen demselben Zeit-Schema folgen. Außerdem werden so den Kindern allzu viele Nadelstiche und den Eltern zusätzliche Arzttermine erspart.
Tetanus
Auch Tetanus (Wundstarrkrampf) wird durch Gift eines in Erde (auch Blumenerde), Schmutz und Straßenstaub vorkommenden Bakteriums verursacht. Der Erreger gelangt selbst über kleinste Verletzungen (Schürf-, Riss-, Schnitt- oder Bisswunden) in den menschlichen Organismus, vermehrt sich dort rasch und bildet ein Nervengift, das schwerste Muskelkrämpfe auslöst. Ist auch die Atemmuskulatur betroffen, droht der Erstickungstod. Trotz intensivmedizinischer Behandlung stirbt etwa jeder dritte Tetanuspatient. Die Impfung gegen Tetanus sollte ab dem dritten Lebensmonat, am besten als Kombination mit Diphtherie und Keuchhusten entsprechend dem Impfkalender erfolgen. Es gibt aber auch Einzelimpfstoffe, die besonders bei akuten Verletzungen und nicht bekanntem Impfschutz zum Einsatz kommen. Eine Auffrischimpfung in 10-jährigen Intervallen ist lebenslang empfohlen und kann mit der Diphterie-Auffrisch-Impfung kombiniert werden (zwei Impfstoffe in einer Spritze).
Pertussis (Keuchhusten)
Keuchhusten (Pertussis) wird über die Atemluft (Tröpfcheninfektion) übertragen. Der Erreger besiedelt die Schleimhäute der Atemwege und reizt zu quälenden Hustenkrämpfen. Die auch als Stickhusten bekannte Erkrankung quält die Kinder in Einzelfällen monatelang. Sie kann als Komplikation zu Lungen- und Gehirnentzündung führen und begünstigt die Entwicklung von Asthma. Noch immer sterben in Deutschland Kinder an Keuchhusten. Besonders Säuglinge sind gefährdet, da zwischen den Hustenattacken lebensbedrohliche Atemstillstände auftreten können. Aus diesem Grund ist die Keuchhusten-Impfung zum frühestmöglichen Zeitpunkt ab dem dritten Lebensmonat empfohlen. Der heutige Impfstoff kann in der Dreierkombination mit Diphtherie und Tetanus gespritzt werden und wird besser vertragen als der früher übliche Lebendimpfstoff. Die Grundimmunisierung umfasst vier Impftermine entsprechend dem Impfkalender und sollte bis zum 15. Lebensmonat abgeschlossen sein. Die Keuchhusten-Impfung sollte auch im Erwachsenenalter aufgefrischt werden.
Hib-Infektion
Auch Hib-Infektionen bedrohen besonders Säuglinge und Kleinkinder. Das Bakterium Haemophilus influenzae Typ b wird durch Schmier- und Tröpfcheninfektion übertragen und verursacht schwere Infektionskrankheiten. Gefürchtet sind vor allem die eitrige Hirnhautentzündung (Meningitis) und die Kehldeckelentzündung (Epiglottitis), die Erstickungsanfälle verursacht. Die Infektionen können einen so rasanten Verlauf nehmen, dass jede intensivmedizinische Hilfe und Antibiotikatherapie zu spät kommen. Neben den Todesfällen hinterlässt die Hib-Meningitis aber auch bei den überlebenden Kindern eine traurige Bilanz: Jedes Dritte erleidet Dauerschäden mit geistiger und körperlicher Behinderung. Die Meningitis bedroht Säuglinge und Kleinkinder bis zum dritten Lebensjahr, die Kehlkopfentzündung kommt am häufigsten zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr vor. Ab dem Schulalter ist das Immunsystem grundsätzlich Sieger im Kampf mit dem gefährlichen Bakterium. Heimtückisch ist allerdings, dass viele gesunde Menschen dennoch Träger von Hib-Keimen sind und sie an Säuglinge und Kleinkinder weitergeben. Nur rechtzeitige Impfung schützt in diesen Fällen. Der deutliche Rückgang an von Hib verursachten Infektionen und Todesfällen belegt die Wirksamkeit der Impfungen. Entscheidend ist der frühzeitige Impfbeginn im dritten Lebensmonat. Der Impfschutz ist mit der 2. und 3. Impfung im 5. bzw. 12. – 15. Lebensmonat vollständig.
